{"id":1587,"date":"2025-06-13T20:00:00","date_gmt":"2025-06-13T18:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=1587"},"modified":"2025-06-16T08:55:08","modified_gmt":"2025-06-16T06:55:08","slug":"%e2%9d%a4%ef%b8%8f%f0%9f%a7%a1%f0%9f%92%9b-philipp-und-tom-%f0%9f%92%9a%f0%9f%92%99%f0%9f%92%9c-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=1587","title":{"rendered":"\u2764\ufe0f\ud83e\udde1\ud83d\udc9b Philipp und Tom \ud83d\udc9a\ud83d\udc99\ud83d\udc9c (3)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Radio QueerLive \u2013 Eine Berliner Liebesgeschichte, <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Teil 3<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eEin See, ein Tunnel, ein Moment\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es war wieder Sonntag. Sie hatten sich seit dem Treffen an der Weltzeituhr fast jeden Tag geschrieben, Sprachnachrichten geschickt, Fotos geteilt. Noch kein Kuss, kein richtiges Date. Nur viel N\u00e4he auf Entfernung \u2013 wie ein vorsichtiges Antasten \u00fcber Radiowellen, Textzeilen und Herzklopfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesmal war es Philipp, der den Vorschlag machte:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>Ich will raus. Raus aus Mitte. Raus aus Wlan und WG-K\u00fcche. Zeig mir was Echtes. Einen Ort, den man f\u00fchlen kann.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Tom antwortete sofort:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>Dann fahren wir an den M\u00fcggelsee. Du musst durch die B\u00f6lschestra\u00dfe gehen, bevor du diesen See \u00fcberhaupt verdient hast.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und so stiegen sie am n\u00e4chsten Tag am S-Bahnhof Friedrichshagen aus. Die Sonne schien hell, das Pflaster unter ihren F\u00fc\u00dfen war uneben, aber sch\u00f6n. Die B\u00f6lschestra\u00dfe war wie eine andere Welt: alte Gr\u00fcnderzeith\u00e4user, Caf\u00e9s mit echten Torten in der Auslage, Buchhandlungen, die noch nach Papier rochen. In der Mitte stand die alte Kirche, wie aus einem historischen Film.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp schaute sich staunend um. \u201eIch h\u00e4tte nicht gedacht, dass Berlin auch so klingen kann. So\u2026 leise.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tom grinste. \u201eIch bring nur besondere Menschen hierher.\u201c<br>Philipp erwiderte nichts \u2013 aber sein L\u00e4cheln verriet genug.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie liefen vorbei an der alten Brauerei, die roch nach Geschichte und ein bisschen nach Hopfen. Und dann \u00f6ffnete sich die Stra\u00dfe \u2013 und da lag er: der M\u00fcggelsee. Breit, silbern, spiegelnd. Boote glitten \u00fcbers Wasser, Kinder warfen Steine, M\u00f6wen lachten schrill in der Luft.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Friedrichshagener Uferpromenade lehnten sie sich ans Gel\u00e4nder und schauten schweigend hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn ich auf Wasser schaue\u201c, sagte Philipp leise, \u201ewird es ruhig in mir. Als w\u00fcrde jemand den L\u00e4rm in meinem Kopf runterdrehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tom nickte nur. Dann deutete er auf einen kleinen H\u00fcgel. \u201eDa vorne beginnt der Spreetunnel. Willst du was Verr\u00fccktes machen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp zog die Augenbraue hoch. \u201eWas Verr\u00fccktes? Was meinst du?\u201c<br>\u201eEin Tunnel unter der Spree. Der hallt total, wenn man durchl\u00e4uft. Komm, wir rufen was rein!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie liefen zum Eingang des Spreetunnels. Es war k\u00fchl darin, still \u2013 aber jede Stimme hallte wie in einer Kathedrale.<br>\u201eAchtung!\u201c, rief Tom, \u201ehier kommen die zwei, die noch an Romantik glauben!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd an Zuf\u00e4lle!\u201c, rief Philipp, und ihr gemeinsames Lachen hallte durch den Tunnel zur\u00fcck wie ein Echo der letzten Woche.<\/p>\n\n\n\n<p>Am anderen Ende kamen sie heraus wie neu sortiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ging weiter am S\u00fcdufer vom M\u00fcggelsee und manchmal ber\u00fchrten sich zwei Fingerspitzen und manchmal hielten sie sich die Hand.<br>R\u00fcbezahl.<br>Dort lag ein kleiner Bootsverleih. Alte Holzboote, ein paar Kajaks, und \u2013 mitten darin \u2013 ein hellblaues Paddelboot.<br>Tom grinste: \u201eLust auf eine Runde \u00fcber den M\u00fcggelsee?\u201c<br>\u201eNur, wenn du lenkst\u201c, sagte Philipp.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie stiegen ein, Philipp vorn, Tom hinten, und paddelten los. Das Wasser kr\u00e4uselte sich unter ihnen, die Sonne glitzerte auf der Oberfl\u00e4che wie Silberfolie, und am Ufer zogen Villen, B\u00e4ume und Spazierg\u00e4nger vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSag mal\u201c, fragte Tom, \u201ewas ist eigentlich mit deinem Handy? Schon wieder fit?\u201c<br>\u201eIch hab ein neues\u201c, lachte Philipp. \u201eAber ich schw\u00f6r, diesmal kommt\u2019s mir nicht in die Waschmaschine.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOder in den See\u201c, erg\u00e4nzte Tom.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch kaum hatte er das gesagt, geriet das Boot durch eine ungeschickte Drehung leicht aus dem Gleichgewicht. Das Boot wurde von einer Welle getroffen die ein Dampfer verursachte. <br>Tom lachte, versuchte gegenzusteuern \u2013 und Philipp, der sich umdrehte, um zu helfen, verlor das Gleichgewicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein <em>Platsch<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann noch ein, Plumps.<\/p>\n\n\n\n<p>Wasser. Kalt. Glucksend. Und zwei M\u00e4nner, die innerhalb einer Sekunde patschnass waren \u2013 aber lachten, als h\u00e4tten sie sich gerade selbst in eine romantische Kom\u00f6die geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie paddelten zur\u00fcck ans Ufer, tropfend, keuchend, frierend. Ihre Shirts klebten an der Haut, zeichneten Muskeln, Linien, W\u00e4rme. Tom sah Philipp an \u2013 sein Haar klatschnass, die Wimpern wie gef\u00e4chert, das L\u00e4cheln immer noch da.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu siehst aus wie ein italienischer Filmschauspieler nach einem Gewitter.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu wie ein Barkeeper, der aus Versehen ins Tauchbecken gefallen ist\u201c, konterte Philipp.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie standen nebeneinander, bis auf ihre triefenden Klamotten total nass, und beide wussten: In diesem Moment war alles erlaubt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch ber\u00fchrten sie sich nur kurz. Eine Hand auf einer nassen Schulter. Ein Blick, der l\u00e4nger dauerte als n\u00f6tig \u2013 aber noch nicht das Ende war.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch geb dir einen Tee aus\u201c, sagte Tom.<br>\u201eNur, wenn du mir n\u00e4chste Woche etwas ohne Wasser zeigst, das Tempelhofer Feld vielleicht.<br>Meinst du ich bekomme einen Handyrabatt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAbgemacht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ende Teil 3 \u2013 Fortsetzung folgt morgen um 20.00 Uhr<br><br><br>Gute Nacht<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Radio QueerLive \u2013 Eine Berliner Liebesgeschichte, Teil 3 \u201eEin See, ein Tunnel, ein Moment\u201c Es war wieder Sonntag. 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