{"id":1593,"date":"2025-06-15T20:00:00","date_gmt":"2025-06-15T18:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=1593"},"modified":"2025-06-16T08:57:03","modified_gmt":"2025-06-16T06:57:03","slug":"%e2%9d%a4%ef%b8%8f%f0%9f%a7%a1%f0%9f%92%9b-philipp-und-tom-%f0%9f%92%9a%f0%9f%92%99%f0%9f%92%9c-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=1593","title":{"rendered":"\u2764\ufe0f\ud83e\udde1\ud83d\udc9b Philipp und Tom \ud83d\udc9a\ud83d\udc99\ud83d\udc9c (5)"},"content":{"rendered":"\n<p>Radio QueerLive \u2013 Eine Berliner Liebesgeschichte<br>Teil 5:<\/p>\n\n\n\n<p>Funkstille<\/p>\n\n\n\n<p>Berlin, ein paar Tage nach dem Vorfall im Marienhof.<br>Drau\u00dfen rauscht der Verkehr durch nasse Stra\u00dfen. Das Licht ist stumpf, die Luft schwer \u2013 so wie die Stimmung zwischen zwei Menschen, die kurz davor waren, sich wirklich zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp sitzt allein in seinem WG-Zimmer in Friedrichshain, die Knie angezogen, das Handy stumm. Die letzte Nacht war kurz. Er hatte kaum geschlafen. Immer wieder hatte sich die Szene in der Bar abgespielt. Toms Ex-Freund \u2013 Jan \u2013 der sich mit arrogantem Grinsen zwischen sie geschoben hatte. Die abf\u00e4lligen Blicke. Die mitleidigen Spr\u00fcche. \u201eDer ist doch viel zu brav f\u00fcr dich, Tom. Den vergisst du in zwei Tagen wieder.\u201c Und Tom\u2026 Tom hatte nichts gesagt. Oder nicht genug.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp hatte alles gesehen, gesp\u00fcrt. Den Blick von Tom, als Jan ihn am Arm festhielt. Die Hilflosigkeit. Aber es war zu sp\u00e4t gewesen. Das flaue Gef\u00fchl im Magen hatte sich in Wut verwandelt. Und Schmerz. Und Stolz.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hatte Toms Nummer noch auf dem Heimweg blockiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Prenzlauer Berg, nur ein paar Kilometer entfernt, lag Tom auf der Couch. Um ihn herum verstreut lagen leere Teetassen, eine zerkn\u00fcllte Serviette aus der B\u00e4ckerei von gestern, und sein Handy \u2013 stumm geblieben seit Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hatte es versucht. Nachrichten geschrieben. Geklingelt. Noch eine Nachricht. \u201eBitte, Philipp. Das war nicht so, wie es aussah.\u201c Aber nichts kam zur\u00fcck. Bis irgendwann nur noch dieser eine, kalte Hinweis kam: \u201eNachricht nicht zugestellt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tom war blockiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Er lie\u00df sich tiefer ins Kissen sinken, fuhr sich durch die Haare, Tr\u00e4nen liefen \u00fcber sein Gesicht. Schei\u00dfe, schei\u00dfe, schei\u00dfe.<br>Was jetzt?<\/p>\n\n\n\n<p>Er dachte an den Moment im M\u00e4rchenbrunnen. Wie Philipp sich neugierig zur Seite gedreht hatte, als Tom laut lachend Radio QueerLive geh\u00f6rt hatte. Wie er ihn angesprochen hatte, ganz sch\u00fcchtern, mit diesem glitzernden Blick, der ihm bis heute nicht aus dem Kopf ging.<\/p>\n\n\n\n<p>Und da war sie wieder: Radio QueerLive. Die Geschichte hatte dort angefangen. Warum sollte sie nicht auch dort\u2026 eine neue Chance bekommen?<\/p>\n\n\n\n<p>Tom schnappte sich sein Handy, \u00f6ffnete die Website des Senders. Eine Livesendung am Abend, Thema: &#8222;Liebe in Berlin &#8211; Zwischen Partywochenende und Barhocker\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Perfekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Er schrieb eine Nachricht an die Redaktion:<br>&#8222;Ich hei\u00dfe Tom. Ich suche jemanden. Es war meine Schuld. Ich m\u00f6chte erkl\u00e4ren, warum ich damals nichts gesagt habe. Vielleicht h\u00f6rt er zu.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenige Minuten sp\u00e4ter klingelte sein Handy. Ein Redakteur. Er fragte freundlich, ob er bereit w\u00e4re, live ins Studio zu kommen. Seine Stimme zitterte, aber er sagte zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend betrat Tom mit pochendem Herzen das Studio von Radio QueerLive in Friedrichshain. Die W\u00e4nde waren mit bunten Plakaten tapeziert, aus dem kleinen Fenster sah man den Fernsehturm glimmen. Der Moderator \u2013 Jakob \u2013 grinste ihm aufmunternd zu.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAlso Tom\u2026 erz\u00e4hl uns. Wer ist Philipp?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tom schluckte. Dann begann er zu reden. \u00dcber den M\u00e4rchenbrunnen. Die Spazierg\u00e4nge. Die Weltzeituhr. Den M\u00fcggelsee. Wie Philipp ihn ansah, wenn er lachte. Und \u00fcber den Marienhof. \u00dcber Jan. Und dass er zu langsam war. Zu feige. Dass er sich das selbst nicht verzeihen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch wei\u00df nicht, ob er zuh\u00f6rt\u201c, sagte Tom zum Schluss. \u201eAber falls ja\u2026 ich w\u00fcrd alles tun, um dich noch einmal zu sehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im selben Moment sa\u00df Philipp wieder in seinem Zimmer. Die Decke halb \u00fcber dem Kopf, ein Kakao in der Hand \u2013 und das Radio leise aufgedreht. Er hatte eigentlich gar nicht mehr zugeh\u00f6rt, doch dann\u2026 diese Stimme. Die Worte. Tom?!?<\/p>\n\n\n\n<p>Er hielt den Atem an. Alles kam zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Moderator beendete das Gespr\u00e4ch und f\u00fcgte noch hinzu:<br>\u201eFalls du das geh\u00f6rt hast, Philipp \u2013 melde dich bei uns. Oder ruf gleich durch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und das tat er. Mit zitternder Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Studio ist es f\u00fcr einen Moment ganz still. Nur ein leises Rauschen liegt auf der Leitung. Tom sitzt noch immer vor dem Mikrofon, seine H\u00e4nde sind kalt, seine Knie wippen nerv\u00f6s. Der Moderator schaut ihn fragend an \u2013 und dann:<\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"512\" class=\"gb-media-c9208759\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/file_00000000a0d461f4a22d797502939857-768x512.avif\" title=\"file_00000000a0d461f4a22d797502939857\" srcset=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/file_00000000a0d461f4a22d797502939857-768x512.avif 768w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/file_00000000a0d461f4a22d797502939857-300x200.avif 300w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/file_00000000a0d461f4a22d797502939857-1024x683.avif 1024w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/file_00000000a0d461f4a22d797502939857.avif 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/>\n\n\n\n<p>Das Telefon klingelt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh\u201c, sagt Jakob ins Mikro, \u201evielleicht\u2026 Moment\u2026\u201c<br>Ein Knacken. Eine Stimme, z\u00f6gerlich, leise.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHallo? Hier ist\u2026 Philipp.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tom stockt der Atem. Seine Augen weiten sich. Er h\u00e4lt den Kopf leicht schr\u00e4g, als w\u00fcrde er sich vergewissern, dass das gerade wirklich passiert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePhilipp?\u201c, fragt er heiser.<\/p>\n\n\n\n<p>Am anderen Ende der Leitung ist es kurz still. Dann spricht Philipp weiter.<br>\u201eIch\u2026 ich hab zugeh\u00f6rt, Tom. Die ganze Zeit. Schon seit du angefangen hast zu reden. Und ich\u2026 ich wollte zuerst nicht glauben, dass du es wirklich bist. Aber dann\u2026\u201c \u2013 seine Stimme bricht \u2013 \u201edann hast du vom M\u00fcggelsee erz\u00e4hlt. Und von dem Tag im Boot. Und\u2026 na ja, ich war wieder da. Im Kopf. Ganz bei dir.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im Studio schluckt Tom. Er sagt leise: \u201eIch hab dich nie vergessen. Auch nicht, als du meine Nummer blockiert hast.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp antwortet schnell, als h\u00e4tte er genau das erwartet. \u201eEs tut mir leid. Ehrlich. Ich war verletzt. Ich hab\u2026 zu schnell dichtgemacht. Ich dachte, du willst mich nicht verteidigen. Aber ich hab nicht gesehen, wie \u00fcberfordert du warst. Ich war\u2026 kindisch. Und unfair.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Moderator blickt r\u00fchrselig zwischen den beiden hin und her \u2013 ganz so, als s\u00e4\u00dfe Philipp mit im Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch h\u00e4tte wissen m\u00fcssen, dass Jan nicht f\u00fcr dich spricht\u201c, f\u00e4hrt Philipp fort. \u201eUnd dass er nur Teil einer Szene ist, die manchmal laut und grell ist, aber nicht du. Du bist\u2026 anders.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin immer noch der mit den nassen Schuhen vom M\u00fcggelsee\u201c, sagt Tom leise.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp lacht. Und es klingt wie Erleichterung, wie ein Knoten, der platzt.<br>\u201eDann will ich dich nochmal treffen, nasser Typ.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWann?\u201c, fragt Tom.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSonntag 15.00 Uhr. Gleiche Bank. M\u00e4rchenbrunnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDeal.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann sagt Philipp noch etwas, was viele Radioh\u00f6rer im ganzen Gro\u00dfraum Berlin in diesem Moment nicht mehr vergessen werden:<br>\u201eIch hab deine Nummer wieder freigegeben. Ruf mich an, okay?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Moderator wischt sich verstohlen die Tr\u00e4nen aus den Augen.<br>Die Musik setzt ein. Und drau\u00dfen, irgendwo zwischen Friedrichshain und Prenzlauer Berg, beginnt Berlin wieder ein kleines bisschen zu leuchten.<\/p>\n\n\n\n<p>Teil 5 ist Ende &#8211; morgen geht&#8217;s weiter um 20.00 Uhr<\/p>\n\n\n\n<p>Gute Nacht<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Radio QueerLive \u2013 Eine Berliner LiebesgeschichteTeil 5: Funkstille Berlin, ein paar Tage nach dem Vorfall im Marienhof.Drau\u00dfen rauscht der Verkehr durch nasse Stra\u00dfen. 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