{"id":1638,"date":"2025-06-14T18:38:58","date_gmt":"2025-06-14T16:38:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=1638"},"modified":"2025-06-14T18:39:01","modified_gmt":"2025-06-14T16:39:01","slug":"aussen-motto-innen-hohl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=1638","title":{"rendered":"Au\u00dfen Motto, innen hohl"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn Vielfalt zur Einbahnstra\u00dfe wird \u2013 Ein Kommentar zum CSD Merseburg<\/p>\n\n\n\n<p>Radio QueerLive war vor Ort beim ersten Christopher Street Day in Merseburg. Was wir dort gesehen haben, war ein bunter und sichtbarer Protest vieler Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Menschen, die sich f\u00fcr queere Sichtbarkeit starkmachen, Flagge zeigen, Vielfalt leben. Es war ein Tag mit wichtigen Zeichen in einer Region, in der queeres Leben noch nicht selbstverst\u00e4ndlich sichtbar ist.<br>Wir erlebten Mensch, die Freundinnen und Freunde auch aus anderen Regionen zu sich holten , um gemeinsam zu demonstrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz anders zeigte sich jedoch das Orga-Team des CSD Merseburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn ausgerechnet ein Verein, der sich seit vielen Jahren in Sachsen-Anhalt f\u00fcr queere Sichtbarkeit einsetzt, wurde am Vortag des Events f\u00fcr unerw\u00fcnscht erkl\u00e4rt: der Christopher Street Day Sachsen-Anhalt e.V.<br>Der Verein, der die Initiative in Merseburg \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glichte, wurde ausgeladen. Nicht offiziell, nicht mit einem offenen Dialog, sondern in letzter Minute und ohne \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p>Begonnen hatte alles mit einem Hilferuf: Eine Gruppe in Merseburg meldete sich im Sommer 2024 beim Christopher Street Day Sachsen-Anhalt e.V. mit dem Wunsch, auch in ihrer Stadt einen CSD zu veranstalten. Der Verein nahm sich der Sache an. Er sicherte fr\u00fchzeitig die Domain, \u00fcbernahm die erste Versammlungsanmeldung, f\u00fchrte Gespr\u00e4che mit Beh\u00f6rden, fuhr immer wieder nach Merseburg und unterst\u00fctzte die lokalen Aktiven beim Aufbau.<br>Auch wurde der CSD Merseburg l\u00e4nder\u00fcbergreifend beworben auf queeren Events.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Grundsatz dabei war stets klar: Hilfe zur Selbsthilfe. Nicht dominieren, sondern begleiten. Nicht kontrollieren, sondern bef\u00e4higen. Dieses Vertrauen gipfelte in einem Kooperationsgespr\u00e4ch mit den Beh\u00f6rden, bei dem die Versammlungsleitung an das lokale Team \u00fcbergeben wurde. Die Beteiligung des Christopher Street Day Sachsen-Anhalt eV am Tag der Demonstration wurde dort ausdr\u00fccklich zugesichert \u2013 per Handschlag.<\/p>\n\n\n\n<p>Was danach passierte, widerspricht diesem Geist. Die Beteiligung wurde pl\u00f6tzlich verweigert. Eine zus\u00e4tzlich angemeldete Versammlung des Christopher Street Day Sachsen-Anhalt e.V., die auf Anraten der Beh\u00f6rden als rechtliche Absicherung erfolgte, wurde als Konkurrenzveranstaltung diffamiert. Und schlie\u00dflich folgte die \u00f6ffentliche Ausladung durch das Merseburger Orga-Team \u2013 verbunden mit einem kategorischen Ausschluss.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Veranstaltungstag selbst setzte sich dieses Verhalten fort. Als Radio QueerLive um ein Interview mit der Orga-Leitung bat, musste diese sich erst r\u00fcckversichern. Die Antwort lautete: Nein, man wolle mit Radio QueerLive nicht sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig war das Motto des Tages gro\u00df auf dem Hauptbanner zu lesen: Queer. Laut. Solidarisch. F\u00fcr Vielfalt im Saalekreis.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Doch wer andere queere Gruppen aktiv ausschlie\u00dft, ist nicht queer im Sinne einer offenen, diversen Community.<\/li>\n\n\n\n<li>Wer Solidarit\u00e4t predigt, aber anderen ihr Engagement abspricht, handelt nicht solidarisch.<\/li>\n\n\n\n<li>Und wer Vielfalt will, aber die T\u00fcr verschlie\u00dft, wenn Menschen von au\u00dfen mithelfen wollen, sorgt nicht f\u00fcr Vielfalt, sondern f\u00fcr Einfalt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Dabei leben CSDs in Deutschland seit Jahrzehnten von einem Prinzip: Unterst\u00fctzung \u00fcber Stadtgrenzen hinweg. Gruppen reisen durch das ganze Land, unterst\u00fctzen lokale CSDs, helfen bei Organisation, Technik, Vernetzung. Diese Solidarit\u00e4t ist keine Ausnahme, sie ist Teil der DNA der Bewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>In Merseburg hingegen h\u00f6rten wir von der B\u00fchne den Satz: Unser Orgateam ist f\u00fcr einen lokalen CSD. Es war ein deutliches Zeichen f\u00fcr Abschottung und gegen \u00fcberregionale Solidarit\u00e4t. Es war eine Absage an die Idee, gemeinsam gr\u00f6\u00dfer zu sein als die Summe der Einzelnen.<br>Und wenn der CSD Merseburg lokal bleiben m\u00f6chte, wieso suchen sie den Kontakt zum Christopher Street Day Sachsen Anhalt eV und lassen den die Arbeit machen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wieso also diese Abgrenzung? Wieso dieser Ausschluss?<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht steckt hinter der Abschottung auch eine Form von Unsicherheit. Vielleicht f\u00fcrchtet man, dass Aufmerksamkeit und Anerkennung geteilt werden m\u00fcssten. Dass der Einfluss der eigenen Gruppe relativiert wird. Dass man in den Hintergrund ger\u00e4t, wenn erfahrene Akteurinnen und Akteure mit am Tisch sitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wer aus Angst vor dem Teilen andere ausschlie\u00dft, verkennt den Sinn eines CSD. Denn Pride ist kein Ort f\u00fcr Kontrollbed\u00fcrfnisse. Pride ist ein Ort f\u00fcr Begegnung, f\u00fcr Vielfalt, f\u00fcr gegenseitige St\u00e4rkung. Wer andere klein macht, macht sich selbst nicht gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Christopher Street Day Sachsen-Anhalt e.V. hat sich trotz der Einladung zur Teilnahme zur\u00fcckgezogen. Aus Respekt vor der Sicherheit der Veranstaltung und vor den Menschen, die trotzdem demonstrieren wollten. Und trotzdem bleibt der Eindruck: Hier wurde nicht nur ein Verein ausgeschlossen, hier wurde ein St\u00fcck Community verraten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ein CSD anderen queeren Gruppen die Teilnahme verweigert, wenn er kritische Medien ausschlie\u00dft und Zusammenarbeit verweigert, dann ist das kein CSD. Dann ist das keine Pride. Dann ist das eine Dorfparade mit Regenbogenflagge, au\u00dfen bunt und innen hohl.<\/p>\n\n\n\n<p>Was uns als Community stark gemacht hat, ist das Miteinander. Wenn wir das verlieren, verlieren wir mehr als ein Event. Dann verlieren wir die Idee, f\u00fcr die wir auf die Stra\u00dfe gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Queer sein hei\u00dft, offen zu sein. Laut sein hei\u00dft, f\u00fcr andere mitzusprechen. Solidarisch sein hei\u00dft, Platz zu machen, wenn andere sichtbar werden wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles andere ist Etikettenschwindel.<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas<br>Radio QueerLive<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Wenn Vielfalt zur Einbahnstra\u00dfe wird \u2013 Ein Kommentar zum CSD Merseburg Radio QueerLive war vor Ort beim ersten Christopher Street Day in Merseburg. 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