{"id":1915,"date":"2025-07-08T20:00:00","date_gmt":"2025-07-08T18:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=1915"},"modified":"2025-06-24T13:05:47","modified_gmt":"2025-06-24T11:05:47","slug":"1915","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=1915","title":{"rendered":"\u2764\ufe0f\ud83e\udde1\ud83d\udc9b Philipp und Tom \ud83d\udc9a\ud83d\udc99\ud83d\udc9c (28)"},"content":{"rendered":"\n<p>Radio QueerLive \u2013 Eine Berliner Liebesgeschichte<br>Teil 28<br>Zwischen Hoffnung und Niemandsland<\/p>\n\n\n\n<p>Morgengrauen, 3:30 Uhr. <br>Der LKW rollt schwerf\u00e4llig aus der Hohen Tatra und erreicht die ersten Ortschaften in der Ebene. Der Himmel ist blassgrau, die Welt wirkt still, als w\u00fcrde sie die Luft anhalten. Tom sitzt am Steuer, Fabian neben ihm. Hinten im F\u00fchrerhaus d\u00f6sen Marc und Steven auf einer Isomatte. Die Nachtfahrt hat alle mitgenommen, aber keiner sagt ein Wort. Sie wissen, was noch vor ihnen liegt und was von ihnen abh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" class=\"gb-media-0ed45fe3\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1000065109.avif\" title=\"1000065109\" srcset=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1000065109.avif 1536w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1000065109-300x200.avif 300w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1000065109-1024x683.avif 1024w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1000065109-768x512.avif 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\" \/>\n\n\n\n<p>Im Park Inn Hotel, im Salon 6, gl\u00fchen die Bildschirme. Gustav starrt auf die Karte an der Wand, auf der eine leuchtend gelbe Stecknadel sich bewegt. Deutschland, Polen, Slowakei, ganz rechts: die Ukraine. Dazwischen die Route des LKWs. Philipp steht am Laptop, einen Kakao in der Hand, den er l\u00e4ngst vergessen hat und der mittlerweile kalt ist. Jakob telefoniert im Hintergrund mit einer Spenderin, die spontan nochmal 400 Euro f\u00fcr Lebensmittel geschickt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie sind auf Kurs\u201c, sagt Gustav schlie\u00dflich. \u201eWenn nichts dazwischenkommt, erreichen sie die Grenze nach 17:00 Uhr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und genau das tun sie. Kurz vor halb sechs bremst der LKW langsam ab. <br>Eine lange Schlange von Fahrzeugen steht bereits vor dem letzten Kontrollpunkt. Menschen steigen aus, laufen unruhig auf und ab. Manche schlafen im Sitzen. Ein Junge weint. Eine Frau kocht Wasser auf einem Gaskocher.<\/p>\n\n\n\n<p>Tom lehnt sich aus dem Fenster und fragt einen Vater, der mit seiner Tochter im Arm an der Leitplanke sitzt: \u201eWie lange habt ihr gebraucht, um hierherzukommen?\u201c Der Mann antwortet ersch\u00f6pft: \u201eZwei Tage. Ohne Pause. Kein Wasser, kein Essen. Nur Warten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tom schluckt und schaut zu Marc, &#8222;gib ihnen mal Lebensmittel und was zu trinken. Vielleicht findest du auch Kekse. <br><br>Dann klingelt sein Handy. Es ist die Aktivistin vom Shelter. Ihre Stimme ist br\u00fcchig, die Verbindung schlecht. \u201eWir schaffen es nicht\u201c, sagt sie. \u201eWir stehen auf der anderen Seite. Zwei Tage Stau. Und\u2026 mein Auto\u2026 das kriegt eure Ladung nie mit. Es ist ein alter Wagen. Die Sachen passen da nicht rein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Steven bekommt Panik, &#8222;2 Tage an der Grenze warten&#8220;? <br>Tom legt langsam auf. Schaut in den R\u00fcckspiegel, dann auf seine Jungs. Fabian, Marc, Steven \u2013 alle wach, alle still. Er sagt nur zwei Worte: \u201eWir fahren r\u00fcber. F\u00fcr wen das zu gef\u00e4hrlich erscheint, steigt aus und wartet hier auf uns\u201c.<br>\u201eWie, wir fahren?\u201c, fragt Marc.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eRein. In die Ukraine.\u201c kam von Fabian. <br>\u201eDu willst mit dem LKW \u00fcber die Grenze? Bist du verr\u00fcckt?\u201c, sagt Steven.<br>\u201eHast du eine bessere Idee?\u201c, fragt Tom. \u201eWir stehen hier. Die Leute brauchen das Zeug. Da dr\u00fcben wartet ein Shelter. Und wenn wir nicht liefern, war alles umsonst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Fabian atmet tief durch. \u201eOkay. Dann fahren wir rein.\u201c<br>Der Motor springt an, langsam rollt der LKW nach vorne \u2013 \u00fcber die letzte wei\u00dfe Linie. Ohne R\u00fccksprache mit Berlin. <br>Ohne Plan B. Nur mit \u00dcberzeugung.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Salon 6 hebt Gustav abrupt den Kopf. \u201eWas zum\u2026?\u201c<br>Philipp tritt heran. \u201eWas ist los?\u201c<br>\u201eDer Punkt. Der LKW. Der steht nicht mehr vor der Grenze.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie er steht nicht mehr an der Grenze?\u201c<br>Gastav schaut zu Philipp, \u201eEr ist auf der Linie, der Grenzlinie. Warte\u2026 Nein, jetzt ist er dr\u00fcben. Der f\u00e4hrt rein!\u201c<br>Jakob w\u00e4re fast mit dem Stuhl nach hinten gekippt, weil er kippelte und fast das Gleichgewicht verloren h\u00e4tte. \u201eNein! Das d\u00fcrfen die nicht. Nicht ohne Absprache!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWarum fahren die?\u201c, murmelt Philipp. \u201eWarum ohne uns?\u201c<br>Dann klingelt sein Handy. \u201eTom?\u201c, sagt er scharf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verbindung ist schwach, es rauscht. Dann Toms Stimme, leise. \u201eBevor du dich aufregst\u2026 wir sind jetzt zwischen den Grenzstationen. Im Niemandsland. Gleich geht\u2019s rein in die Ukraine.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Stille.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/1000065110.avif\" alt=\"\" style=\"width:380px\" title=\"1000065110\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><br><br>\u201eWas hast du gesagt?\u201c, fragt Philipp. Er war noch gefasst.<br>\u201eWir mussten das tun\u201c, sagt Tom ruhig. \u201eDie Frau kommt nicht durch. Und sie hat nur einen PKW und bekommt unsere Lieferung nicht weg. Wir machen das.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp steht starr da, das Handy am Ohr. Dann wurde er laut, sehr laut. \u201eDu wei\u00dft, dass das keine gute Idee ist.\u201c<br>\u201eJa.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd du hast&#8217;s es trotzdem getan.\u201c<br>\u201eJa.\u201c<br>Philipp schlie\u00dft die Augen. Dann murmelt er: \u201eWenn du da nicht heil wieder rauskommst, bring ich dich pers\u00f6nlich um.\u201c<br>Er versuchte wieder gefasst zu wirken. <br>\u201eIch liebe dich auch\u201c, sagt Tom \u2013 und legt auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Park Inn ist es still. Jakob sieht zu Philipp. \u201eWas hat er gesagt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp schaut auf den Bildschirm. Der gelbe Punkt steht jetzt im Niemandsland. Direkt vor dem ukrainischen Schlagbaum.<br>Er antwortet nur: \u201eEr hat\u2019s getan. Sie fahren alle vier r\u00fcber in die Ukraine.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><br>Ende Teil 28.<br>Morgen geht es weiter um 20.00 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Radio QueerLive \u2013 Eine Berliner LiebesgeschichteTeil 28Zwischen Hoffnung und Niemandsland Morgengrauen, 3:30 Uhr. Der LKW rollt schwerf\u00e4llig aus der Hohen Tatra und erreicht die ersten Ortschaften in der Ebene. Der Himmel ist blassgrau, die Welt <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=1915\" title=\"\u2764\ufe0f\ud83e\udde1\ud83d\udc9b Philipp und Tom \ud83d\udc9a\ud83d\udc99\ud83d\udc9c (28)\">[&#8230;]<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1939,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","footnotes":""},"categories":[34],"tags":[],"class_list":["post-1915","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-philipp-und-tom"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1915","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1915"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1915\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1956,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1915\/revisions\/1956"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1939"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1915"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1915"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1915"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}