{"id":1961,"date":"2025-07-10T20:00:00","date_gmt":"2025-07-10T18:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=1961"},"modified":"2025-06-24T13:06:14","modified_gmt":"2025-06-24T11:06:14","slug":"%e2%9d%a4%ef%b8%8f%f0%9f%a7%a1%f0%9f%92%9b-philipp-und-tom%f0%9f%92%9a%f0%9f%92%99%f0%9f%92%9c-30","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=1961","title":{"rendered":"\u2764\ufe0f\ud83e\udde1\ud83d\udc9b Philipp und Tom\ud83d\udc9a\ud83d\udc99\ud83d\udc9c (30)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Radio QueerLive \u2013 Eine Berliner Liebesgeschichte<\/strong><br><strong>Teil 30: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>R\u00fcckkehr in Sicherheit, Streit in der K\u00fcche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Uhr im LKW zeigte 00:17, als die Reifen nach einer nervenaufreibenden Odyssee endlich wieder europ\u00e4ischen Boden ber\u00fchrten. Stille breitete sich im Fahrerhaus aus \u2013 eine ersch\u00f6pfte, aber erleichterte Stille. Tom lie\u00df das Lenkrad kurz los, atmete tief durch, w\u00e4hrend Fabian auf dem Beifahrersitz fast eingeschlafen war. Steven und Marc hinten auf der Bank: still, blass, m\u00fcde, aber da.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Salon 6 des Park-Inn-Hotels in Berlin klappte Gustav langsam seinen Laptop zu. Der Punkt auf der Karte war zur\u00fcckgeh\u00fcpft \u2013 der LKW hatte die Grenze \u00fcberquert. Philipp stand mit dem Telefon am Ohr, sagte nichts mehr, h\u00f6rte nur noch zu. Dann beendete er das Gespr\u00e4ch und lie\u00df sich r\u00fcckw\u00e4rts in den Sessel fallen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie sind raus\u201c, murmelte er. Jakob sch\u00fcttelte nur ungl\u00e4ubig den Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Moment \u00f6ffnete sich die T\u00fcr. Ein junger Mann mit schwarzem Kapuzenpullover und einer dicken Mappe unterm Arm trat ein. \u201eHi, ich bin Tim\u201c, sagte er knapp. \u201eIch arbeite mit einer NGO, wir unterst\u00fctzen queere Gefl\u00fcchtete in Grenzregionen. Ich habe mitbekommen, was bei euch l\u00e4uft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Alle schauten ihn an, die Augen m\u00fcde, aber aufmerksam.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe Kontakte in einer Stadt kurz hinter der Grenze\u201c, fuhr Tim fort. \u201eDa gibt\u2019s eine lokale Gay-Gruppe mit einem Community-Zentrum. Die k\u00f6nnten als Verteilstelle einspringen \u2013 und eure Leute k\u00f6nnen erstmal in einer Pension schlafen. Ich hab sie schon verst\u00e4ndigt. Die Gruppe ist informiert, R\u00e4ume sind vorbereitet, ein Fr\u00fchst\u00fcck kriegen sie morgen auch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp schaute Tim an, dann zu Gustav, dann zum Handy. \u201eGib mir zehn Minuten\u201c, sagte er nur und begann wieder zu tippen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig sp\u00e4ter parkte der LKW vor einer kleinen Pension am Rande der Grenzstadt. Im Licht der Laterne umarmte Tom kurz jeden aus dem Team. Sie waren zu ersch\u00f6pft f\u00fcr gro\u00dfe Worte. Betten warteten.<\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" class=\"gb-media-729b2741\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/file_000000006b0c61f8ac4b20564c9b3f18.avif\" title=\"file_000000006b0c61f8ac4b20564c9b3f18\" srcset=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/file_000000006b0c61f8ac4b20564c9b3f18.avif 1536w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/file_000000006b0c61f8ac4b20564c9b3f18-300x200.avif 300w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/file_000000006b0c61f8ac4b20564c9b3f18-1024x683.avif 1024w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/file_000000006b0c61f8ac4b20564c9b3f18-768x512.avif 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\" \/>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen \u00fcbernahmen lokale Freiwillige die Organisation. Die queere Gruppe aus der Grenzstadt richtete ein Lager ein, verteilte die Hilfsg\u00fcter, sobald Menschen aus den f\u00fcnf Sheltern auf der ukrainischen Seite den \u00dcbergang schafften. Immer wieder kam jemand, holte Lebensmittel, Schlafs\u00e4cke, Hygieneartikel \u2013 alles, was gebraucht wurde. Die \u00dcbergabe war gelungen. Wochenlang funktionierte das System reibungslos.<br><br>Tom, Marc, Fabian und Steven waren v\u00f6llig fertig, sie wollten nur noch zur\u00fcck nach Berlin.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Donnerstagabend in Berlin.<br><br>Zur\u00fcck in Berlin rollte der LKW am n\u00e4chsten Abend in den Hof hinter dem Studio in Friedrichshain. Philipp wartete schon und war auf 180.. Die anderen vom Orga-Team standen entspannter da.<\/p>\n\n\n\n<p>Tom sprang aus der Fahrerkabine und ging zu seiner gro\u00dfen Liebe.  Aber Philipp verschr\u00e4nkte die Arme.<br>\u201eBist du komplett irre?\u201c, fuhr er ihn an. \u201eEinfach in die Ukraine reinzufahren, im Krieg, ohne R\u00fccksprache?! Wei\u00dft du eigentlich, was ich durchgemacht habe?!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tom hob die H\u00e4nde. \u201eIch wollte nicht, dass alles umsonst war\u2026 Es ging um Minuten, Philipp.\u201c<br>\u201eIch hab sechs Stunden telefoniert! Mit Grenzoffizieren, Botschaftern \u2013 ich h\u00e4tte fast den Papst angerufen!\u201c<br>Gustav trat grinsend zur Seite, fl\u00fcsterte Tom zu: \u201eWusstest du das er flie\u00dfend Tschechisch spricht? Du h\u00e4ttest ihn h\u00f6ren sollen. Wie eine Maschine. Philipp h\u00e4tte auch in Nordkorea angerufen damit du zur\u00fcck kommst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tom lachte auf. Philipp drehte sich genervt um. \u201eIch hab das geh\u00f6rt! Und ich spreche flie\u00dfend Tschechisch, verdammt! Mein Vater ist aus Brno.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Jakob stand mit Kaffee in der Hand da. \u201eSollen wir\u2019s im Radio bringen? Dass Philipp mit halb Osteuropa telefoniert hat? Also in der ukrainischen Botschaft k\u00f6nnen sie seinen Namen nicht mehr h\u00f6ren, garantiert. Ich schw\u00f6re!.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp hob nur die Augenbrauen: \u201eWenn ihr auch noch Witze macht, geh ich zur\u00fcck an die Grenze und schiebe euch r\u00fcber.\u201c Er war total sauer.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende standen sie alle in der Studiok\u00fcche. <br>Die Anspannung wich, langsam. Philipp \u00f6ffnete den K\u00fchlschrank, zog eine Apfelschorle raus, reichte sie wortlos an Tom. Dann drehte er sich um, sah ihn lange an \u2013 und umarmte ihn. Fest. Still. \u201eTu das nie wieder\u201c, sagte er leise.<\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" class=\"gb-media-abb4a2fd\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/file_000000005a206243bf5771d47dd39346.avif\" title=\"file_000000005a206243bf5771d47dd39346\" srcset=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/file_000000005a206243bf5771d47dd39346.avif 1536w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/file_000000005a206243bf5771d47dd39346-300x200.avif 300w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/file_000000005a206243bf5771d47dd39346-1024x683.avif 1024w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/file_000000005a206243bf5771d47dd39346-768x512.avif 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\" \/>\n\n\n\n<p>Tom nickte. \u201eNur wenn du mir versprichst, nie wieder in drei Sprachen gleichzeitig zu telefonieren und zu fluchen.\u201c<br><br>Ende Teil 30. <br>Morgen geht es weiter um 20:00 Uhr.<br><br><br>Nachtrag<br><br>Die Lebensmittelbr\u00fccke f\u00fcr die Shelter in der s\u00fcdlichen Ukraine funktionierte \u00fcber viele Monate. Hilfsorganisationen kannten den Sammelplatz in der Grenzstadt. Auch andere Hilfsorganisationen bauten nach unserem System, ihre Hilfslieferungen auf. <br>Wir m\u00f6chten allen Aktivistinnen und Aktivisten an dieser Stelle danken, die geplant und organisiert haben.<br>Aber wir danken auch allen Spenderinnen und Spendern. Auch hier in Berlin gab es Menschen, die mit den Gefl\u00fcchteten zu den Beh\u00f6rden gingen.<br>Aus Sicherheitsgr\u00fcnden haben wir die Namen ge\u00e4ndert, die Orte nicht im Detail genannt aber sehr vielen das Leben gerettet.<br><br>Zwei Monate nach unserer Aktion kam ein junger Ukrainer zu Radio QueerLive. Er lebte in einem der Shelter und dachte sich, er muss unbedingt nach Berlin. Er wollte in einer Stadt leben, in der die Community so hilfsbereit ist. <br>Noch einmal 2 Monate sp\u00e4ter verabredete sich eine Mutter aus der Ukraine mit dem Radio. Sie fuhr ihren Sohn, der mitten im Coming out war, direkt mit dem Bus nach Berlin und wollte das er hier sicher lebt.<br>Sie selbst fuhr nach zwei Tagen zur\u00fcck mit den Worten: &#8222;ich muss mein Land aufbauen&#8220;. Ihr Sohn lebt heute sicher in Berlin.<br><br>Danke euch f\u00fcr die Unterst\u00fctzung im Namen der Menschlichkeit in einer solchen Notsituation.<br><br>Radio QueerLive<br><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Radio QueerLive \u2013 Eine Berliner LiebesgeschichteTeil 30: R\u00fcckkehr in Sicherheit, Streit in der K\u00fcche Die Uhr im LKW zeigte 00:17, als die Reifen nach einer nervenaufreibenden Odyssee endlich wieder europ\u00e4ischen Boden ber\u00fchrten. 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