{"id":1995,"date":"2025-06-26T10:01:00","date_gmt":"2025-06-26T08:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=1995"},"modified":"2025-06-26T07:31:17","modified_gmt":"2025-06-26T05:31:17","slug":"1995","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=1995","title":{"rendered":"Barrierefrei, laut &amp; un\u00fcbersehbar"},"content":{"rendered":"\n<p>Die \u201ebehindert und verr\u00fcckt feiern \u2013 Pride Parade\u201c zieht am 5. Juli 2025 durch Berlin und setzt ein Zeichen f\u00fcr Inklusion, Selbstbestimmung und Solidarit\u00e4t<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn am ersten Juli-Samstag die Lautsprecherwagen in der Hasenheide anrollen, ist klar: Berlin bekommt eine ganz eigene Pride-Parade.<br>Unter dem diesj\u00e4hrigen Motto \u201efeiern bis zum auffallen!\u201c ruft das B\u00fcndnis behindert und verr\u00fcckt feiern Menschen mit Behinderungen, Krisen- und Psychiatrieerfahrung sowie ihre Freund*innen dazu auf, Raum einzunehmen \u2013 buchst\u00e4blich und politisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Parade gegen Scham und F\u00fcrsorgementalit\u00e4t<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2013 organisieren Aktivist*innen die Demo bewusst au\u00dferhalb des Mainstream-CSD. \u201eWir nennen uns behindert und verr\u00fcckt, um diese Begriffe zur\u00fcckzuerobern\u201c, erkl\u00e4rt das selbstorganisierte B\u00fcndnis. Die Botschaft: Weg von Fremdbestimmung und pathologisierendem Blick, hin zu Selbstvertretung, Sichtbarkeit und Freude. Mit Rollst\u00fchlen, Kr\u00fccken, Assistenzhunden, Tanzgruppen und lauter Musik soll gezeigt werden, dass Teilhabe kein Gnadenakt ist, sondern ein Recht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der politische Kern ist unver\u00e4ndert aktuell. Noch immer entscheidet h\u00e4ufig ein Kostentr\u00e4ger, ob Assistenzstunden genehmigt werden; noch immer endet Teilhabe oft an einer Bordsteinkante ohne Rampen. Die Parade klagt diese strukturellen Barrieren an \u2013 und kehrt sie f\u00fcr einen Tag ins Gegenteil: Eine Stra\u00dfe, die sonst von Autos dominiert wird, geh\u00f6rt denjenigen, die im Alltag am h\u00e4ufigsten an Rand gedr\u00e4ngt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Route, Zeitplan und offene Baustellen<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Demo \u201em\u00f6glichst sicher und barrierearm\u201c zu gestalten, sucht das B\u00fcndnis noch Ordnerinnen, Springerinnen, Geb\u00e4rdensprach- und Fl\u00fcster\u00fcbersetzer*innen. Wer helfen m\u00f6chte, kann sich unter mitmachenparade@gmail.com melden. Auch finanzielle Spenden werden dringend ben\u00f6tigt, etwa f\u00fcr Awareness-Teams oder Dolmetsch-Honorare.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade diese Suche nach Helfer*innen verr\u00e4t ein Dilemma: Eine Parade, die Barrieren abbauen will, muss oft selbst mit wenig Budget hohe technische und personelle H\u00fcrden meistern \u2013 vom barrierefreien Wagen bis zur durchg\u00e4ngigen Verdolmetschung. Dass staatliche F\u00f6rderungen hier noch immer sporadisch und projektbezogen sind, zeigt, wie viel Symbolpolitik sich hinter Sonntagsreden zu \u201eInklusion\u201c verbirgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr als ein Nischen-Event<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Parade besonders macht, ist ihre konsequente Intersektionalit\u00e4t. Rassismuserfahrene Behinderte, queere Autist*innen oder Menschen mit Armutserfahrung: Alle sollen sichtbar sein, niemand wird zum Randthema. In den vergangenen Jahren reichte das Spektrum der Forderungen von kostenlosem \u00d6PNV f\u00fcr Schwerbehinderte bis zur Abschaffung von Zwangsunterbringungen in der Psychiatrie.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Breite st\u00e4rkt das B\u00fcndnis, macht die Arbeit aber zugleich komplexer. L\u00e4ngst geht es nicht nur um Rampen vor Clubs oder Induktionsschleifen in Theatern, sondern um die Frage, wie eine Gesellschaft wirtschaftlichen und sozialen Wert definiert. \u201eWir protestieren dagegen, dass Menschen in unserer kapitalistischen Gesellschaft nur etwas wert sind, wenn sie arbeiten k\u00f6nnen\u201c, hei\u00dft es im diesj\u00e4hrigen Aufruf.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum sich Mitlaufen lohnt<\/p>\n\n\n\n<p>Wer am 5. Juli mitzieht \u2013 ob im Rollstuhl, auf Stelzen oder zu Fu\u00df \u2013 erf\u00e4hrt etwas, das sich in Policy-Papieren nicht abbilden l\u00e4sst: die Kraft gemeinsamer, selbstbestimmter Sichtbarkeit. F\u00fcr viele Teilnehmende ist die Parade ein rarer Moment, in dem sie nicht \u201eSt\u00f6rung\u201c oder \u201eSonderfall\u201c sind, sondern Gestalter*innen des \u00f6ffentlichen Raums.<\/p>\n\n\n\n<p>Berlin r\u00fchmt sich gern als \u201eStadt der Freiheit\u201c. Am 5. Juli kann sie zeigen, dass diese Freiheit nicht am Bordstein endet. Eine gro\u00dfe, bunte, solidarische Demonstration w\u00e4re das deutlichste Signal \u2013 an die Politik, an Passant*innen und nicht zuletzt an alle, die im Alltag zu oft unsichtbar gemacht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitmachen statt Applaudieren<\/p>\n\n\n\n<p>Solidarit\u00e4t ersch\u00f6pft sich nicht im wohlmeinenden Like. Wer Zeit hat, kann das Awareness-Team verst\u00e4rken oder Ordner*in werden. Wer Geld \u00fcbrig hat, kann spenden. Und wer weder das eine noch das andere kann, ist eingeladen, einfach vor Ort mitzufeiern und laut zu sein \u2013 bis alle auffallen, nicht nur einige.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn gelebte Inklusion beginnt genau dort: auf der Stra\u00dfe, zwischen Musikbox, Rollstuhl-G\u00e4nsemarsch und Konfettikanone. Am 5. Juli bietet Berlin die B\u00fchne \u2013 nehmen wir sie ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Start:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"5\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Juli 2025, 15 Uhr,<br>Hasenheide \/ Ecke Jahnstra\u00dfe<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Ziel:<br>Kottbusser Tor (S\u00fcdblock)<\/p>\n\n\n\n<p>Motto:<br>\u201efeiern bis zum auffallen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Radio QueerLive w\u00fcnscht viel Erfolg bei der Realisierung der Demonstration.<\/p>\n\n\n\n<p>Radio QueerLive<br>Die Redaktion<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Die \u201ebehindert und verr\u00fcckt feiern \u2013 Pride Parade\u201c zieht am 5. 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