{"id":2334,"date":"2025-07-17T09:00:00","date_gmt":"2025-07-17T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=2334"},"modified":"2025-07-17T07:18:16","modified_gmt":"2025-07-17T05:18:16","slug":"csd-koethen-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=2334","title":{"rendered":"CSD K\u00f6then 2025"},"content":{"rendered":"\n<p>Zwischen queerer Sichtbarkeit und kommunalem Konflikt<\/p>\n\n\n\n<p>Was als politische Demonstration f\u00fcr Vielfalt, Gleichberechtigung und queere Sichtbarkeit begann, hat sich in K\u00f6then (Anhalt) zu einer tiefgreifenden Auseinandersetzung zwischen Veranstaltenden des CSD und der Stadtverwaltung entwickelt. Im Zentrum des Konflikts: die Frage, wie Beh\u00f6rden mit queeren zivilgesellschaftlichen Akteuren umgehen \u2013 und was \u201eUnterst\u00fctzung\u201c tats\u00e4chlich bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Widerspruch, Vorw\u00fcrfe und eine namentliche Eskalation<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem erfolgreichen, aber von organisatorischen H\u00fcrden begleiteten CSD am 12. Juli 2025 ver\u00f6ffentlichte die Stadt K\u00f6then eine ungew\u00f6hnlich scharfe Stellungnahme.<br>Darin widerspricht sie nicht nur den Kritikpunkten der Veranstalter, sondern nennt auch die vollst\u00e4ndigen Namen zweier zentraler Akteure der queeren Szene \u00f6ffentlich: Falko (CSD Sachsen-Anhalt e. V.) und Julian (CSD K\u00f6then).<br>In einem Bundesland, in dem queere Menschen regelm\u00e4\u00dfig Diskriminierung und Anfeindungen ausgesetzt sind, wird dieser Schritt in der Community als unverantwortlich und potenziell gef\u00e4hrdend gewertet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadt spricht von \u201ehaltlosen Vorw\u00fcrfen\u201c, \u201eEinsch\u00fcchterungsversuchen\u201c und einer vermeintlich gezielten Skandalisierung durch die Veranstaltenden.<br>Der Ton ist konfrontativ, der Inhalt vor allem auf Distanz und Schuldzuweisung ausgelegt. F\u00fcr eine B\u00fcrgermeisterin, die sich noch im Vorjahr als Schirmherrin des CSD inszenierte, wirkt das wie ein abrupter Bruch \u2013 nicht nur im Stil, sondern auch in der Haltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegendarstellung der Veranstaltenden: Von Unterst\u00fctzung keine Spur<\/p>\n\n\n\n<p>Die Veranstaltenden wiederum widersprechen deutlich. Aus ihrer Sicht hat es in den letzten Jahren keinerlei strukturelle, finanzielle oder personelle Unterst\u00fctzung durch die Stadt gegeben.<br>Weder f\u00fcr queere Bildungsarbeit noch f\u00fcr den Aufbau des CSD vor Ort sei je Hilfe geleistet worden \u2013 im Gegenteil: Der Verlauf sei gepr\u00e4gt gewesen von Hinhaltetaktiken, rechtlich fragw\u00fcrdigen Auflagen und einer grunds\u00e4tzlichen Gespr\u00e4chsverweigerung auf Seiten der Verwaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders heftig ist der Vorwurf, dass die Stadt &#8211; vertreten durch B\u00fcrgermeisterin &#8211; den Zugang zu elementarer Infrastruktur (Strom, Wasser, B\u00fchne) blockiert und sogar Gerichtsurteile bewusst ignoriert habe.<br>Der H\u00f6hepunkt: das Stromverbot f\u00fcr die B\u00fchne am Tag der Veranstaltung selbst \u2013 eine Ma\u00dfnahme, die f\u00fcr viele Beobachter*innen kaum als Verwaltungsroutine, sondern eher als gezielte Sabotage zu deuten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt die emotionale Belastung, die das Gespr\u00e4ch vom 10. Juli 2025 f\u00fcr einen der Veranstalter hinterlassen hat. Dort, so der Vorwurf, habe die B\u00fcrgermeisterin pers\u00f6nliche Erlebnisse auf verletzende Weise thematisiert, um ihr Gegen\u00fcber emotional unter Druck zu setzen. Ein Verhalten, das im Widerspruch zu den ethischen Anforderungen an \u00f6ffentliche Amtstr\u00e4ger*innen steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Debatte \u00fcber Macht, Sprache und Verantwortung<\/p>\n\n\n\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, wie man den jeweiligen Darstellungen folgt, offenbart der Fall CSD K\u00f6then ein tieferliegendes Problem: das Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen queeren Basisinitiativen und traditionellen Machtstrukturen in Kommunen, die bisher wenig Ber\u00fchrung mit queerer Sichtbarkeit hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass ein Konflikt dieser Art eskaliert, ist an sich nichts Ungew\u00f6hnliches.<br>Wie er jedoch gef\u00fchrt wird \u2013 \u00f6ffentlich, namentlich, mit dem Ausschluss zuk\u00fcnftiger Zusammenarbeit und unter Androhung strafrechtlicher Konsequenzen \u2013 wirft Fragen auf: \u00fcber die Kommunikationskultur im Rathaus, \u00fcber die Sicherheit engagierter Minderheiten und \u00fcber die Bereitschaft, aus Verwaltung heraus Teil demokratischer Prozesse zu sein \u2013 oder sie zu behindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass das Verwaltungsgericht die Ablehnung der Sondernutzung f\u00fcr den CSD bereits als rechtswidrig eingestuft hat, spricht eine klare Sprache: Die Stadt hat in ihrer juristischen Bewertung die Grundrechte der Veranstaltenden nicht hinreichend ber\u00fccksichtigt. Eine kritische Selbstreflexion dazu bleibt in der Erkl\u00e4rung der Stadt bislang aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Sichtbarkeit braucht Schutz, nicht Misstrauen<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fall K\u00f6then ist kein Einzelfall, aber er ist beispielhaft. F\u00fcr die H\u00fcrden, denen queere Bewegungen besonders im l\u00e4ndlichen Raum gegen\u00fcberstehen. F\u00fcr die Fragilit\u00e4t demokratischer Beteiligung, wenn Beh\u00f6rden Macht \u00fcber Auslegung und Zugang zu \u00f6ffentlichem Raum beanspruchen. Und f\u00fcr die Notwendigkeit, dass auch politische Verantwortungstr\u00e4ger*innen lernen m\u00fcssen, nicht jede Kritik als Angriff zu deuten \u2013 sondern als Teil demokratischer Aushandlung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die B\u00fcrgermeisterin von \u201ehaltlosen Vorw\u00fcrfen\u201c spricht, w\u00e4hrend ein Verwaltungsgericht ihr Vorgehen kassiert, zeigt: Diese Debatte ist noch nicht zu Ende. Sie muss gef\u00fchrt werden \u2013 offen, differenziert und mit dem Respekt, den demokratische Meinungs\u00e4u\u00dferung verdient.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn: Wer queere Menschen zur Sichtbarkeit auffordert, muss auch bereit sein, ihre Stimmen auszuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich sollte man \u00fcber das Verhalten der B\u00fcrgermeisterin reflektieren.<br>Wer ein solches Verhalten von einer Frau erlebt, die ein Parteibuch der Linken in der Tasche hat, braucht keine AFD mehr.<br>Wenn die Partei &#8211; Die Linke &#8211; das Verhalten ihrer Politikerin nicht selbstkritisch hinterfragt, sollten andere CSDs \u00fcber eine Teilnahme an ihren Demonstrationen durch diese Partei grunds\u00e4tzlich \u00fcberdenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir werden bei der Linken auf jeden Fall eine Anfrage starten an diesem Wochenende.<\/p>\n\n\n\n<p>Radio QueerLive<br>Andreas<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Zwischen queerer Sichtbarkeit und kommunalem Konflikt Was als politische Demonstration f\u00fcr Vielfalt, Gleichberechtigung und queere Sichtbarkeit begann, hat sich in K\u00f6then (Anhalt) zu einer tiefgreifenden Auseinandersetzung zwischen Veranstaltenden des CSD und der Stadtverwaltung entwickelt. 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