{"id":2875,"date":"2025-09-02T20:00:00","date_gmt":"2025-09-02T18:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=2875"},"modified":"2025-09-01T12:02:30","modified_gmt":"2025-09-01T10:02:30","slug":"%e2%9d%a4%ef%b8%8f%f0%9f%a7%a1%f0%9f%92%9b-philipp-und-tom-%f0%9f%92%9a%f0%9f%92%99%f0%9f%92%9c-62","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=2875","title":{"rendered":"\u2764\ufe0f\ud83e\udde1\ud83d\udc9b Philipp und Tom \ud83d\udc9a\ud83d\udc99\ud83d\udc9c (62)"},"content":{"rendered":"\n<p>Radio QueerLive \u2013 Eine Berliner Liebesgeschichte<\/p>\n\n\n\n<p>Teil 62:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die Mulackritze 1932&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die schwere Holzt\u00fcr im Keller knarrte, als Frau Bond sie aufstie\u00df. Ein warmer, dichter Schwall aus Zigarettenrauch, Stimmengewirr und Musik schlug Philipp entgegen. Er blinzelte \u2013 und konnte kaum glauben, was er sah.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein niedriger Raum, dunkle Holzvert\u00e4felung, ein altes Grammophon auf der Theke, aus dem ein kratziger Walzer erklang. M\u00e4nner in dunklen Anz\u00fcgen, Frauen in Hosenanz\u00fcgen mit kurzen Haaren oder in Glitzerkleidern. Gel\u00e4chter, Gl\u00e4serklirren, leises Fl\u00fcstern in den Ecken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWillkommen in der Mulackritze, 1932\u201c, sagte Frau Bond leise und sah ihn von der Seite an.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp riss die Augen auf. \u201eDas\u2026 das ist die \u00e4lteste Gaykneipe Berlins? Ich steh\u2019 hier mitten drin?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGenau. Aber pass auf. Hier ist es sch\u00f6n \u2013 aber auch gef\u00e4hrlich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp h\u00f6rte kaum hin. Sein Blick war auf drei junge M\u00e4nner an einem Tisch gefallen. Sie waren vielleicht 20, 22, 25 Jahre alt. Saubere Seitenscheitel, Anz\u00fcge, hell gl\u00e4nzende Schuhe. Sie lachten, prosteten sich zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp lie\u00df sich wie magisch angezogen neben sie fallen. \u201eHi\u2026 ich bin Philipp.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei sahen ihn neugierig an.<br>\u201eErnst,\u201c sagte der erste.<br>\u201eWilhelm,\u201c grinste der zweite.<br>\u201eUnd ich bin Karl,\u201c nickte der dritte.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp lachte. \u201eIhr habt echt\u2026 sehr klassische Namen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Jungs grinsten zur\u00fcck. \u201eUnd du bist\u2026 komisch angezogen,\u201c meinte Karl und tippte auf Philipps T-Shirt. \u201eSieht nicht gerade nach 1932 aus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp wurde rot. \u201e\u00c4h\u2026 Sonderanfertigung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sie lachten und Bier bestellten, wanderte Frau Bond durch den Raum. Sie musterte die alten M\u00f6bel, beobachtete die G\u00e4ste \u2013 als pl\u00f6tzlich eine Frau auf den Tresen stieg.<\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" class=\"gb-media-cf029106\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711428881.avif\" title=\"FB_IMG_1756711428881\" srcset=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711428881.avif 1536w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711428881-300x200.avif 300w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711428881-1024x683.avif 1024w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711428881-768x512.avif 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\" \/>\n\n\n\n<p>\u201eMeine Damen und Herren!\u201c rief sie. Dann stimmte sie ein raues, lautes Lied an, begleitet vom Grammophon. Die G\u00e4ste klatschten im Takt. Philipp sp\u00fcrte, wie ihm das Herz klopfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond beugte sich zu ihm. \u201eDas ist Claire Waldoff. Sie singt heute hier, bevor sie zur\u00fcck zum Nollendorfplatz geht. Eine Legende.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp war wie verzaubert. Doch der Zauber zerbrach Sekunden sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die T\u00fcr flog krachend auf. Mehrere M\u00e4nner in langen M\u00e4nteln st\u00fcrmten herein. \u201eSittenpolizei! Kontrolle!\u201c Einer rief: \u201eAlle sitzen bleiben \u2013 wir pr\u00fcfen hier auf Unzucht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Panik brach aus. St\u00fchle kippten, Gl\u00e4ser zerbarsten. G\u00e4ste dr\u00e4ngten zur Hintert\u00fcr. Philipp sprang auf. Frau Bond packte seine Hand. \u201eLos, Philipp, zur T\u00fcr!\u201c<\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" class=\"gb-media-ff801731\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711431890.avif\" title=\"FB_IMG_1756711431890\" srcset=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711431890.avif 1536w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711431890-300x200.avif 300w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711431890-1024x683.avif 1024w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711431890-768x512.avif 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\" \/>\n\n\n\n<p>Sie rannten. Frau Bond erreichte die unsichtbare Zeitt\u00fcr, sprang hindurch \u2013 Philipp stolperte hinterher. Doch im selben Moment griff ihn ein Polizist am Kragen zur\u00fcck.<br>Frau Bond verschwand \u2013 Philipp blieb gefangen.<br>Frau Bond war sicher, holte sehr tief Luft, dreht sich um und ging wieder durch die T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>\u231a<br>Ein Tag sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mulackritze war leerer, gedr\u00fcckter. Weniger Lachen, mehr Fl\u00fcstern. Frau Bond trat an den Tresen. \u201eWo sind die drei Jungs, die gestern hier sa\u00dfen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Barfrau sah sie traurig an. \u201eEiner wurde verhaftet. Zwei sind entkommen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond nickte knapp, verlie\u00df die Kneipe. Auf der Stra\u00dfe blieb sie abrupt stehen. Vor ihr stand der grimmige Hans, die H\u00e4nde tief in den Taschen, sein Gesicht ernst wie immer.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu suchst jemanden,\u201c brummte er.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa,\u201c sagte Frau Bond atemlos. \u201ePhilipp. Ich muss ihn finden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hans nickte. \u201eKomm mit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie gingen durch enge H\u00f6fe, vorbei an W\u00e4scheleinen, bis in den sechsten Hinterhof der M\u00fcllerstra\u00dfe. Hans klopfte rhythmisch an eine Kellert\u00fcr. Sie \u00f6ffnete sich \u2013 einer der Jungs vom Vortag lugte heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSchnell rein,\u201c fl\u00fcsterte er.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Innern roch es nach Kohle und kaltem Rauch. Auf einem Bett lag Philipp. Sein Kopf war verbunden, die Augen geschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas ist mit ihm?\u201c rief Frau Bond.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEiner von den SA-M\u00e4nnern hat ihn mit dem Gewehrkolben erwischt,\u201c sagte der Junge.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans trat ans Bett, legte die Hand \u00fcber Philipps Stirn. \u201eDas heilt.\u201c Seine Stimme klang tief, fast beschw\u00f6rend. Philipp atmete tiefer, \u00f6ffnete die Augen. Der Schmerz war weg.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas\u2026 was passiert ist?\u201c murmelte er.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond packte seine Hand. \u201eDu lebst. Das reicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Ernst trat vor. \u201eKarl sitzt noch im Polizeirevier.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDann holen wir ihn,\u201c sagte Hans knapp.<\/p>\n\n\n\n<p>\u231a<br>Am Polizeirevier.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin seine Mutter,\u201c sagte Frau Bond streng zum Beamten. \u201eMein Junge ist unschuldig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Polizist musterte sie. Hans trat hinter sie, sein Blick so finster, dass der Beamte schluckte. \u201eNa gut. Aber schnell.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig sp\u00e4ter standen sie wieder auf der Stra\u00dfe. Karl taumelte, aber er war frei.<\/p>\n\n\n\n<p>\u231a<br>Zur\u00fcck im Keller.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle sa\u00dfen beisammen: Philipp, Ernst, Wilhelm, Karl, Frau Bond und Hans. Die Stimmung war ernst.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond sah die drei Jungen nacheinander an. \u201eH\u00f6rt mir zu. In einem Jahr wird dieses Land die H\u00f6lle sein. Wenn ihr leben wollt \u2013 m\u00fcsst ihr fort.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei sahen sie erschrocken an. \u201eFort? Wohin?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Hans antwortete ruhig: \u201eIn die Schweiz. Ich bringe euch hin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Karl nickte langsam. \u201eWenn das stimmt, was ihr sagt\u2026 dann gehen wir. Und danke das ihr uns hier gewarnt habt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond reichte Hans die Hand. \u201eDanke.\u201c \u201eTu nur meine Pflicht,\u201c murmelte er.<\/p>\n\n\n\n<p>Wilhelm schaute sie mit gro\u00dfen Augen an. &#8222;Wer seid ihr, russischer KGB, amerikanische CIA?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond musste schmunzeln aber Philipp fiel ihr ins Wort. &#8222;Viel schlimmer &#8211; QueerLive.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\u231a<br>Anhalter Bahnhof<\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" class=\"gb-media-bbc2bbeb\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/file_00000000a39861f6b7d9323f9eb0b4d5.avif\" title=\"file_00000000a39861f6b7d9323f9eb0b4d5\" srcset=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/file_00000000a39861f6b7d9323f9eb0b4d5.avif 1536w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/file_00000000a39861f6b7d9323f9eb0b4d5-300x200.avif 300w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/file_00000000a39861f6b7d9323f9eb0b4d5-1024x683.avif 1024w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/file_00000000a39861f6b7d9323f9eb0b4d5-768x512.avif 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\" \/>\n\n\n\n<p>Philipp machte gro\u00dfe Augen, als er mit den Anderen durch die riesige Halle vom Anhalter Bahnhof ging. Dort stand auf Gleis 1 ein Schnellzug in Richtung Basel.<br>Hans stieg sofort ein, ohne zu z\u00f6gern, ohne sich zu verabschieden.<br>Philipp und Frau Bond verabschiedeten sich von ihren drei neuen Freunden .<br>Lange schauten sie erst dem Zug und dann den roten R\u00fccklichtern nach.<\/p>\n\n\n\n<p>\u231a<br>Zur\u00fcck in der Mulackritze.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond zog Philipp durch die Zeitt\u00fcr \u2013 und pl\u00f6tzlich standen sie wieder im Radiostudio. Philipp brach in Tr\u00e4nen aus. \u201eDas\u2026 das war zu viel. Diese Angst, die Gewalt, die Verzweiflung\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond hielt ihn fest. \u201eDu hast gesehen, was war. Und was nie vergessen werden darf.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie f\u00fchrte ihn ins Archiv, holte ein dickes Geschichtsbuch hervor. \u201eSchau hier.\u201c<\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" class=\"gb-media-27258e2a\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711434745.avif\" title=\"FB_IMG_1756711434745\" srcset=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711434745.avif 1536w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711434745-300x200.avif 300w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711434745-1024x683.avif 1024w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711434745-768x512.avif 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\" \/>\n\n\n\n<p>Aufgeschlagene Seite: Ein Foto von drei jungen M\u00e4nnern, die in den 30er Jahren aus der Schweiz gegen Hitler protestierten. Unter dem Bild stand: Ernst, Wilhelm und Karl \u2013 Aktivisten im Exil. <\/p>\n\n\n\n<p>Philipp schnappte nach Luft. \u201eDas sind\u2026 die drei. Von meinem Tisch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond nickte ernst. \u201eJa. Sie haben \u00fcberlebt. Und sie haben gek\u00e4mpft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp schlug das Buch zu, Tr\u00e4nen in den Augen. \u201eDanke, dass ich das sehen durfte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein,\u201c sagte Frau Bond leise. \u201eDanke, dass du es mitgetragen hast&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp offnete es wieder, bl\u00e4tterte im schweren Archivbuch weiter, seine Finger zitterten leicht. \u201eHier\u2026 Frau Bond\u2026 schau mal.\u201c<br>Seine Stimme brach fast.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Seite stand in alter, verblasster Schrift:<br>\u201e1955 \u2013 R\u00fcckkehr nach Berlin. Ernst, Wilhelm und Karl, nach Jahren im Exil in der Schweiz, kehrten in ihre Heimat zur\u00fcck, lebten hier bis ins Alter und fanden ihre letzte Ruhe auf dem Alten St.-Matth\u00e4us-Friedhof in der Yorckstra\u00dfe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp schlug die Hand vor den Mund. \u201eSie\u2026 sie haben \u00fcberlebt. Sie haben es wirklich zur\u00fcck geschafft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond legte ihre Hand sanft auf seine Schulter. \u201eSiehst du? Manchmal schreibt das Leben ein zweites Kapitel, wenn man nicht mehr damit rechnet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp atmete tief durch. \u201eBitte\u2026 begleitest du mich dahin?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNat\u00fcrlich,\u201c sagte Frau Bond, \u201edu bist nicht der Erste, den ich an diesen Ort f\u00fchre.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u231a<br>Sp\u00e4ter, auf dem Alten St.-Matth\u00e4us-Friedhof<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sonne stand tief, ein warmes, goldenes Licht fiel \u00fcber die alten Grabsteine. V\u00f6gel zwitscherten in den B\u00e4umen, es war still, fast ehrf\u00fcrchtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond f\u00fchrte Philipp \u00fcber schmale Wege, zwischen alten Steinkreuzen und kunstvollen Gr\u00e4bern hindurch. Schlie\u00dflich blieb sie stehen. \u201eDa.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Vor ihnen ein einfacher Grabstein, moosbewachsen, mit drei Namen eingraviert:<br>Ernst \u2013 Wilhelm \u2013 Karl<br>Aktivisten im Exil \u2013 K\u00e4mpfer f\u00fcr Freiheit und Menschlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipps Knie wurden weich. Er strich \u00fcber die Schrift, die Tr\u00e4nen liefen ihm die Wangen hinunter. \u201eIch\u2026 ich h\u00e4tte ihnen so viel sagen wollen. Danke\u2026 dass sie gek\u00e4mpft haben. Dass sie durchgehalten haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" class=\"gb-media-18d3ac9a\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711437554.avif\" title=\"FB_IMG_1756711437554\" srcset=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711437554.avif 1536w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711437554-300x200.avif 300w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711437554-1024x683.avif 1024w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FB_IMG_1756711437554-768x512.avif 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\" \/>\n\n\n\n<p>Frau Bond tippte ihn sanft an. \u201eHe, Junge\u2026 nicht nur weinen. Ich hab was dabei.\u201c<br>Sie zog aus ihrer Tasche drei Bierflaschen hervor. \u201eIch dachte mir\u2026 wir trinken mit unseren alten Freunden hier.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp blinzelte, ein zittriges L\u00e4cheln huschte \u00fcber sein Gesicht. \u201eDu bist unm\u00f6glich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBin ich,\u201c grinste Frau Bond, \u00f6ffnete die Flaschen mit einem alten Schl\u00fcsselanh\u00e4nger. Sie reichte Philipp eine und stellte die zweite oben auf den Grabstein.<br>\u201eAuf Ernst, Wilhelm und Karl,\u201c sagte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp hob sein Bier, seine Stimme brach leicht: \u201eAuf euch\u2026 und dass es nie wieder so weit kommen muss.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie tranken schweigend, w\u00e4hrend die Sonne langsam hinter den Grabsteinen verschwand.<br>Und f\u00fcr einen Moment war es, als st\u00fcnden Ernst, Wilhelm und Karl ganz nah bei ihnen \u2013 lachend, wie damals in der Mulakritze.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende Teil 62<\/p>\n\n\n\n<p>Morgen geht&#8217;s weiter um 20 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Radio QueerLive \u2013 Eine Berliner Liebesgeschichte Teil 62: &#8222;Die Mulackritze 1932&#8220; Die schwere Holzt\u00fcr im Keller knarrte, als Frau Bond sie aufstie\u00df. Ein warmer, dichter Schwall aus Zigarettenrauch, Stimmengewirr und Musik schlug Philipp entgegen. Er <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=2875\" title=\"\u2764\ufe0f\ud83e\udde1\ud83d\udc9b Philipp und Tom \ud83d\udc9a\ud83d\udc99\ud83d\udc9c (62)\">[&#8230;]<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2876,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","footnotes":""},"categories":[34],"tags":[],"class_list":["post-2875","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-philipp-und-tom"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2875","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2875"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2875\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2886,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2875\/revisions\/2886"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2876"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2875"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2875"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2875"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}