{"id":3319,"date":"2026-03-19T18:34:59","date_gmt":"2026-03-19T17:34:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=3319"},"modified":"2026-03-19T18:35:00","modified_gmt":"2026-03-19T17:35:00","slug":"charlotte-von-mahlsdorf-hueterin-der-erinnerung-und-ikone-der-subkultur-fast-haetten-wir-den-geburtstag-von-charlotte-von-mahlsdorf-vergessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=3319","title":{"rendered":"+++ Charlotte von Mahlsdorf \u2013 H\u00fcterin der Erinnerung und Ikone der Subkultur +++ Fast h\u00e4tten wir den Geburtstag von Charlotte von Mahlsdorf vergessen."},"content":{"rendered":"\n<p>Geboren am 18. M\u00e4rz 1928 war Charlotte von Mahlsdorf eine der schillerndsten und zugleich ungew\u00f6hnlichsten Pers\u00f6nlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Als Gr\u00fcnderin des Gr\u00fcnderzeitmuseums in Berlin-Mahlsdorf, leidenschaftliche Sammlerin historischer Alltagsgegenst\u00e4nde und offen lebende Transfrau in der DDR wurde sie zu einer Symbolfigur f\u00fcr Zivilcourage, Individualit\u00e4t und kulturelles Engagement.<\/p>\n\n\n\n<p>Geboren als Lothar Berfelde in Berlin, wuchs Charlotte in einer Zeit politischer Extreme auf. Ihre Jugend war gepr\u00e4gt von der NS-Diktatur, famili\u00e4ren Konflikten und gesellschaftlicher Repression.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits fr\u00fch entwickelte sie ein Interesse an Antiquit\u00e4ten und historischen Einrichtungsgegenst\u00e4nden \u2013 eine Leidenschaft, die sp\u00e4ter zu ihrem Lebenswerk werden sollte. Gleichzeitig begann sie, ihre weibliche Identit\u00e4t zu leben, was in der damaligen Zeit mit erheblichen Risiken verbunden war.<br>In den 1960er Jahren begann Charlotte von Mahlsdorf, ein heruntergekommenes Gutshaus im Berliner Ortsteil Mahlsdorf zu restaurieren. Mit gro\u00dfer Hingabe und bemerkenswerter Detailtreue baute sie dort das Gr\u00fcnderzeitmuseum auf, das sich schnell zu einem einzigartigen Ort entwickelte.<br>Das Museum beherbergte M\u00f6bel, Musikinstrumente und Alltagsgegenst\u00e4nde aus der Zeit des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts und bot Besucherinnen und Besuchern einen authentischen Einblick in die Lebenswelt der Gr\u00fcnderzeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch das Museum war weit mehr als nur eine Sammlung historischer Objekte. Es wurde zu einem Treffpunkt f\u00fcr K\u00fcnstler, Intellektuelle und Mitglieder der LGBTQ+-Community \u2013 ein gesch\u00fctzter Raum in einem Staat, der Individualit\u00e4t und Abweichung von der Norm oft misstrauisch gegen\u00fcberstand.<br>Charlotte selbst trat dabei stets selbstbewusst und unerschrocken auf, was ihr sowohl Bewunderung als auch Kritik einbrachte.<br>Ihr Leben war jedoch nicht frei von Kontroversen. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden Vorw\u00fcrfe laut, sie habe zeitweise mit der Stasi kooperiert. Diese Anschuldigungen f\u00fchrten zu intensiven \u00f6ffentlichen Debatten \u00fcber Anpassung, \u00dcberleben und moralische Ambivalenz in der DDR. Charlotte von Mahlsdorf selbst \u00e4u\u00dferte sich dazu nur zur\u00fcckhaltend und blieb f\u00fcr viele eine ambivalente Figur.<br>International bekannt wurde sie unter anderem durch das Theaterst\u00fcck \u201eIch bin meine eigene Frau\u201c von Doug Wright, das auf ihrem Leben basiert und ihr au\u00dfergew\u00f6hnliches Schicksal einem weltweiten Publikum n\u00e4herbrachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Charlotte von Mahlsdorf starb 2002 in Berlin, doch ihr Verm\u00e4chtnis lebt weiter. Sie bleibt eine Pionierin der Selbstbestimmung, eine leidenschaftliche Bewahrerin von Geschichte und eine faszinierende Pers\u00f6nlichkeit, die sich weder von politischen Systemen noch gesellschaftlichen Normen vereinnahmen lie\u00df.<br>Ihr Leben steht exemplarisch f\u00fcr den Mut, den eigenen Weg zu gehen \u2013 auch gegen alle Widerst\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1990 lernte ich Charlotte von Mahlsdorf kennen, sie sa\u00df beim Jugendnetzwerk Lambda. Da sie eine Stunde zu fr\u00fch war und alle Termine hatten, k\u00fcmmerte ich mich mit Tee und Keksen um sie in dieser Stunde.<br>Charlotte erz\u00e4hlte mir von ihrem Museum und sprach mir sowie meinem Freund eine pers\u00f6nliche Einladung mit F\u00fchrung durch sie aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie durch Rechte auf einem Museumsfest angegriffen wurde, organisierte 4 Leute beim Jugendnetzwerk Lambda die Protestdemo, zu der \u00fcber 6000 Menschen kamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als das Bezirksamt Marzahn und der Berliner Senat die Finanzierung des Museums einstellten und eine Insolvenz drohte, leitete Radio QueerLive die Proteste und hielt den Kontakt zu den Medien.<br>Mit Erfolg!<\/p>\n\n\n\n<p>Noch heute k\u00f6nnt ihr jeden Sonntag das Gr\u00fcnderzeitmuseum besuchen und in die Zeit 1875-1900 eintauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00fcnderzeitmuseum<br>Hultschiener Damm 333<br>Berlin Mahlsdorf<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas<br>Radio QueerLive<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Geboren am 18. 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