{"id":3357,"date":"2026-03-26T12:48:05","date_gmt":"2026-03-26T11:48:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=3357"},"modified":"2026-03-26T12:48:55","modified_gmt":"2026-03-26T11:48:55","slug":"iranisches-regime-zwang-homosexuellen-aktivisten-hinrichtungen-anzusehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=3357","title":{"rendered":"+++ Iranisches Regime zwang homosexuellen Aktivisten Hinrichtungen anzusehen +++"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Lebensweg von Ramtin Zigorat ist vor allem eines: ein ersch\u00fctterndes Zeugnis dar\u00fcber, wie Homosexualit\u00e4t im Iran nicht nur kriminalisiert, sondern systematisch gebrochen werden soll \u2013 bis hinein in die tiefsten Schichten der menschlichen Psyche.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon als Kind sp\u00fcrte Zigorat, dass er anders war. Doch dieses \u201eAnderssein\u201c hatte in seiner Umwelt keinen Platz. Es gab keine Sprache daf\u00fcr, keine Aufkl\u00e4rung, keine Akzeptanz. Stattdessen dominierte ein Klima aus Angst und Verachtung.<br>Als er sich schlie\u00dflich einer Lehrerin anvertraute, reagierte das System sofort \u2013 nicht mit Schutz, sondern mit Kontrolle. Er wurde gezwungen, starke Medikamente zu nehmen, isoliert und zum Schweigen gebracht. Seine Homosexualit\u00e4t wurde nicht als Identit\u00e4t anerkannt, sondern als St\u00f6rung behandelt, die es zu unterdr\u00fccken galt.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Logik setzte sich in allen Lebensbereichen fort<\/p>\n\n\n\n<p>In der Familie, in der Schule, auf der Stra\u00dfe. Homosexualit\u00e4t bedeutete f\u00fcr Zigorat nicht nur gesellschaftliche Ausgrenzung, sondern permanente Gefahr. Gewalt wurde zur allt\u00e4glichen Realit\u00e4t \u2013 k\u00f6rperlich, psychisch und sexuell. Besonders perfide ist dabei die rechtliche Lage: Wer im Iran als homosexuell gilt, verliert nicht nur Rechte, sondern wird selbst im Falle von Gewalt zum T\u00e4ter erkl\u00e4rt.<br>Opfer existieren in diesem System nicht.<br>Vor diesem Hintergrund wird verst\u00e4ndlich, warum Zigorats Aktivismus eine radikale Entscheidung war. Sich \u00f6ffentlich \u2013 oder auch nur im Verborgenen \u2013 f\u00fcr LGBTQ+-Rechte einzusetzen, bedeutet im Iran, das eigene Leben bewusst aufs Spiel zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch entschied er sich genau daf\u00fcr. Seine Homosexualit\u00e4t wurde nicht l\u00e4nger nur zur Quelle von Angst, sondern auch zum Ausgangspunkt von Widerstand.<br>Die Reaktion des Regimes lie\u00df nicht lange auf sich warten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit seiner Verhaftung begann die systematische Zerst\u00f6rung seiner Pers\u00f6nlichkeit<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders eindringlich ist dabei ein Detail, das sich wie ein roter Faden durch seine Erinnerungen zieht: die erzwungene Teilnahme an Hinrichtungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeden Morgen wurde er zusammen mit anderen Gefangenen an ein Fenster gef\u00fchrt. Im Hof darunter fanden Exekutionen statt. Sie mussten zusehen \u2013 minutenlang. Wenn jemand die Augen schloss, wurde er geschlagen. Es gab kein Entkommen, kein Wegsehen, kein inneres Ausweichen. Die Gewalt sollte nicht nur sichtbar, sondern unausl\u00f6schlich werden.<br>Diese Praxis ist mehr als blo\u00dfe Einsch\u00fcchterung. Sie ist eine gezielte Strategie psychologischer Zerst\u00f6rung. Indem die Gefangenen gezwungen wurden, den Tod anderer mitzuerleben, wurde ihnen ihre eigene Zukunft vor Augen gef\u00fchrt. Die Botschaft war eindeutig: Das, was ihr dort seht, ist das, was euch erwartet. Eure Existenz \u2013 eure Identit\u00e4t \u2013 endet hier.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Zigorat war diese Erfahrung untrennbar mit seiner Homosexualit\u00e4t verbunden. Er wusste, warum er dort war. Nicht wegen einer Tat im klassischen Sinne, sondern wegen dessen, wer er ist. Die Hinrichtungen wurden so zu einem Spiegel seiner eigenen Bedrohung. Sie machten den abstrakten Begriff \u201eTodesstrafe\u201c konkret, sichtbar, unausweichlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis heute verfolgen ihn diese Bilder. Sie sind Teil eines Traumas, das nicht mit der Flucht endet. Denn was das Regime zerst\u00f6ren wollte, war nicht nur sein K\u00f6rper, sondern sein Innerstes \u2013 sein Gef\u00fchl von Sicherheit, von W\u00fcrde, von Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Zigorat \u00fcberlebt hat, ist ein Zufall, erkauft durch den Mut und die Opferbereitschaft seiner Mutter. Doch seine Geschichte steht stellvertretend f\u00fcr viele, die diese Chance nicht hatten. F\u00fcr viele, deren Namen unbekannt bleiben \u2013 die aber genau das durchlitten haben, was er beschreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Zeugnis macht deutlich, dass die Verfolgung von Homosexualit\u00e4t im Iran nicht nur eine Frage von Gesetzen ist. Es ist ein System der Entmenschlichung, das darauf abzielt, Identit\u00e4t auszul\u00f6schen. Und die erzwungenen Hinrichtungen sind eines seiner grausamsten Instrumente \u2013 weil sie den Tod nicht nur bringen, sondern ihn vorher bereits in die K\u00f6pfe der Menschen pflanzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Radio QueerLive<br>News Redaktion<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Der Lebensweg von Ramtin Zigorat ist vor allem eines: ein ersch\u00fctterndes Zeugnis dar\u00fcber, wie Homosexualit\u00e4t im Iran nicht nur kriminalisiert, sondern systematisch gebrochen werden soll \u2013 bis hinein in die tiefsten Schichten der menschlichen Psyche. <a class=\"mh-excerpt-more\" href=\"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=3357\" title=\"+++ Iranisches Regime zwang homosexuellen Aktivisten Hinrichtungen anzusehen +++\">[&#8230;]<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3358,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_coblocks_attr":"","_coblocks_dimensions":"","_coblocks_responsive_height":"","_coblocks_accordion_ie_support":"","footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-3357","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nachrichten-international"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3357","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3357"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3357\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3360,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3357\/revisions\/3360"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3358"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3357"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3357"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.queerlive.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3357"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}