{"id":3453,"date":"2026-04-12T15:00:00","date_gmt":"2026-04-12T13:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=3453"},"modified":"2026-04-12T11:35:37","modified_gmt":"2026-04-12T09:35:37","slug":"csd-verteidigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=3453","title":{"rendered":"+++ CSD verteidigen+++"},"content":{"rendered":"\n<p>Pride unter Druck: Warum der CSD wieder politisch werden muss<\/p>\n\n\n\n<p>Am vergangenen Samstag zog der erste Christopher Street Day des Jahres durch das brandenburgische Angerm\u00fcnde. Knapp 150 Menschen beteiligten sich an der Demonstration \u2013 eine vergleichsweise kleine Zahl, die jedoch angesichts der Umst\u00e4nde ein deutliches Signal setzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterst\u00fctzt wurde der CSD unter anderem von der Initiative \u201eCSD Verteidigen\u201c, die mit rund 20 Aktivist:innen aus Berlin anreiste. Ihr Anliegen ist klar: Sichtbarkeit schaffen, Solidarit\u00e4t zeigen \u2013 und sich den wachsenden Bedrohungen entschlossen entgegenstellen.<br>Denn diese Bedrohungen waren auch in Angerm\u00fcnde sp\u00fcrbar. Entlang der Route tauchten immer wieder Gruppen auf, die dem faschistischen Spektrum zugerechnet werden. Der Demonstrationszug reagierte mit lautstarken antifaschistischen Parolen, blieb jedoch insgesamt friedlich. Es blieb bei Einsch\u00fcchterungsversuchen und Drohungen \u2013 doch allein ihre Pr\u00e4senz verweist auf eine Entwicklung, die l\u00e4ngst kein Einzelfall mehr ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der CSD in Angerm\u00fcnde markiert damit nicht nur den Auftakt der diesj\u00e4hrigen Pride-Saison, sondern f\u00e4llt in eine Zeit zunehmender queerfeindlicher Gewalt in Deutschland.<br>Laut der Amadeu Antonio Stiftung wurde im Jahr 2025 beinahe die H\u00e4lfte aller CSD-Veranstaltungen angegriffen \u2013 ein alarmierender H\u00f6chststand. Besonders betroffen sind Veranstaltungen im l\u00e4ndlichen Raum, wo Einsch\u00fcchterungen, Beleidigungen und k\u00f6rperliche Angriffe seit Jahren zunehmen.<br>Umso bemerkenswerter ist die \u00fcberregionale Solidarit\u00e4t: Teilnehmer:innen reisten nicht nur aus Berlin, sondern auch aus Leipzig, Rostock und sogar Karlsruhe an.<br>Diese Unterst\u00fctzung ist mehr als symbolisch \u2013 sie ist Ausdruck eines wachsenden Bewusstseins daf\u00fcr, dass queere Sichtbarkeit und Sicherheit nicht selbstverst\u00e4ndlich sind, sondern aktiv verteidigt werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei versch\u00e4rft sich die Lage nicht nur durch rechte Bedrohungen auf der Stra\u00dfe, sondern auch durch politische und beh\u00f6rdliche Entscheidungen. So wurde etwa der CSD in Dresden k\u00fcrzlich nicht mehr als politische Versammlung eingestuft \u2013 eine Entscheidung, die von Organisator:innen und Initiativen scharf kritisiert wird. Gleichzeitig stehen grundlegende Rechte zur Debatte: Diskussionen \u00fcber die Abschaffung des Selbstbestimmungsgesetzes oder das Verbot der Regenbogenflagge auf dem Bundestag zeigen, wie stark queere Themen erneut politisiert \u2013 und angegriffen \u2013 werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund gewinnt eine zentrale Forderung an Gewicht: Pride darf nicht unpolitisch sein. Die Initiative \u201eCSD Verteidigen\u201c erinnert bewusst an die Wurzeln der Bewegung in den Stonewall-Aufst\u00e4nden. \u201ePride muss heute mehr denn je mehr sein als Party\u201c, hei\u00dft es in ihrer Stellungnahme. \u201ePride ist Kampf um Selbstbestimmung und gegen Faschismus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Initiative selbst entstand 2025 als Reaktion auf organisierte Angriffe auf CSDs \u2013 etwa in Bautzen 2024, wo hunderte Neonazis mit Reichsflaggen und Hitlergr\u00fc\u00dfen auftraten. Solche Bilder haben sich tief ins \u00f6ffentliche Bewusstsein eingebrannt und zeigen, wie stark CSDs inzwischen zur Projektionsfl\u00e4che rechter Mobilisierung geworden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Der CSD in Angerm\u00fcnde steht damit exemplarisch f\u00fcr eine neue Phase der Pride-Bewegung in Deutschland: kleiner, oft unter Druck \u2013 aber zugleich politischer, vernetzter und entschlossener. Die Botschaft ist eindeutig: Sichtbarkeit allein reicht nicht mehr. Es braucht Solidarit\u00e4t, klare Haltung und aktiven Widerstand gegen queerfeindliche und faschistische Angriffe.<\/p>\n\n\n\n<p>Der n\u00e4chste Schritt steht bereits bevor: Am 25. April mobilisiert die Initiative zum CSD in Schwedt (Oder). Die Aufforderung ist klar formuliert \u2013 und aktueller denn je: Gemeinsam CSD verteidigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn auch du diese Gruppe begleiten m\u00f6chtest, hier sind deren Kontakte:<\/p>\n\n\n\n<p>csdverteidigenberlin@proton.me<\/p>\n\n\n\n<p>Instagram:<br>@csdv_berlin_brandenburg<br>https:\/\/www.instagram.com\/csdv_berlin_brandenburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Pride unter Druck: Warum der CSD wieder politisch werden muss Am vergangenen Samstag zog der erste Christopher Street Day des Jahres durch das brandenburgische Angerm\u00fcnde. 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