{"id":4165,"date":"2026-08-10T21:42:12","date_gmt":"2026-08-10T19:42:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=4165"},"modified":"2026-08-10T21:43:01","modified_gmt":"2026-08-10T19:43:01","slug":"klare-grenzen-statt-regenbogen-symbolik-wer-gegen-unsere-rechte-steht-gehoert-nicht-auf-unsere-buehnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=4165","title":{"rendered":"+++ Klare Grenzen statt Regenbogen-Symbolik: Wer gegen unsere Rechte steht, geh\u00f6rt nicht auf unsere B\u00fchnen +++"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Aussage des CDU-Politikers Thorsten Frei, er halte es nicht f\u00fcr notwendig, den Schutz der sexuellen Identit\u00e4t ausdr\u00fccklich in Artikel 3 des Grundgesetzes aufzunehmen, sollte innerhalb der queeren Community eine grunds\u00e4tzliche Debatte ausl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn es geht l\u00e4ngst nicht mehr nur um eine einzelne Aussage oder eine einzelne Partei. Es geht um die Frage, wem wir auf unseren CSDs, queeren Stra\u00dfenfesten, Parkfesten und anderen Veranstaltungen eine B\u00fchne bieten wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erleben eine Zeit, in der sich die politischen und gesellschaftlichen R\u00e4nder immer deutlicher formieren. Errungenschaften, die f\u00fcr viele l\u00e4ngst selbstverst\u00e4ndlich erschienen, werden wieder diskutiert. Queere Menschen erleben Anfeindungen, Bedrohungen und Gewalt, w\u00e4hrend gleichzeitig dar\u00fcber gestritten wird, ob zus\u00e4tzliche rechtliche Absicherungen \u00fcberhaupt notwendig seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in einer solchen Situation erwarten wir von demokratischen Parteien mehr als sch\u00f6ne Worte, Regenbogenfahnen und einen Informationsstand auf dem n\u00e4chsten CSD.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erwarten eine klare Haltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Und deshalb m\u00fcssen wir auch \u00fcber die CDU sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn f\u00fchrende Politiker dieser Partei Forderungen nach einer st\u00e4rkeren Absicherung queerer Menschen ablehnen, dann darf die Community die Frage stellen: Warum sollte diese Partei gleichzeitig selbstverst\u00e4ndlich auf unseren Veranstaltungen f\u00fcr sich werben d\u00fcrfen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ein CSD ist schlie\u00dflich keine kostenlose Wahlkampfb\u00fchne.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein CSD ist aus Protest entstanden. Menschen sind auf die Stra\u00dfe gegangen, weil sie diskriminiert, verfolgt und gesellschaftlich ausgegrenzt wurden. Viele Rechte, die wir heute besitzen, mussten \u00fcber Jahrzehnte erk\u00e4mpft werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Umso schwerer ist nachvollziehbar, weshalb Parteien auf diesen Veranstaltungen Regenbogenfahnen schwenken und sich als Freunde der Community pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen, w\u00e4hrend ihre politischen Aussagen und Entscheidungen teilweise eine ganz andere Sprache sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Erfahrung haben wir bereits vor der vergangenen Bundestagswahl gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Winter Pride konnten sich Parteien pr\u00e4sentieren, Gespr\u00e4che f\u00fchren, ihre Botschaften verbreiten und um die Stimmen queerer Menschen werben. Die Regenbogenfarben waren sichtbar und die Versprechen zahlreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Wahl folgte die Ern\u00fcchterung.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Koalitionsvertrag spielte die queere Community mit ihren konkreten Forderungen kaum bis gar keine Rolle.<br>Vielleicht liegt ein Teil des Problems deshalb auch bei uns selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen als Community genauer hinschauen und d\u00fcrfen politische Unterst\u00fctzung nicht daran messen, wer im Pride-Monat die gr\u00f6\u00dfte Regenbogenfahne aufh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor einem CSD sollten klare Forderungen auf den Tisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie steht eine Partei zum Schutz queerer Menschen im Grundgesetz? Wie will sie Hasskriminalit\u00e4t bek\u00e4mpfen? Wie steht sie zu bestehenden Rechten? Welche Verbesserungen unterst\u00fctzt sie? Und vor allem: Wie stimmen ihre Abgeordneten tats\u00e4chlich ab, wenn keine Kameras eines CSD danebenstehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Danach sollte entschieden werden, wem wir auf unseren Veranstaltungen Raum geben. Und das muss f\u00fcr alle Parteien gleicherma\u00dfen gelten.<br>Wer unsere Rechte verteidigt und weiterentwickeln m\u00f6chte, ist ein Partner, mit dem wir diskutieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer jedoch gegen unsere Forderungen argumentiert, erreichte Rechte infrage stellt oder einen besseren Schutz queerer Menschen ablehnt, sollte nicht wenige Wochen sp\u00e4ter unter einer Regenbogenfahne stehen und unsere Veranstaltungen zur politischen Selbstdarstellung nutzen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach den Aussagen von Thorsten Frei muss sich deshalb auch die CDU diese Diskussion gefallen lassen.<br>Eine Partei kann nicht erwarten, auf CSDs, queeren Stadtfesten und Parkfesten willkommen gehei\u00dfen zu werden, nur weil sie dort einen Stand aufbauen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Willkommen sollte sein, wer auch dann an unserer Seite steht, wenn es politisch etwas kostet.<br>Vielleicht m\u00fcssen wir als Community endlich wieder deutlicher machen, dass unsere Veranstaltungen keine beliebig buchbaren Werbefl\u00e4chen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir brauchen keine Parteien, die einmal im Jahr Regenbogen zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir brauchen Parteien, die unsere Rechte an 365 Tagen im Jahr verteidigen. Und wer gegen uns argumentiert, sollte nicht erwarten k\u00f6nnen, ausgerechnet bei uns die B\u00fchne daf\u00fcr zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Radio QueerLive<br>News Redaktion<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Die Aussage des CDU-Politikers Thorsten Frei, er halte es nicht f\u00fcr notwendig, den Schutz der sexuellen Identit\u00e4t ausdr\u00fccklich in Artikel 3 des Grundgesetzes aufzunehmen, sollte innerhalb der queeren Community eine grunds\u00e4tzliche Debatte ausl\u00f6sen. 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