{"id":4219,"date":"2026-08-17T14:00:00","date_gmt":"2026-08-17T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=4219"},"modified":"2026-08-17T04:25:32","modified_gmt":"2026-08-17T02:25:32","slug":"4219","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=4219","title":{"rendered":"+++ Wenn Regenbogen zu Erbrochenem und F\u00e4kalien werden +++"},"content":{"rendered":"\n<p>Firmenfahrzeug sorgt f\u00fcr Entsetzen<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal braucht es keine langen politischen Reden, keine Kommentare in sozialen Netzwerken und keine Demonstration, um eine Botschaft zu vermitteln. Manchmal reicht die R\u00fcckseite eines Firmenfahrzeugs.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Foto, das uns vorliegt, zeigt einen schwarzen Transporter eines Sanierungsunternehmens. Auf den ersten Blick k\u00f6nnte man eine gew\u00f6hnliche Firmenwerbung erwarten: Firmenname, Leistungen, Telefonnummer und Internetadresse. Doch im unteren Bereich der Fahrzeugbeschriftung findet sich eine Bildsprache, die Fragen aufwirft \u2013 und die aus unserer Sicht nicht einfach kommentarlos hingenommen werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber mehreren Abbildungen steht der Satz: \u201eWIR KORRIGIEREN DIE FARBEN DER KUNTERBUNTEN WELT\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Was mit dieser \u201eKorrektur\u201c gemeint sein k\u00f6nnte, wird unmittelbar darunter bildlich dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu sehen ist unter anderem ein regenbogenfarbenes Stoppschild. Daneben findet sich eine Darstellung mit Regenbogenfarben und schwarzen Figuren beziehungsweise Linien. Besonders drastisch wird die Bildsprache anschlie\u00dfend: Eine menschliche Silhouette scheint Regenbogenfarben zu erbrechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und damit nicht genug.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der rechten Seite ist ein regenbogenfarbener Kothaufen dargestellt. Dar\u00fcber befindet sich ein Schriftzug, der auf dem uns vorliegenden Foto als \u201eRegenbogen Kacke\u201c zu lesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich darf man den Regenbogen kritisieren. Man darf politische Bewegungen kritisieren, gesellschaftliche Entwicklungen hinterfragen und selbstverst\u00e4ndlich darf man auch mit den Forderungen der LGBTQ+-Community nicht einverstanden sein. Meinungsfreiheit bedeutet ausdr\u00fccklich auch, Meinungen auszuhalten, die einem selbst nicht gefallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Meinungsfreiheit bedeutet ebenso, dass eine \u00f6ffentlich verbreitete Botschaft \u00f6ffentlich kritisiert werden darf.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genau deshalb muss die Frage erlaubt sein: Welche Botschaft m\u00f6chte ein Unternehmen vermitteln, wenn es Regenbogensymbolik mit Erbrechen und F\u00e4kalien verbindet und gleichzeitig davon spricht, die Farben einer \u201ekunterbunten Welt\u201c korrigieren zu wollen?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Regenbogen ist l\u00e4ngst mehr als irgendeine bunte Farbfolge. F\u00fcr viele lesbische, schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche und andere Menschen steht er f\u00fcr Sichtbarkeit, Akzeptanz und die M\u00f6glichkeit, ohne Angst verschieden sein zu d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer dieses Symbol bildlich erbrechen l\u00e4sst oder mit einem Kothaufen verbindet, muss deshalb damit rechnen, dass Menschen diese Darstellung als Herabw\u00fcrdigung ihrer Community verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders bemerkenswert ist, dass wir hier nicht \u00fcber einen anonymen Social-Media-Account sprechen. Die Darstellungen befinden sich gut sichtbar auf einem Firmenfahrzeug \u2013 gemeinsam mit dem Namen, den Kontaktdaten und der Werbung eines Unternehmens.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Firmenwagen ist schlie\u00dflich eine fahrende Visitenkarte.<\/p>\n\n\n\n<p>Normalerweise m\u00f6chte ein Unternehmen damit sagen: Das sind wir. Daf\u00fcr stehen wir. Das bieten wir unseren Kundinnen und Kunden an.<\/p>\n\n\n\n<p>Und deshalb stellt sich auch eine wirtschaftliche Frage: Wissen potenzielle Kunden eigentlich, mit welcher \u00f6ffentlichen Botschaft dieses Unternehmen unterwegs ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Mensch kann selbst entscheiden, welchem Unternehmen er einen Auftrag erteilt und wo er sein Geld ausgibt. Genauso haben Unternehmen das Recht, sich gesellschaftlich oder politisch zu positionieren. Aber dann m\u00fcssen sie auch damit leben, dass Verbraucher diese Positionierung bei ihrer Entscheidung ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade in einer Zeit, in der immer wieder \u00fcber Anfeindungen und Gewalt gegen\u00fcber Menschen aus der LGBTQ+-Community berichtet wird, sollte au\u00dferdem dar\u00fcber gesprochen werden, welche Wirkung solche Darstellungen im \u00f6ffentlichen Raum entfalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann \u00fcber Regenbogenflaggen streiten.<br>Man kann \u00fcber Pride diskutieren.<br>Man kann Forderungen der Community ablehnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wenn aus einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung eine Bildsprache wird, in der der Regenbogen erbrochen und mit F\u00e4kalien verbunden wird, dann d\u00fcrfen wir auch sehr deutlich sagen:<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist keine Werbung, bei der wir einfach wegschauen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wer seine Haltung \u00f6ffentlich auf ein Firmenfahrzeug druckt, bringt diese Haltung bewusst in den \u00f6ffentlichen Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>Und \u00d6ffentlichkeit bedeutet eben auch Widerspruch.<\/p>\n\n\n\n<p>Radio QueerLive<br>News Redaktion<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Firmenfahrzeug sorgt f\u00fcr Entsetzen Manchmal braucht es keine langen politischen Reden, keine Kommentare in sozialen Netzwerken und keine Demonstration, um eine Botschaft zu vermitteln. 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