{"id":4279,"date":"2026-09-03T13:03:51","date_gmt":"2026-09-03T11:03:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=4279"},"modified":"2026-09-03T13:05:48","modified_gmt":"2026-09-03T11:05:48","slug":"4279","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=4279","title":{"rendered":"+++ Schweiz: Konversionsma\u00dfnahmen sind sch\u00e4dlich \u2013 doch wo bleibt das Verbot? +++"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Schweizer Bundesrat erkennt inzwischen selbst an, dass sogenannte Konversionsma\u00dfnahmen sch\u00e4dlich und unwirksam sind. Eigentlich m\u00fcsste daraus eine ziemlich eindeutige Konsequenz folgen: Menschen m\u00fcssen vor solchen Praktiken gesch\u00fctzt werden. Doch genau an diesem Punkt bleibt die Schweizer Regierung zur\u00fcckhaltend. In einem jetzt ver\u00f6ffentlichten Bericht lehnt der Bundesrat Konversionsma\u00dfnahmen zwar klar ab, \u00fcberl\u00e4sst die weitere gesetzgeberische Initiative aber im Wesentlichen dem Parlament.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei geht es keineswegs um ein Randproblem. Sch\u00e4tzungen zufolge haben in der Schweiz rund 80.000 Menschen Erfahrungen mit Versuchen gemacht, ihre sexuelle Orientierung, ihre geschlechtliche Identit\u00e4t oder ihren Geschlechtsausdruck zu ver\u00e4ndern oder zu unterdr\u00fccken. Besonders erschreckend ist, dass ein erheblicher Teil der Betroffenen zu Beginn solcher Ma\u00dfnahmen noch minderj\u00e4hrig war.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nationalrat hatte sich bereits im Dezember 2022 f\u00fcr ein Verbot ausgesprochen. Nun liegt der politische Ball beim St\u00e4nderat und insbesondere bei dessen zust\u00e4ndiger Rechtskommission. Der Druck auf die Politik w\u00e4chst deshalb. Mehr als 60 Organisationen haben sich in einer neuen Koalition gegen Konversionsma\u00dfnahmen zusammengeschlossen und verlangen ein Verbot.<\/p>\n\n\n\n<p>Bemerkenswert ist dabei die Breite dieses B\u00fcndnisses. Nicht nur queere Organisationen unterst\u00fctzen die Forderung, sondern auch Vertreter aus Medizin und Psychologie sowie Religionsgemeinschaften. Unter anderem haben sich die Schweizer Bischofskonferenz, die Evangelisch-Reformierte Kirche Schweiz, die Christkatholischen Kirchen der Schweiz und der Schweizerische Israelitische Gemeindebund gegen solche Praktiken ausgesprochen. Auch psychologische und medizinische Fachorganisationen warnen vor den m\u00f6glichen Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit stellt sich eine einfache Frage: Wenn Politik, Medizin, Psychologie und selbst gro\u00dfe Religionsgemeinschaften anerkennen, dass diese Ma\u00dfnahmen weder funktionieren noch verantwortbar sind \u2013 worauf wartet man dann noch? Es reicht nicht, festzustellen, dass eine Praxis gef\u00e4hrlich ist. Wer die Gefahr anerkennt, muss auch diejenigen sch\u00fctzen, die ihr ausgesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>+++ Was sind eigentlich Konversionsma\u00dfnahmen? +++<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter dem Begriff stehen Versuche, die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identit\u00e4t eines Menschen zu ver\u00e4ndern oder zu unterdr\u00fccken. Betroffenen wird beispielsweise vermittelt, homosexuelle oder bisexuelle Gef\u00fchle beziehungsweise eine trans Identit\u00e4t seien falsch, krankhaft, s\u00fcndhaft oder m\u00fcssten \u00fcberwunden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Versuche k\u00f6nnen ganz unterschiedlich aussehen. Sie k\u00f6nnen aus vermeintlich therapeutischen Gespr\u00e4chen, religi\u00f6sem Druck, Gebeten, Besch\u00e4mung, Einsch\u00fcchterung oder anderen psychisch belastenden Methoden bestehen. Der entscheidende Punkt ist: Homosexualit\u00e4t und Bisexualit\u00e4t sind keine Krankheiten, die geheilt werden m\u00fcssten. Ebenso l\u00e4sst sich die Identit\u00e4t eines Menschen nicht durch Druck in eine gew\u00fcnschte Richtung zwingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Leid, das solche Versuche verursachen k\u00f6nnen, ist dagegen sehr real. Betroffene berichten von Schuldgef\u00fchlen, Selbsthass, Angstzust\u00e4nden, Depressionen und dem Gef\u00fchl, mit einem wesentlichen Teil ihrer Pers\u00f6nlichkeit grunds\u00e4tzlich falsch zu sein. Besonders schwer k\u00f6nnen die Folgen sein, wenn Kinder und Jugendliche diesem Druck durch Eltern, religi\u00f6se Gemeinschaften oder andere Autorit\u00e4tspersonen ausgesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer einem jungen Menschen immer wieder vermittelt, seine Gef\u00fchle oder seine Identit\u00e4t seien falsch und m\u00fcssten verschwinden, kann tiefe psychische Verletzungen hinterlassen. Fachorganisationen warnen deshalb auch vor Suizidgedanken und suizidalem Verhalten im Zusammenhang mit solchen Erfahrungen. F\u00fcr manche Betroffene k\u00f6nnen die psychischen Folgen \u00fcber viele Jahre oder Jahrzehnte bestehen bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb sollte man auch nicht verharmlosend von einer \u201eTherapie\u201c sprechen. Es gibt nichts zu therapieren. Es geht um den Versuch, Menschen in ihrer Pers\u00f6nlichkeit zu ver\u00e4ndern oder einen Teil ihrer Identit\u00e4t zu unterdr\u00fccken. Manche Betroffene tragen die Folgen davon ein Leben lang mit sich, und im schlimmsten Fall kann die Verzweiflung bis zum Suizid reichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Staat, der wei\u00df, dass solche Praktiken sch\u00e4dlich und unwirksam sind, sollte deshalb nicht nur dar\u00fcber diskutieren. Er sollte Menschen konsequent davor sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Radio QueerLive<br>News Redaktion<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Der Schweizer Bundesrat erkennt inzwischen selbst an, dass sogenannte Konversionsma\u00dfnahmen sch\u00e4dlich und unwirksam sind. Eigentlich m\u00fcsste daraus eine ziemlich eindeutige Konsequenz folgen: Menschen m\u00fcssen vor solchen Praktiken gesch\u00fctzt werden. 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