{"id":4286,"date":"2026-09-04T18:00:00","date_gmt":"2026-09-04T16:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=4286"},"modified":"2026-09-04T09:08:24","modified_gmt":"2026-09-04T07:08:24","slug":"%f0%9f%9f%a5%f0%9f%9f%a7%f0%9f%9f%a8-philipp-und-tom-eine-berliner-liebesgeschichte-zurueck-in-die-busche-%f0%9f%9f%a9%f0%9f%9f%a6%f0%9f%9f%aa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=4286","title":{"rendered":"\ud83d\udfe5\ud83d\udfe7\ud83d\udfe8 Philipp und Tom \u2013 eine Berliner Liebesgeschichte: Zur\u00fcck in die Busche \ud83d\udfe9\ud83d\udfe6\ud83d\udfea"},"content":{"rendered":"\n<p>\ud83d\udfe5\ud83d\udfe7\ud83d\udfe8<\/p>\n\n\n\n<p>Im Studio von Radio QueerLive herrschte Ausnahmezustand. DJ Der Pocher von den organicTwins war zu Gast und stellte seinen Musikmix live im Studio vor. Das hatte sich herumgesprochen, und entsprechend voll war es geworden. Zahlreiche G\u00e4ste wollten dabei sein, Musik h\u00f6ren, quatschen und nat\u00fcrlich feiern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn Radio QueerLive schon einmal so viele G\u00e4ste im Studio hatte, durfte selbstverst\u00e4ndlich eines nicht fehlen: eine Cocktailparty.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp und Tom waren mittendrin, \u00fcberall wurde gelacht, geredet und angesto\u00dfen. Auch Frau Bond hatte sich zun\u00e4chst unter das Volk gemischt. Doch ihre gesellschaftliche Belastungsgrenze war an diesem Abend erstaunlich schnell erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann ging ihr das ganze Schickimicki-Gequatsche einfach auf den Geist.<br>Ohne gro\u00dfe Ank\u00fcndigung verschwand sie aus dem Studio und zog sich in ihr B\u00fcro zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Endlich Ruhe.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond setzte sich an ihren Schreibtisch, \u00f6ffnete eine Schublade ihres Schreibtischs und holte eine Flasche Club-Cola heraus.<br>Gerade wollte sie die Flasche \u00f6ffnen, da ging die T\u00fcr auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond holte bereits tief Luft, um ihn mit wenigen, aber vermutlich sehr deutlichen Worten wieder hinauszubef\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Philipp kam ihr zuvor.<br>\u201eGehen dir die Leute auch auf den Kranz? Diese ganzen Schickimicki-Typen gehen mir langsam auf den Sack.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond schloss den Mund wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp entdeckte die Club-Cola auf ihrem Schreibtisch.<br>Er grinste. \u201eIch wette, du w\u00e4rst jetzt auch lieber woanders.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dann \u00f6ffnete er seinen Rucksack.<br>Eine Flasche Cura\u00e7ao kam zum Vorschein.<br>\u201eWenn, dann richtig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Langsam zog sich ein L\u00e4cheln \u00fcber Frau Bonds Gesicht. Sie \u00f6ffnete noch einmal die Schublade und holte ein zweites Glas heraus.<br>\u201eDeine Empathie wird immer besser. Los, lass uns was trinken.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Club-Cola ins Glas.<\/p>\n\n\n\n<p>Cura\u00e7ao dazu.<\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" class=\"gb-media-c58eb0c6\" alt=\"\" title=\"FB_IMG_1788485341519\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485341519.avif\" srcset=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485341519.avif 1536w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485341519-300x200.avif 300w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485341519-1024x683.avif 1024w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485341519-768x512.avif 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\" \/>\n\n\n\n<p>Beide stie\u00dfen an.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr einen Moment schlossen sie die Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vermutlich dachten beide an denselben Abend zur\u00fcck. An die Busche. An das Jahr 1990. An Silvia. An Andreas. An Wolfgang und seine Kassetten. An eine v\u00f6llig andere Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Philipp die Augen wieder \u00f6ffnete, schaute Frau Bond ihn an.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sagte nur ein Wort.<br>\u201eBereit?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ein breites L\u00e4cheln zog \u00fcber Philipps Gesicht.<br>\u201eLass uns starten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond hob ihre Hand.<br>KLATSCH.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp bekam die flache Hand gegen die Stirn.<\/p>\n\n\n\n<p>Das B\u00fcro verschwand.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4nde, Schreibtisch, Radio QueerLive, Musik und Cocktailparty l\u00f6sten sich auf. Die Welt begann sich zu drehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als alles wieder stillstand, standen die beiden am S-Bahnhof Sch\u00f6nhauser Allee.<br>Philipp schwankte kurz.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAlso irgendwann musst du dir f\u00fcr diese Zeitreisen eine Methode ausdenken, bei der ich keine Gehirnersch\u00fctterung bekomme.\u201c<br>Frau Bond ignorierte ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp sah sich um.<\/p>\n\n\n\n<p>Keine Sch\u00f6nhauser Allee Arcaden.<\/p>\n\n\n\n<p>Stattdessen die alte Abfertigungshalle der Berliner S-Bahn.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich donnerte es \u00fcber ihren K\u00f6pfen. Die R\u00e4der einer U-Bahn ratterten \u00fcber die Hochbahn.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp blickte nach oben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFrau Bond?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSind wir diesmal vielleicht ein bisschen zu weit zur\u00fcck? Das ist ja noch die ganz alte U Bahn?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond lachte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKeine Sorge. Die alten U-Bahn-Wagen sind ziemlich lange gefahren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNa dann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie gingen los.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon nach kurzer Zeit entdeckte Philipp etwas.<br>\u201eMoment mal!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>An einer Ecke lag das legend\u00e4re Caf\u00e9 Nord. Philipp zeigte begeistert darauf.<br>\u201eDas hat Andreas doch beim letzten Mal erw\u00e4hnt!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond nickte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa. Leider wird es bald verschwinden. Sp\u00e4ter kommt da eine Sparkasse rein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie gingen weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht 120 Meter.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann blieben sie vor einer Kneipe stehen. \u00dcber den beiden Schaufenstern stand in gro\u00dfen Buchstaben:<\/p>\n\n\n\n<p>BURGFRIEDEN.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon von drau\u00dfen h\u00f6rten sie Stimmen und Gel\u00e4chter.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipps Augen leuchteten.<br>\u201eOh Mann! Hier haben sie Coming Out gedreht! Den Film habe ich tausendmal gesehen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er war schon durch die T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond folgte.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch kaum war Philipp drinnen, ver\u00e4nderte sich sein Gesichtsausdruck.<br>Er schaute nach links.<br>Nach rechts.<br>Dann wieder nach links. \u201eFrau Bond?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIm Film waren hier aber viele junge Leute.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond brach in Gel\u00e4chter aus.<br>\u201eGuck doch mal an der vorderen Bar vorbei. Links durch den Durchgang.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp schaute.<\/p>\n\n\n\n<p>Und da waren sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Die j\u00fcngeren schwulen G\u00e4ste.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Stimmung war augenblicklich wieder hergestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAh!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Schon flitzte er los.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond hinterher.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden standen gerade an der Bar und Frau Bond wollte ihre Club-Cola mit Cura\u00e7ao bestellen, als sie eine Stimme h\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine sehr bekannte Stimme.<br>\u201eNa sowas.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond drehte sich um. Am anderen Ende der Bar stand Andreas.<br>Er erkannte sie sofort. \u201eFrau Bond!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Freudig kam er auf sie zu und nahm sie in den Arm.<br>Dann sah er Philipp.<br>Sein Gesicht wurde ernst. \u201eAch. Der mit der Pampe in den Haaren ist auch wieder da.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp starrte ihn an.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Andreas konnte das ernste Gesicht nicht lange halten. Er lachte, nahm auch Philipp in den Arm und klopfte ihm auf den R\u00fccken.<br>\u201eSch\u00f6n, dass du da bist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp grinste. \u201eDu Naturkatastrophe. Geht doch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWo wart ihr eigentlich das letzte Jahr?\u201c, wollte Andreas wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond und Philipp sahen sich kurz an.<br>\u201eArbeit\u201c, sagte Frau Bond.<br>\u201eKeine Zeit\u201c, sagte Philipp.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAha.\u201c Andreas schien nicht vollst\u00e4ndig \u00fcberzeugt zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das war egal.<br>Die Freude \u00fcber das Wiedersehen war gr\u00f6\u00dfer.<br>Kurz darauf kam auch Silvia dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem sich alle begr\u00fc\u00dft hatten, ging Andreas an die Bar.<br>\u201eVier Club-Cola mit Cura\u00e7ao!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Gl\u00e4ser auf dem Tresen standen, rief er die anderen zu sich.<br>Silvia schaute ihn verwundert an.<br>Frau Bond ebenfalls.<br>&#8222;Andreas in Spendierhosen?&#8220; Fragte Silvia.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war offenbar ein historischer Moment.<br>Er hob sein Glas. \u201eIch muss mich bei dir bedanken, Frau Bond.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWof\u00fcr?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eF\u00fcr deinen Tipp mit dem Sommercamp.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond l\u00e4chelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas erz\u00e4hlte begeistert weiter.<br>&#8222;Das Lambda-Sommercamp am Knappensee war ein voller Erfolg gewesen. Mehr als hundert junge Menschen aus den f\u00fcnf neuen Bundesl\u00e4ndern waren gekommen. Sie hatten gemeinsam gezeltet, gefeiert, geredet und eine wunderbare Zeit erlebt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd?\u201c, fragte Frau Bond.<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas schaute sie an.<br>\u201eWas und?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWar noch was?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir hatten sch\u00f6nes Wetter.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond hob eine Augenbraue.<br>\u201eSonst war nichts?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da platzte Silvia dazwischen.<br>\u201eDoch! Diese Livesendung von der Wiese! Dieser Radiosender! Steckt ihr dahinter? Ist das euer Sender?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp fing an zu lachen. \u201eSagen wir mal so: ein Mitbewerber.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er nahm einen Schluck. \u201eWir senden ja weltweit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas sah ihn mit gro\u00dfen Augen an. \u201eWeltweit? Wow!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp fasste sich an die Stirn.<br>\u201eAch ja. Internet gibt&#8217;s ja noch gar nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Gl\u00fcck ging Andreas auf diesen Satz nicht weiter ein. Stattdessen leerte er sein Glas und verk\u00fcndete:<br>\u201eMir w\u00e4re jetzt richtig nach Busche.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Silvia lachte. \u201eSeit deinem ersten Besuch bist du richtig zur Busche-Husche geworden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas grinste. \u201eZum Gl\u00fcck hat die Busche montags, dienstags und donnerstags geschlossen. Sonst w\u00e4re ich wahrscheinlich jeden Tag da.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd was machst du an den anderen Tagen?\u201c, fragte Philipp.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eStiller Don. Oder Ackerkeller.\u201c Antwortete Andreas.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond stellte ihr Glas auf den Tresen.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich nahm sie eine Haltung an, als w\u00fcrde sie einen milit\u00e4rischen Marschbefehl verk\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAUF IN DIE BUSCHE!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Widerspruch zwecklos.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gruppe machte sich auf den Weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab der Pappelallee nahmen sie die Linie 70, die direkt von Prenzlauer Berg zur Busche fuhr.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon in der Stra\u00dfenbahn herrschte eine fantastische Stimmung. \u00dcberall sa\u00dfen Schwule und Lesben, viele offensichtlich mit demselben Ziel.<\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" class=\"gb-media-dd109634\" alt=\"\" title=\"FB_IMG_1788485347017\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485347017.avif\" srcset=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485347017.avif 1536w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485347017-300x200.avif 300w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485347017-1024x683.avif 1024w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485347017-768x512.avif 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\" \/>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich stand Silvia auf. Sie breitete die Arme aus.<br>\u201eHerzlich willkommen im Teekannen-Express!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp lachte laut. \u201eGeil! Ihr seid so irre!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond verstand nur Bahnhof.<br>\u201eIm was bitte?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas erkl\u00e4rte es ihr. \u201eTeekannen-Express. Die Linie 70 verbindet die Busche mit der Schoppenstube in Prenzlauer Berg. Und weil so viele Gays mit der Bahn von einem Laden zum anderen fahren, hei\u00dft sie bei uns Teekannen-Express.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond nickte anerkennend.<br>\u201eAuch nicht schlecht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Stra\u00dfenbahn schlie\u00dflich hielt, geschah etwas, das Philipp faszinierte.<br>Alles, was irgendwie schwul oder lesbisch aussah, stieg aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Und fast geschlossen setzte sich die Gruppe Richtung Busche in Bewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>Samstagabend.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor der Busche stand eine Schlange, die gef\u00fchlt f\u00fcnfzig Meter lang war.<br>\u201eNa wunderbar\u201c, murmelte Philipp.<\/p>\n\n\n\n<p>Da \u00f6ffnete sich vorne die T\u00fcr. Der Einlasser schaute heraus.<br>Pl\u00f6tzlich entdeckte er Frau Bond.<br>Er winkte.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond zeigte auf sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann nickte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sollten vorkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond setzte sich in Bewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJetzt komme ich mir vor wie im Studio 54.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp folgte ihr.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei die Busche etwas hatte, was Studio 54 nicht bieten konnte: Sie war zu dieser Zeit der einzige schwule Club in den neuen Bundesl\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Eingang angekommen, begr\u00fc\u00dfte Frau Bond den Einlasser freundlich und nahm ihn kurz in den Arm.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin \u00fcbrigens Sven\u201c, sagte er.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDanke, Sven.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und schon waren sie drin.<\/p>\n\n\n\n<p>Wolfgang stand wieder hinter seinem DJ-Pult.<br>Mit seinen Kassetten.<\/p>\n\n\n\n<p>Um 19.30 Uhr war die Stimmung bereits der absolute Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n<p>Lisa Stansfield.<\/p>\n\n\n\n<p>Culture Club.<\/p>\n\n\n\n<p>Michael Jackson.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Tanzfl\u00e4chenst\u00fcrmer nach dem anderen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vier tanzten wie die Wilden.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Na ja. Fast alle vier.<br>Andreas stand nat\u00fcrlich zun\u00e4chst wieder am Rand. \u201eNein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" class=\"gb-media-eaab0d31\" alt=\"\" title=\"FB_IMG_1788485351268\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485351268.avif\" srcset=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485351268.avif 1536w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485351268-300x200.avif 300w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485351268-1024x683.avif 1024w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485351268-768x512.avif 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\" \/>\n\n\n\n<p>Philipp zog an seinem Arm.<br>\u201eDoch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch will nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Silvia stellte sich hinter ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas hatten wir schon mal.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSilvia, wag es nicht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zu sp\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesmal wurde Andreas gleichzeitig gezogen und geschoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig sp\u00e4ter tanzte auch er.<br>Irgendwann blieb Frau Bond stehen.<br>\u201eICH TROCKNE AUS!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die anderen sahen sie an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch komme mir vor wie in der W\u00fcste Gobi!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Alle drei lachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Silvia hob die Hand. \u201eJetzt gebe ich uns mal einen aus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond sah sie an.<br>\u201eMoment.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Silvia blieb stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas ist eigentlich mit deinem Job? Jetzt, wo du keine Leistungssportlerin f\u00fcr die DDR mehr bist?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Silvias Gesicht wurde ernster. \u201eIch bin arbeitslos.\u201c<br>Sie zuckte mit den Schultern. \u201eIst gerade alles nicht so einfach.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond legte beide H\u00e4nde auf Silvias Schultern. \u201eDann wirst du auf gar keinen Fall bezahlen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Silvia holte bereits Luft.<br>Doch Philipp fiel ihr ins Wort.<br>\u201eWenn Frau Bond die Spendierhosen anhat, h\u00e4lt man den Ball flach.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er zeigte auf Frau Bond.<br>\u201eUnd glaub mir: Das macht sie nur bei euch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond sah ihn an.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp grinste.<\/p>\n\n\n\n<p>Stunden vergingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Neuerung gab es inzwischen in der Busche: Sie hatte l\u00e4nger ge\u00f6ffnet.<br>Und selbst um 4.30 Uhr morgens rockte Wolfgang mit seinen Kassetten noch immer den Dancefloor.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade war die Schlagerrunde vorbei. Jetzt begann bereits die dritte Madonna-Runde.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nat\u00fcrlich waren sie sofort wieder da. Die \u00fcblichen Madonna-Huschen.<br>In ihrer N\u00e4he konnte man kaum tanzen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVogue\u201c lief.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Madonna-Fans lebten jeden einzelnen Takt t\u00e4nzerisch aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp beobachtete sie begeistert.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch pl\u00f6tzlich \u00e4nderte sich alles.<br>Frau Bond sp\u00fcrte ein Kratzen im Hals.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann bekam sie keine Luft mehr.<br>\u201eWas ist denn\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Neben ihr ging Philipp pl\u00f6tzlich zu Boden. Er hielt sich beide H\u00e4nde vor den Mund.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberall begannen Menschen zu husten.<\/p>\n\n\n\n<p>Panik.<\/p>\n\n\n\n<p>Die G\u00e4ste rannten Richtung Ausgang.<\/p>\n\n\n\n<p>Silvia reagierte sofort. Sie packte Philipp, legte ihn sich \u00fcber die Schulter und marschierte mit ihm nach drau\u00dfen.<br>Kaum waren sie im Freien, kam die Erl\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" class=\"gb-media-e368da75\" alt=\"\" title=\"FB_IMG_1788485358118\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485358118.avif\" srcset=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485358118.avif 1536w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485358118-300x200.avif 300w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485358118-1024x683.avif 1024w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485358118-768x512.avif 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\" \/>\n\n\n\n<p>Luft.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp hustete.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond atmete tief ein. \u201eWas zum Teufel war das?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sven kam aus dem Eingang.<br>\u201eTut mir leid.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas ist passiert?\u201c, wollte Frau Bond wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sven zeigte in Richtung Schule.<br>Weiter entfernt stand ein Typ.<br>Und lachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sven erkl\u00e4rte, der Mann habe mit einer Gaspistole in die Busche geschossen \u2013 so lange, bis das Magazin leer gewesen sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Chefin habe bereits die Polizei gerufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sven sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eAber unter einer Stunde kommen die doch sowieso nicht. Manchmal hat man das Gef\u00fchl, die kommen erst, wenn die Gefahr vorbei ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Silvia sah auf ihre Uhr.<br>\u201eGut.\u201c<br>Alle sahen sie an.<br>\u201eDann haben wir ja noch 52 Minuten.\u201c<br>Sie ging los.<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas rief ihr hinterher.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas wird das denn jetzt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Silvia drehte sich nicht einmal um.<br>\u201eIch bin gleich wieder da. Jetzt will ich auch mal Spa\u00df.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond hob beide H\u00e4nde, legte sie hinter die K\u00f6pfe der beiden Jungs und schob sie Richtung Eingang. \u201eWas man nicht wei\u00df, macht uns nicht hei\u00df.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp drehte sich noch einmal um.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber der hat doch \u00fcberhaupt keine Chance gegen eine DDR-Kampfsportlerin!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond schob weiter. \u201eAlso mir w\u00e4re jetzt nach einer Club-Cola mit Cura\u00e7ao.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>An der Bar angekommen, \u00fcberraschte sie selbst den Barkeeper. \u201eEinen Sektk\u00fcbel. Zwei Flaschen Club-Cola. Eine Flasche Cura\u00e7ao und vier Gl\u00e4ser.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Barkeeper starrte sie an.<br>\u201eWie bitte?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu hast mich schon verstanden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>So etwas hatte offenbar noch nie jemand bestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann \u00fcberlegte, was das wohl kosten k\u00f6nnte. Mehr als drei\u00dfig Mark erschien selbst ihm zu viel.<br>Also stellte er den K\u00fcbel und vier Gl\u00e4ser auf den Tresen.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Moment kam Silvia wieder herein.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp sah sie an. \u201eLebt er noch?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas drehte sich zu Philipp. \u201eIch wei\u00df \u00fcberhaupt nicht, wen du meinst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond schenkte ein. Diesmal keine hom\u00f6opathische Mischung.<br>50:50.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie dr\u00fcckte jedem ein Glas in die Hand. \u201eLos. Trinken. Dann tanzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Jungs Richtung Tanzfl\u00e4che gingen, hielt Frau Bond Silvia kurz zur\u00fcck. \u201eIch hoffe, er hatte keinen Blitzeinschlag.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Silvia grinste. \u201eGeblitzt hat es nicht.\u201c<br>Kurze Pause.<br>\u201eAber gewaltig gedonnert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter schnappte sich Frau Bond Andreas erneut.<br>Mittlerweile war er ausgesprochen gut gelaunt und ging freiwillig mit.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer ruhigeren Ecke wurde Frau Bond ernst. \u201eH\u00f6r mir jetzt genau zu.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas kannte diesen Ton inzwischen.<br>\u201eIch wei\u00df, dass euer n\u00e4chstes Sommercamp nach Mecklenburg-Vorpommern geht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er sah sie \u00fcberrascht an.<\/p>\n\n\n\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1536\" height=\"1024\" class=\"gb-media-3c726c93\" alt=\"\" title=\"FB_IMG_1788485362667\" src=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485362667.avif\" srcset=\"https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485362667.avif 1536w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485362667-300x200.avif 300w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485362667-1024x683.avif 1024w, https:\/\/www.queerlive.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/FB_IMG_1788485362667-768x512.avif 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px\" \/>\n\n\n\n<p>\u201eWoher wei\u00dft du das schon wieder?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSternberg\u201c, erg\u00e4nzte Frau Bond.<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas starrte sie an. \u201eWoher\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNicht wichtig.\u201c Sie trat n\u00e4her.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEuch werden Jugendliche aus dem Ort besuchen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, und?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLasst sie abends bei euch im Camp tanzen. Jeden Abend.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas verstand nicht. \u201eWarum?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond wiederholte es.<br>Diesmal noch deutlicher.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLasst die Jugendlichen bei euch tanzen. Es wird ein Tag kommen, an dem sie euch warnen werden, wenn einige Rechte das Camp \u00fcberfallen wollen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas stellte sein Glas ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gute Laune war schlagartig verschwunden. \u201eBitte was?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er sah Frau Bond an. \u201eSollen wir das Camp absagen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bonds Antwort kam sofort.<br>\u201eAuf keinen Fall absagen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie zeigte mit dem Finger auf ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIhr m\u00fcsst nur mit den Jugendlichen zusammen feiern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas nickte langsam. \u201eOkay.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dann schaute er sie lange an.<br>\u201eFrau Bond, woher kommst du eigentlich wirklich? Und Philipp?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond grinste. \u201eVom Planeten Uranus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie drehte sich um und ging lachend zur\u00fcck zur Tanzfl\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp und Silvia tanzten noch immer.<br>Doch jetzt war es Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond verabschiedete sich von Silvia.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann von Andreas.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp sah das und wusste sofort, was das bedeutete.<br>\u201eOch n\u00f6.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch gegen Frau Bond hatte er keine Chance.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig sp\u00e4ter standen die beiden hinter der Busche.<br>In diesem Moment fuhr ein Krankenwagen mit Blaulicht davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp schaute ihm nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann sah Frau Bond ihn an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBereit?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eYep.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>KLATSCH.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder traf ihre Hand seine Stirn.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Welt begann sich zu drehen.<br>Die Busche verschwand.<br>Wei\u00dfensee verschwand.<br>Prenzlauer Berg verschwand.<br>Jahre rasten an ihnen vorbei.<br>Und pl\u00f6tzlich sa\u00dfen sie wieder im B\u00fcro von Frau Bond.<\/p>\n\n\n\n<p>Radio QueerLive.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Musik der Cocktailparty drang ged\u00e4mpft durch die T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch diesmal sagte keiner etwas.<br>Frau Bond sa\u00df hinter ihrem Schreibtisch.<br>Philipp ihr gegen\u00fcber.<br>Minutenlang herrschte Stille.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann sah Philipp sie an. \u201eWas f\u00fcr eine krasse Zeit damals.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond nickte. \u201eJa.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp schaute auf sein Glas. \u201eDie Probleme dieser Generation waren wirklich nicht leicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond wurde ernst.<br>\u201eDie Busche wurde damals immer wieder von Rechten angegriffen. Oder sie warteten ein paar Stra\u00dfen weiter auf G\u00e4ste, die aus der Busche kamen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp sagte nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMan hat ihnen aufgelauert\u201c, fuhr Frau Bond fort. \u201eUnd manche wurden so zusammengeschlagen, dass sie im Krankenhaus landeten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die ausgelassene Cocktailparty drau\u00dfen im Studio f\u00fchlte sich pl\u00f6tzlich sehr weit entfernt an.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Weile fragte Philipp:<br>\u201eWas hast du Andreas eigentlich gesagt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond sah ihn an. \u201eBeim n\u00e4chsten Sommercamp in Sternberg wollen Leute aus einer rechten Disco das Camp \u00fcberfallen. Nachdem der NDR einen Fernsehbeitrag \u00fcber das Sommercamp sendet, wollen einige Rechte dort hin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp schluckte. \u201eUnd deshalb die Jugendlichen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond nickte.<br>\u201eDeshalb habe ich Andreas den Tipp gegeben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp schaute nachdenklich zur Seite. Dann fiel sein Blick auf die Uhr.<br>Er runzelte die Stirn. \u201eMoment mal.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er schaute genauer hin.<br>\u201eF\u00fcnf Minuten?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond sagte nichts.<br>\u201eWir waren stundenlang weg!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Moment \u00f6ffnete sich die T\u00fcr. Tom steckte den Kopf herein.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Studio drangen Musik und Stimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHey Philipp! Kommst du mal wieder raus und feierst?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp sah zu Tom.<\/p>\n\n\n\n<p>Normalerweise h\u00e4tte man ihn nicht zweimal fragen m\u00fcssen. Doch diesmal sch\u00fcttelte er den Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFeiert ohne mich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tom musterte ihn kurz. \u201eAlles okay?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp nickte. \u201eJa. Ich m\u00f6chte nur gerade hierbleiben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tom zuckte mit den Schultern.<br>\u201eOkay.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die T\u00fcr fiel wieder ins Schloss.<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp war tats\u00e4chlich nicht nach Feiern.<br>Erstens hatte er gerade gef\u00fchlt stundenlang gefeiert.<br>Und zweitens gingen ihm die Bilder nicht aus dem Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Busche.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Angst.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gewalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch der Zusammenhalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Sommercamp mit mehr als hundert jungen Menschen, die sich endlich kennenlernen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Stra\u00dfenbahn voller Schwuler und Lesben auf dem Weg zu einem Ort, an dem sie gemeinsam feiern konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Silvia, die pl\u00f6tzlich ohne Arbeit dastand.<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas, der versuchte, etwas Neues aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und eine Busche, die trotz allem Nacht f\u00fcr Nacht ihre T\u00fcren \u00f6ffnete.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond \u00f6ffnete wieder die Schublade ihres Schreibtischtanks.<\/p>\n\n\n\n<p>Man h\u00f6rte das Klirren zweier Gl\u00e4ser.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann fragte sie ungew\u00f6hnlich leise:<br>\u201eNoch einen Drink?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Philipp sah sie an.<br>Ein kleines L\u00e4cheln erschien auf seinem Gesicht. \u201eAber nur einen Hauch Cura\u00e7ao.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Bond nickte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und drau\u00dfen wurde weitergefeiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende Teil 2<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">\ud83d\udfe5\ud83d\udfe7\ud83d\udfe8 Im Studio von Radio QueerLive herrschte Ausnahmezustand. 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