{"id":4503,"date":"2026-11-04T16:47:31","date_gmt":"2026-11-04T15:47:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=4503"},"modified":"2026-11-04T16:48:21","modified_gmt":"2026-11-04T15:48:21","slug":"4503","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.queerlive.de\/?p=4503","title":{"rendered":"+++ Diese Frau ist der Sargnagel f\u00fcr queere Jugendarbeit \u2013 Karin Prien und das Aus f\u00fcr Lambda +++"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Diese Frau ist der Sargnagel f\u00fcr queere Jugendarbeit.<\/strong> Zumindest dr\u00e4ngt sich dieser Eindruck auf, wenn man sich anschaut, welche Folgen die Entscheidungen des Bundesjugendministeriums f\u00fcr junge queere Menschen in Deutschland haben. Ihr Name: Karin Prien. CDU-Politikerin, Bundesministerin und damit politisch verantwortlich f\u00fcr eine Entscheidung, die nun das Ende eines der wichtigsten bundesweiten Beratungsangebote f\u00fcr queere Jugendliche bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wer ist diese Frau eigentlich?<\/p>\n\n\n\n<p>Karin Prien wurde am 26. Juni 1965 in Amsterdam geboren. Sie geh\u00f6rt seit 1981 der CDU an, war von 2017 bis 2025 Bildungsministerin in Schleswig-Holstein und ist seit Mai 2025 Bundesministerin f\u00fcr Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett von Friedrich Merz. Au\u00dferdem ist sie stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgerechnet die Ministerin, die f\u00fcr das Wohl junger Menschen Verantwortung tr\u00e4gt, steht nun wegen einer Entscheidung in der Kritik, deren Folgen kaum dramatischer sein k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nach mehr als 30 Jahren muss das Jugendnetzwerk Lambda seine bundesweite Beratung f\u00fcr junge queere Menschen zum Jahresende 2026 einstellen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit 1995 war diese Beratung eine wichtige Anlaufstelle f\u00fcr Jugendliche, die Fragen zu ihrer sexuellen Orientierung, ihrem Coming-out oder ihrer geschlechtlichen Identit\u00e4t hatten. Doch l\u00e4ngst ging es um weit mehr. Immer h\u00e4ufiger wandten sich junge Menschen mit schweren psychischen Krisen, Suizidgedanken, selbstverletzendem Verhalten oder Erfahrungen h\u00e4uslicher Gewalt an die Beratungsstelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ausgerechnet jetzt, wo der Hilfebedarf nach Angaben des Verbandes immer gr\u00f6\u00dfer wird, f\u00e4llt diese Unterst\u00fctzung weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Grund: Das von Karin Prien gef\u00fchrte Bundesjugendministerium hat die bisherige Rahmenvereinbarung zur F\u00f6rderung des Jugendnetzwerks Lambda zum Jahresende 2026 gek\u00fcndigt. Damit entf\u00e4llt eine zentrale finanzielle Grundlage des Verbandes. Alle Bem\u00fchungen, die entstandene Finanzierungsl\u00fccke zu schlie\u00dfen, blieben f\u00fcr das Beratungsangebot erfolglos.<\/p>\n\n\n\n<p>Neue Beratungsanfragen werden bereits jetzt nicht mehr angenommen. Laufende Beratungen sollen bis Jahresende abgeschlossen und Betroffene nach M\u00f6glichkeit an andere Stellen vermittelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das ist keine abstrakte Haushaltsentscheidung. Hier verlieren junge Menschen ganz konkret eine M\u00f6glichkeit, Hilfe zu bekommen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Besonders ersch\u00fctternd ist, dass diese Entwicklung keineswegs \u00fcberraschend kam. Mehr als 200 Organisationen haben sich f\u00fcr den Erhalt des Jugendnetzwerks eingesetzt. Auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnten vor den Folgen. Der Deutsche Bundesjugendring kritisierte die K\u00fcndigung und stellte sich zuletzt einstimmig hinter Lambda.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Entscheidung blieb bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ministerium begr\u00fcndet die Streichung mit begrenzten finanziellen Mitteln und der notwendigen Haushaltskonsolidierung. \u00dcber eine m\u00f6gliche Projektf\u00f6rderung f\u00fcr 2027 wurde gesprochen. Doch einzelne Projekte k\u00f6nnen eine langfristige Grundfinanzierung nicht ohne Weiteres ersetzen. Und vor allem retten solche \u00dcberlegungen den Queersupport derzeit nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich l\u00e4sst sich daraus nicht ableiten, dass Karin Prien pers\u00f6nlich queere Jugendliche benachteiligen wollte. Die politische Verantwortung f\u00fcr die Entscheidung ihres Ministeriums tr\u00e4gt sie dennoch.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genau deshalb muss sich die CDU unangenehme Fragen gefallen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie glaubw\u00fcrdig ist eine Politik, die gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Schutz vor Diskriminierung betont, gleichzeitig aber die finanzielle Grundlage einer bundesweiten queeren Jugendorganisation wegbrechen l\u00e4sst?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ernst nimmt man die Sorgen junger queerer Menschen, wenn ausgerechnet dort Unterst\u00fctzung verloren geht, wo sie dringend gebraucht wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erleben eine Zeit, in der queere Menschen zunehmend um ihre Sicherheit und gesellschaftliche Akzeptanz k\u00e4mpfen m\u00fcssen. Gerade deshalb brauchen junge Menschen Beratungsangebote, gesch\u00fctzte R\u00e4ume und Organisationen, die ihnen zur Seite stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Queere Jugendarbeit ist kein Luxus, den man sich nur in wirtschaftlich guten Zeiten leisten sollte. Sie ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Besonders bitter erscheint dabei der politische Widerspruch: Auf Christopher Street Days pr\u00e4sentieren sich auch Vertreterinnen und Vertreter der CDU, zeigen Solidarit\u00e4t und werben f\u00fcr Offenheit und Vielfalt. Doch Solidarit\u00e4t muss sich an politischen Entscheidungen messen lassen, nicht allein an freundlichen Worten und Regenbogenfahnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bedeutet nicht, dass jedes CDU-Mitglied dieselben Positionen vertritt. Aber eine Partei muss sich an der Politik messen lassen, die ihre Regierungsmitglieder verantworten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Jugendnetzwerk Lambda hofft weiterhin, seine Beratung irgendwann wieder aufnehmen zu k\u00f6nnen. Neue F\u00f6rderantr\u00e4ge werden vorbereitet, alternative Finanzierungsm\u00f6glichkeiten gepr\u00fcft. Doch f\u00fcr die jungen Menschen, die heute Unterst\u00fctzung brauchen, ist diese Hoffnung kein Ersatz f\u00fcr eine erreichbare Beratungsstelle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vielleicht ist es deshalb h\u00f6chste Zeit, innerhalb der queeren Community eine grunds\u00e4tzliche Diskussion \u00fcber politische Glaubw\u00fcrdigkeit, Solidarit\u00e4t und Verantwortung zu f\u00fchren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie k\u00f6nnen wir Parteien wie die CDU an CSDs teilnehmen lassen, wenn gleichzeitig unter ihrer Regierungsverantwortung wichtige Strukturen queerer Jugendarbeit ihre Finanzierung verlieren?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und wann werden wir endlich wach und stellen uns ernsthaft die Frage, ob die Politik der CDU queeren Menschen \u00fcberhaupt noch guttut?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Radio QueerLive <br>News Redaktion <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\">Diese Frau ist der Sargnagel f\u00fcr queere Jugendarbeit. 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