Es ist ein Ort der Trauer, der Erinnerung und der Solidarität. Ein Ort, an dem eine Mutter ihr Leben verlor, die eigentlich gemeinsam mit ihrer Tochter einen Tag voller Freude, Vielfalt und Menschlichkeit erleben wollte. Doch am 25. Juli 2026 endete ihr Besuch in Berlin in einer Tragödie. Bei dem islamistischen Terroranschlag in der Nähe der Abschlusskundgebung des Berliner Christopher Street Days wurde die aus Polen stammende Frau getötet.
Heute erinnert im Berliner Tiergarten ein Gedenkort mit einer Regenbogenbank und einem geschmückten Baum an die verstorbene Mutter. Doch ausgerechnet dieser Ort wurde in den vergangenen Wochen immer wieder zum Ziel von Vandalismus. Die Regenbogenbank wurde mehrfach beschädigt, zerstört und mit schwarzer Farbe beschmiert.
Seit gestern läuft deshalb eine besondere Mahnwache, die noch bis Sonntag andauern wird.
Mitglieder der Berliner Grünen aus den Bezirken Mitte und Pankow haben sich zusammengeschlossen, um den Gedenkort vom 9. bis zum 11. Oktober rund um die Uhr zu bewachen. Auch Politikerinnen und Politiker beteiligen sich an den Schichten. Sie wollen verhindern, dass die Regenbogenbank und der Gedenkbaum erneut beschädigt oder geschändet werden.
Die aktuellen Bilder zeigen, wie viel Engagement und Menschlichkeit hinter dieser Aktion stehen. Unter einem Pavillon haben die Teilnehmenden einen kleinen Aufenthaltsbereich eingerichtet. Die Regenbogenbank ist wieder in ihren leuchtenden Farben zu sehen. Wenige Meter entfernt steht der Gedenkbaum, geschmückt mit Regenbogenbändern, Blumen und Kerzen. Auch in der Dunkelheit wird dieser Ort nicht allein gelassen.
Es ist ein beeindruckendes Zeichen der Solidarität. Gleichzeitig ist es ein erschütterndes Zeugnis unserer gesellschaftlichen Realität.
Denn wir müssen uns ernsthaft fragen, in welchem Zustand sich unsere Gesellschaft befindet, wenn Menschen einen Gedenkort bewachen müssen, damit er nicht erneut zerstört wird.
Hier geht es nicht um irgendeine Parkbank. Hier geht es um das Andenken an eine Frau, die ihr Leben verloren hat. Um eine Mutter, deren Tochter ohne sie nach Hause zurückkehren musste. Um einen Menschen, der nach Berlin gekommen war, um gemeinsam mit anderen Menschen Vielfalt und Freiheit zu erleben.
Und hier geht es auch um die Frage, welchen Respekt wir als Gesellschaft den Opfern terroristischer Gewalt entgegenbringen.
Dass Menschen ihre Freizeit opfern, um diesen Ort über mehrere Tage und Nächte zu schützen, verdient Anerkennung und Dankbarkeit. Dass eine solche Aktion überhaupt notwendig geworden ist, sollte uns dagegen beschämen.
Die wiederholten Beschädigungen der Regenbogenbank zeigen, wie wenig Respekt manche Menschen selbst vor einem Ort haben, an dem an ein verlorenes Menschenleben erinnert wird.
Die Mahnwache ist deshalb weit mehr als eine Schutzmaßnahme gegen Vandalismus. Sie ist ein öffentliches Zeichen gegen Hass, Menschenverachtung und das Vergessen.
Die Menschen, die an diesem Wochenende im Berliner Tiergarten ausharren, zeigen, dass Solidarität nicht nur aus schönen Worten besteht. Sie zeigen, dass Erinnerung Verantwortung bedeutet und dass man manchmal ganz persönlich dafür einstehen muss, damit ein Ort des Gedenkens erhalten bleibt.
Radio QueerLive bedankt sich bei allen Beteiligten, die diese Mahnwache organisieren, unterstützen und vor Ort durchführen.
Wir wünschen uns allerdings auch, dass der Schutz eines solchen Gedenkortes künftig nicht allein vom ehrenamtlichen Engagement einzelner Menschen abhängig ist.
Denn eine Gesellschaft, die ihre Opfer nicht einmal in Ruhe betrauern lassen kann, hat ein ernsthaftes Problem.
Radio QueerLive wird dieses Thema auch morgen aufgreifen.
Am morgigen Sonntag, dem 11. Oktober 2026, werden wir in unserer Live-Sendung ab 15:00 Uhr über die Mahnwache und die Situation am Gedenkort berichten. Dazu wird es auch ein Interview geben.
Wir möchten darüber sprechen, warum diese Mahnwache notwendig geworden ist, welche Erfahrungen die Beteiligten vor Ort machen und welche Bedeutung der Schutz dieses besonderen Erinnerungsortes hat.
Radio QueerLive – Sonntag ab 15:00 Uhr live.
Denn Erinnern bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen. Und die Würde eines Menschen darf mit seinem Tod nicht enden.
Die Mahnwache wird noch bis Sonntag (11.10.2026) um 18:00 Uhr realisiert.
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