Die CSD-Saison hat begonnen – und sie ist mit einer Wucht gestartet, die deutlich macht, wie groß das Bedürfnis nach Sichtbarkeit, Gemeinschaft und politischem Ausdruck ist.
Beim Auftakt in Schönebeck (Elbe) wurde spürbar, was lange gefehlt hat: Menschen, die gemeinsam auf die Straße gehen, die sich zeigen, die sich gegenseitig stärken. Es war ein Moment des Aufatmens – aber auch ein Moment der Erkenntnis. Denn die Bewegung hat sich verändert. Sie ist reflektierter, entschlossener und besser organisiert.
Ein Jahr nach schwierigen Erfahrungen vor Ort hat sich gezeigt: Aktivismus ist lernfähig. Strukturen wurden verbessert, Sicherheitskonzepte geschärft und Kooperationen gestärkt. Das Ergebnis: eine kraftvolle Demonstration, die Mut macht für alles, was noch kommt.
Der Blick richtet sich nach Dessau-Roßlau
CSD Dessau – heute
Heute, am 02. Mai, steht der nächste große Moment an: der CSD in Dessau-Roßlau. Und dieser Tag ist mehr als nur ein weiterer Termin im Kalender – er ist ein Gradmesser dafür, wie ernst es Deutschland mit Vielfalt und demokratischem Engagement meint.
Der CSD Dessau zeigt, was möglich ist, wenn Zusammenarbeit funktioniert. Stadtverwaltung, Behörden und Polizei haben im Vorfeld eng kooperiert. Ein engagiertes Team hat aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt und eine Aktionswoche auf die Beine gestellt, die queeres Leben sichtbar macht und in den Mittelpunkt rückt.
Doch hinter dieser Erfolgsgeschichte verbirgt sich eine Realität, die alarmierend ist.
Engagement am Limit
Trotz politischer Beschlüsse zur Unterstützung von CSD-Veranstaltungen bleibt die finanzielle Situation angespannt. Bereits seit 2022 existiert ein Stadtratsbeschluss zur Förderung – doch die zugesagten Mittel lassen bis heute auf sich warten.
Gleichzeitig sind Programme wie „Demokratie leben!“ vor Ort ins Stocken geraten.
Das Ergebnis: eine massive Finanzierungslücke.
Der Verein CSD Dessau-Roßlau e.V. steht damit stellvertretend für viele Initiativen, die mit großem ehrenamtlichen Engagement arbeiten, aber strukturell ausgebremst werden. Erst seit Kurzem eigenständig aktiv und eingebunden in den Christopher-Street-Day Sachsen-Anhalt e.V., ist der Verein auf Unterstützung angewiesen – ideell wie finanziell.
Warum Dessau heute zählt
Der heutige CSD ist deshalb mehr als eine Demonstration. Er ist ein Signal. Ein Signal dafür, dass queere Sichtbarkeit nicht selbstverständlich ist. Dass sie erkämpft, organisiert und finanziert werden muss.
Wer heute auf dem Marktplatz in Dessau steht, setzt ein Zeichen – gegen Gleichgültigkeit, gegen Unsichtbarkeit und gegen strukturelle Hürden. Und für eine Gesellschaft, die Vielfalt nicht nur toleriert, sondern aktiv schützt und fördert.
Ein Aufruf an uns alle
Aktivismus lebt von Menschen. Von denen, die planen, organisieren und Verantwortung übernehmen. Und von denen, die kommen, unterstützen, spenden und laut sind.
Dessau ist heute ein Ort, an dem genau das sichtbar wird.
Die CSD-Saison hat gerade erst begonnen. Doch schon jetzt zeigt sich: Die Herausforderungen sind groß – aber die Entschlossenheit ist größer.
Sichtbarkeit ist politisch.
Engagement ist notwendig. Unterstützung ist entscheidend.
Oder anders gesagt:
Für Vielfalt.
Für Zusammenhalt.
Für eine offene Gesellschaft.
Radio QueerLive
Die Livesendung
Olaf Wunderbar und Andreas sind auf dem Weg nach Dessau.
Gegen 12.00 Uhr geht Radio QueerLive OnAir vom CSD Dessau.
Radio QueerLive
Live aus Dessau
Start: 12.00 Uhr
Stream: www.queerlive.de
