Wenige Tage nach dem 16. April richtet sich der Blick zurück auf den Geburtstag von Ovo Maltine. Sie wäre in diesem Jahr erneut älter geworden – ein Anlass, um sich an eine Persönlichkeit zu erinnern, die die queere Szene und den AIDS-Aktivismus in Deutschland nachhaltig geprägt hat.
Geboren wurde sie 1966 als Christoph Josten im rheinland-pfälzischen Rech an der Ahr. Unter dem Namen Ovo Maltine entwickelte sie sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer markanten Stimme zwischen Kunst, Politik und Subkultur.
Kunst als politisches Statement
Ovo Maltine verband Bühne und Botschaft auf konsequente Weise. Als Polit- und Kabarett-Tunte nutzte sie gezielt Provokation, Humor und Inszenierung, um gesellschaftliche Missstände sichtbar zu machen. Ihre Auftritte waren nie bloß Unterhaltung, sondern immer auch politische Intervention.
Ihr Engagement bei den Schwestern der Perpetuellen Indulgenz machte sie zu einem wichtigen Teil einer Bewegung, die sich mit kreativen Aktionen für Aufklärung und Solidarität einsetzte. Gerade in einer Zeit, in der AIDS stark stigmatisiert war, schuf sie Sichtbarkeit und setzte Zeichen gegen Ausgrenzung.
Aktivismus in bewegten Zeiten
Die 1980er- und 1990er-Jahre waren geprägt von Unsicherheit und Diskriminierung gegenüber Menschen mit HIV und AIDS. Ovo Maltine stellte sich dieser Realität mit Mut und Klarheit entgegen. Sie engagierte sich nicht nur künstlerisch, sondern auch konkret für bessere Lebensbedingungen und gesellschaftliche Akzeptanz.
Dabei arbeitete sie unter anderem mit Künstlern wie Jimmy Somerville zusammen und trug dazu bei, Aktivismus und Popkultur miteinander zu verbinden.
Ein Leben in Berlin – und darüber hinaus
Ihr Lebensmittelpunkt war Berlin, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2005 wirkte. Die Stadt bot ihr den Raum für ihre künstlerische und politische Entfaltung – und wurde zugleich zur Bühne ihres Engagements.
Bis heute bleibt ihre Erinnerung lebendig: Ihr Wirken ist Teil queerer Geschichte, ihr Name steht für eine Zeit des Widerstands, aber auch der Solidarität.
Ein Vermächtnis, das nachwirkt
Kurz nach ihrem Geburtstag wird besonders deutlich, wie sehr Ovo Maltine bis heute nachwirkt. Sie steht für eine Generation von Aktivistinnen und Aktivisten, die mit Kreativität und Entschlossenheit gegen gesellschaftliche Ausgrenzung kämpften.
Ihr Leben zeigt, dass politischer Protest viele Formen annehmen kann – laut, unbequem, humorvoll und zutiefst menschlich. Ein Vermächtnis, das auch heute nichts von seiner Relevanz verloren hat.
Ovo Maltine wäre am 16. April 2026 60 Jahre geworden.
Radio QueerLive
Redaktion
