Filmtipp, Rosa von Praunheim

Der deutsche Film und die queere Kultur haben eine ihrer prägendsten Stimmen verloren: Mit dem Tod von Rosa von Praunheim ist ein Künstler gegangen, der wie kaum ein anderer die Verbindung von Film, Provokation und politischem Engagement verkörperte.

Über Jahrzehnte hinweg prägte er die deutsche und internationale Filmkultur mit einem Werk, das ebenso unkonventionell wie einflussreich war. Seine Filme waren stets mehr als bloße Erzählungen – sie waren Interventionen, Kommentare und oft auch Aufrufe zum gesellschaftlichen Wandel.

Als Regisseur entwickelte Rosa von Praunheim eine unverwechselbare Handschrift. Seine Arbeiten bewegten sich zwischen Dokumentarfilm, experimentellem Kino und politischer Satire. Dabei interessierte ihn weniger das perfekte Bild als vielmehr die Wahrheit hinter den Fassaden. Mit radikaler Offenheit, manchmal auch mit bewusst eingesetzter Provokation, stellte er gesellschaftliche Normen infrage und rückte Menschen ins Zentrum, die im klassischen Kino lange unsichtbar geblieben waren.
Gerade diese Mischung aus künstlerischem Mut und politischem Anspruch machte ihn zu einem der wichtigsten Autorenfilmer des deutschen Nachkriegskinos.

Besonders prägend war seine Rolle für die schwule Emanzipationsbewegung.

Bereits in den frühen 1970er Jahren sorgte er mit seinem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ für einen kulturellen und politischen Paukenschlag. Der Film wurde zu einem zentralen Impuls für die entstehende Schwulenbewegung in Deutschland und ermutigte viele Menschen, sich öffentlich zu ihrer Identität zu bekennen.

Rosa von Praunheim verstand Film als politisches Werkzeug – als Möglichkeit, Sichtbarkeit zu schaffen, Diskussionen anzustoßen und gesellschaftliche Veränderung zu begleiten.
Zu Ehren dieses großen, stets unangepassten Künstlers zeigt der Berliner Filmrauschpalast nun eine Retrospektive mit ausgewählten Werken aus seinem umfangreichen Schaffen.
Der Fokus der Reihe liegt auf den besonders produktiven 1980er Jahren und beginnt mit einem New-York-Double-Feature, das zwei faszinierende Einblicke in die damalige Underground-Kulturszene der Metropole bietet.

Filmtipp 1

Den Auftakt bildet der Film „Tally Brown, New York“.

In diesem Werk zeichnet Rosa von Praunheim ein intimes Porträt der legendären New Yorker Underground-Künstlerin Tally Brown.
Die Sängerin und Schauspielerin erzählt von ihrem bewegten Leben, von ihrer Mutter und von Begegnungen mit Persönlichkeiten wie Andy Warhol.
Zwischendurch interpretiert sie Songs von David Bowie, Mick Jagger und Kurt Weill – und verleiht dem Film damit eine ebenso persönliche wie musikalische Dimension.
Gleichzeitig entsteht ein atmosphärisches Zeitdokument des New York der späten 1970er Jahre, das das Künstler- und Bohème-Milieu jener Zeit lebendig werden lässt.

Vorführung:
Sonntag, 15.03., 17:30 Uhr

Filmtipp 2

Im Anschluss folgt „Überleben in New York“, der ebenfalls einen Blick auf das Leben und die künstlerische Szene der Stadt wirft.

Der Film führt tiefer hinein in den Alltag von Menschen, die in der pulsierenden Metropole versuchen, ihren Platz zu finden – zwischen Kunst, Existenzkampf und dem Traum von Freiheit.
Gedreht in der Originalfassung und auf 16-mm-Film, vermittelt er ein authentisches Bild jener Zeit und zeigt einmal mehr Rosa von Praunheims Gespür für außergewöhnliche Persönlichkeiten und urbane Subkulturen.

Vorführung:
Sonntag, 15.03., 19:30 Uhr

Die Filme werden gezeigt im Filmrauschpalast, Lehrter Str. 35, Berlin.

Weitere Informationen zum Programm gibt es auf der Webseite:

filmrausch.de