+++ Wenn Niederlagen erklärt werden sollen – und plötzlich die sexuelle Orientierung „schuld“ ist +++

Es gibt viele Wege, ein verlorenes Fußballspiel zu analysieren. Man kann über Taktik sprechen, über Fitness, über individuelle Fehler oder die Stärke des Gegners. Oder – und das scheint im Fall von Vanuatu eine ernsthaft in Betracht gezogene Option zu sein – man macht kurzerhand die sexuelle Orientierung von Spielerinnen oder Beteiligten verantwortlich.

Ausgangspunkt der aktuellen Kontroverse ist ein Artikel der Zeitung Vanuatu Daily Post mit der bemerkenswerten Schlagzeile: „Ehemalige Trainerin der Frauenmannschaft sagt, Lesbentum sei ein Grund für die ständigen Niederlagen der Frauenmannschaft von Vanuatu“.
Eine These, die nicht nur sportwissenschaftlich Neuland betritt, sondern auch zeigt, wie schnell Vorurteile zur vermeintlichen Analyse werden können.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten – allerdings nicht in Form einer inhaltlichen Auseinandersetzung. Stattdessen sieht sich die Zeitung nun mit einem möglichen Berichterstattungsverbot über zukünftige Fußballspiele konfrontiert.
Eine elegante Lösung: Wenn einem die Berichterstattung nicht gefällt, schafft man sie einfach ab.
Dabei wirkt die ursprüngliche Aussage wie ein Paradebeispiel für die Verschiebung von Verantwortung. Anstatt strukturelle Probleme im Frauenfußball zu diskutieren – etwa Ressourcen, Förderung oder sportliche Entwicklung – wird die Schuld auf ein persönliches Merkmal gelenkt.

Die sexuelle Orientierung wird zur Erklärung umgedeutet, zur Ursache stilisiert, zur bequemen Ausrede.
Ironischerweise erfüllt diese Argumentation gleich mehrere Funktionen: Sie vereinfacht komplexe Probleme, sie lenkt von eigenen Versäumnissen ab – und sie trifft eine Gruppe, die ohnehin häufig mit Vorurteilen konfrontiert ist. Effizienter lässt sich Verantwortung kaum entsorgen.

Dass eine solche Aussage überhaupt öffentlich geäußert wird, ist bereits bemerkenswert. Dass die Reaktion darauf jedoch nicht in einer kritischen Debatte besteht, sondern in der Einschränkung von Medienarbeit, setzt dem Ganzen eine zusätzliche Pointe auf. Plötzlich steht nicht mehr die fragwürdige These im Mittelpunkt, sondern die Frage, wer darüber berichten darf.
So entsteht ein bemerkenswertes Spannungsfeld: Auf der einen Seite eine Aussage, die Homosexualität als Problem markiert. Auf der anderen Seite eine Maßnahme, die kritische Berichterstattung zum Problem erklärt. Beides zusammen ergibt ein Bild, das weniger von sportlicher Analyse als von gesellschaftlichen Reflexen geprägt ist.
Und irgendwo dazwischen steht der Frauenfußball in Vanuatu, der vermutlich ganz andere Herausforderungen hat als die sexuelle Orientierung seiner Spielerinnen.
Vielleicht wäre es tatsächlich einen Versuch wert, sich wieder auf das Spiel zu konzentrieren. Denn so verlockend einfache Erklärungen auch sein mögen – sie schießen in diesem Fall nicht nur am Tor vorbei, sondern am gesamten Thema.

Übrigens, wenn wir mal eine Sendung verhauen und Pannen ihren Einzug halten liegt es daran – einer im Team ist heterosexuell verzaubert.

Radio QueerLive
News Redaktion