Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Bob Young. Er verstarb im Alter von nur 64 Jahren. Mit ihm verliert Berlin nicht nur einen Veranstalter, sondern einen Menschen, der die queere Club- und Partykultur der Hauptstadt über Jahrzehnte hinweg geprägt hat.
Viele verbinden seinen Namen unmittelbar mit dem GMF – einer Party, die für Generationen von Gästen weit mehr war als nur ein Sonntagabend-Event. Aus der legendären WMF machte Bob Young die GMF, wobei das „G“ bewusst für „Gay“ stand. Damit schuf er einen Ort, an dem Menschen feiern, sich begegnen und Teil einer offenen und selbstbewussten Community sein konnten.
Über viele Jahre war die GMF Party der feste Treffpunkt der Berliner LGBTQ+-Szene und zog Gäste aus Deutschland und der ganzen Welt an. Bob Young verstand es wie kaum ein anderer, Trends aufzugreifen und zugleich eine Atmosphäre zu schaffen, die einzigartig war. Moderne Sounds, internationale DJs und ein Gespür für das Besondere machten die Veranstaltung zu einer Institution des Berliner Nachtlebens. Selbst Größen der elektronischen Musikszene wie fanden ihren Weg auf die Bühne der GMF.
Unvergessen bleiben auch die außergewöhnlichen Veranstaltungsorte, die eng mit der Geschichte der Party verbunden sind. Das Café Moskau gilt für viele bis heute als einer der Höhepunkte der GMF-Geschichte. Besonders der Keller mit seinem unverwechselbaren DDR-Ambiente, den roten Ledersitzen und der mitten im Publikum platzierten DJ-Kanzel schuf eine Atmosphäre, die ihresgleichen suchte. Später bot der Weekend Club am Alexanderplatz mit seinen Dancefloors und der beliebten Dachterrasse einen weiteren spektakulären Rahmen für legendäre Nächte.
Bob Young hatte ein feines Gespür für die Wünsche seiner Gäste. Er wusste, dass eine erfolgreiche Party mehr ist als Musik und Drinks. Es ging um Gemeinschaft, Freiheit, Lebensfreude und das Gefühl, willkommen zu sein. Genau das machte die GMF über Jahrzehnte hinweg so besonders.
Doch die GMF Party war nur ein Teil seines Wirkens. Weniger bekannt ist, dass Bob Young auch an zahlreichen weiteren Projekten beteiligt war. Ob Dachterrassen-Locations, Gastronomie oder Bars – immer wieder brachte er neue Ideen in die Berliner Szene ein und hinterließ auch dort seine Handschrift. Sein Einfluss reichte weit über die Tanzfläche hinaus.
In einem Interview anlässlich von 15 Jahren GMF beschrieb Bob Young selbst, wie wichtig ihm die Menschen waren, die ihn auf diesem Weg begleitet hatten. Die vielen Gäste, Freunde, Mitarbeiter und Weggefährten seien für ihn das Herzstück seiner Arbeit gewesen. Besonders stolz war er darauf, Teil einer Kultur zu sein, die für Akzeptanz, Respekt und Sichtbarkeit steht.
Für viele Menschen war die GMF Party ein Stück Zuhause. Dort wurden Freundschaften geschlossen, Beziehungen begonnen und unzählige Erinnerungen geschaffen. Die Nächte, die Bob Young möglich machte, werden vielen für immer im Gedächtnis bleiben.
Mit seinem Tod verliert Berlin eine prägende Persönlichkeit der queeren Clubkultur. Sein Vermächtnis lebt in den Erinnerungen der Menschen weiter, die mit ihm gefeiert, gearbeitet und gelacht haben.
Bob Young möge in Frieden ruhen.
R.I.P. Bob Young
Radio QueerLive
Foto: Jack SuperZandy 2015
