+++ Entsetzen nach mutmaßlichem Anschlag auf queeres Wohnprojekt in Cottbus +++

Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf das alternative Wohn- und Kulturprojekt „Zelle 79“ in Cottbus haben Politik und Zivilgesellschaft den Vorfall scharf verurteilt. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich erschüttert. Der Vorfall habe ihn „entsetzt und fassungslos gemacht“, erklärte Woidke. Zugleich betonte er, dass die Landesregierung weiterhin konsequent gegen Rechtsextremismus vorgehen werde. „Die Landesregierung wird weiterhin klare Kante gegen rechte Gewalt zeigen. Solche Taten müssen mit aller Härte bestraft werden“, so der Ministerpräsident.

Auch Cottbus‘ Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) sicherte den Betroffenen seine Unterstützung zu. Nach Angaben der Initiative „Sichere Orte Südbrandenburg“ telefonierte er am Donnerstag mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses. Die Initiative fordert angesichts der jüngsten Vorfälle die Einrichtung eines festen Standorts der Opferperspektive in Cottbus. Die Beratungsstelle unterstützt Betroffene rassistischer, antisemitischer und rechter Gewalt. Für die Umsetzung wäre das Land Brandenburg zuständig.

Als Zeichen der Solidarität hat die Initiative für Donnerstagabend eine Mahnwache angekündigt.

Die Bewohner der „Zelle 79“ sowie die Initiative „Sichere Orte Südbrandenburg“ vermuten einen Zusammenhang zwischen den Angriffen und den derzeit laufenden CSD-Aktionswochen in Cottbus. An dem Gebäude waren ein CSD-Plakat sowie eine Regenbogenflagge angebracht. Lukas Pellio, Sprecher der Initiative, bezeichnete den Vorfall als „Angriff auf queeres Leben in Cottbus“.

Trotz der erneuten Attacke zeigen sich die Bewohner entschlossen. Nach eigenen Angaben wollen sie sich nicht einschüchtern lassen. Gemeinsam mit zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern wollen sie am 11. Juli am Christopher Street Day (CSD) in Cottbus teilnehmen und ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Sichtbarkeit setzen.

Der Vorfall reiht sich in eine Serie rechtsextrem motivierter Straftaten in der Stadt ein. Bereits vor einem Jahr war während des CSD ein Anschlag auf das Regenbogenkombinat verübt worden, einen queeren Treffpunkt und Beratungsort in Cottbus. Auch die „Zelle 79“ war in den vergangenen Monaten mehrfach Ziel von Angriffen. Darüber hinaus registrierten die Behörden wiederholt rechtsextreme Schmierereien, darunter ein Hakenkreuz an der Cottbuser Synagoge.

Die Ermittlungen zu den aktuellen Vorfällen dauern an.

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News Redaktion