+++ Warum steht das „L“ in LGBT an erster Stelle? +++

Wer die Abkürzung LGBT oder LGBTQ+ liest, stellt sich gelegentlich die Frage, warum das „L“ für „Lesbian“ an erster Stelle steht und nicht das „G“ für „Gay“. Die Antwort darauf liegt nicht in einer Rangordnung innerhalb der Gemeinschaft, sondern in einem wichtigen Kapitel der Zeitgeschichte – der HIV/AIDS-Krise der 1980er Jahre.

Als sich Anfang der 1980er Jahre die damals noch weitgehend unbekannte Krankheit AIDS ausbreitete, waren vor allem schwule Männer betroffen. Die gesellschaftliche Reaktion war vielerorts geprägt von Angst, Vorurteilen und Ausgrenzung. Erkrankte Menschen wurden häufig stigmatisiert, verloren Arbeitsplätze, Wohnungen oder den Kontakt zu ihren Familien. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen herrschte teilweise Unsicherheit über Ansteckungswege, und nicht selten wurden Betroffene isoliert behandelt.

In dieser schwierigen Zeit übernahmen viele lesbische Frauen eine Rolle, die bis heute als ein bedeutender Ausdruck von Solidarität innerhalb der LGBTQ+-Bewegung gilt. Zahlreiche Lesben engagierten sich als Freiwillige in Krankenhäusern, Hospizen und Selbsthilfeorganisationen. Sie begleiteten Erkrankte zu Arztterminen, leisteten Pflegearbeit, organisierten Hilfsnetzwerke, sammelten Spenden und standen Menschen bei, die von ihrem sozialen Umfeld verlassen worden waren.

Historikerinnen und Historiker weisen darauf hin, dass dieses Engagement nicht nur praktische Hilfe bedeutete. Es half auch dabei, Brücken zwischen verschiedenen Teilen der Community und Gemeinschaft zu schlagen. Während zuvor lesbische Frauen und schwule Männer teilweise in getrennten politischen und sozialen Strukturen organisiert waren, führte die gemeinsame Bewältigung der AIDS-Krise vielerorts zu einer engeren Zusammenarbeit.

Vor diesem Hintergrund begannen zahlreiche Organisationen in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren, die bis dahin verbreitete Reihenfolge „GLBT“ in „LGBT“ zu ändern. Das vorangestellte „L“ wurde von vielen als symbolische Anerkennung des außergewöhnlichen Einsatzes lesbischer Frauen verstanden. Es sollte sichtbar machen, dass die Geschichte der Bewegung nicht allein von den unmittelbar Betroffenen der Epidemie geschrieben wurde, sondern auch von denjenigen, die Verantwortung übernahmen, als Unterstützung dringend benötigt wurde.

Dabei ist wichtig zu betonen, dass es keine einzelne Entscheidung oder zentrale Instanz gab, die diese Reihenfolge festlegte. Vielmehr setzte sich die Schreibweise „LGBT“ schrittweise durch, weil sie von vielen Organisationen, Aktivistinnen und Aktivisten als angemessene Würdigung dieser historischen Erfahrung angesehen wurde.

Heute ist die Geschichte der HIV/AIDS-Krise ein wesentlicher Bestandteil der Erinnerungskultur der LGBTQ+-Bewegung. Das „L“ am Anfang von LGBT erinnert deshalb für viele Menschen nicht nur an lesbische Identität, sondern auch an Solidarität, Fürsorge und den Einsatz für Menschen in einer Zeit, in der Angst und Ausgrenzung weit verbreitet waren.

Die Reihenfolge der Buchstaben mag auf den ersten Blick nebensächlich erscheinen. Doch hinter ihr verbirgt sich eine Geschichte von Mitmenschlichkeit und Zusammenhalt – und die Erinnerung daran, dass gesellschaftlicher Fortschritt oft durch Menschen möglich wird, die bereit sind, füreinander einzustehen.

Danke, liebe L’s

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News Redaktion