Die US-amerikanische Aktivistin Victoria Cruz ist im Alter von 79 Jahren nach einer Krebserkrankung verstorben. Mit ihrem jahrzehntelangen Einsatz für die Rechte von LGBTQ+-Menschen, insbesondere für transsexuelle und transidente Menschen sowie für Opfer von Gewalt und Diskriminierung, hinterlässt sie ein bedeutendes Vermächtnis innerhalb der Bürgerrechtsbewegung.
Victoria Cruz gehörte zu den Zeitzeuginnen des historischen Stonewall-Aufstands im Jahr 1969 in New York. Die Proteste gegen Polizeigewalt und Ausgrenzung gelten bis heute als Wendepunkt und Ausgangspunkt der modernen Bewegung für die Gleichberechtigung homosexueller, bisexueller und transsexueller Menschen. Obwohl Cruz nie die öffentliche Bekanntheit von Aktivistinnen wie Marsha P. Johnson oder Sylvia Rivera erreichte, entwickelte sie sich über die Jahrzehnte zu einer hoch angesehenen Persönlichkeit innerhalb der New Yorker Community.
Besonders prägend war ihre Arbeit für das New York City Anti-Violence Project, bei dem sie 17 Jahre lang tätig war. Dort unterstützte sie Menschen aus der LGBTQ+-Gemeinschaft, die Opfer von Gewalt, Diskriminierung oder Missbrauch geworden waren. Als selbst Betroffene von Anfeindungen und Übergriffen verstand sie die Herausforderungen ihrer Klientinnen und Klienten aus eigener Erfahrung. Sie half ihnen dabei, rechtliche Schritte einzuleiten, Unterstützungsangebote zu finden und neue Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln.
Innerhalb der Community war Cruz vielen schlicht als „Miss Vicky“ bekannt. Kolleginnen und Kollegen beschrieben sie als eine Vertrauensperson, deren Empathie und Authentizität Menschen oft mehr Halt gaben als jede institutionelle Hilfe. Ihr Engagement beruhte auf der Überzeugung, dass Mitgefühl und Verständnis die Grundlage wirksamer Unterstützung sind.
Auch über ihre direkte Beratungsarbeit hinaus setzte Victoria Cruz wichtige Impulse. Internationale Aufmerksamkeit erhielt sie durch ihre Mitwirkung an dem 2017 veröffentlichten Dokumentarfilm The Death and Life of Marsha P. Johnson. Darin wurde ihre beharrliche Untersuchung der ungeklärten Todesumstände der Bürgerrechtsaktivistin Marsha P. Johnson dokumentiert. Für ihren Einsatz zugunsten von Gewaltopfern wurde Cruz bereits 2012 vom US-Justizministerium mit dem National Crime Victims‘ Service Award ausgezeichnet.
In einem Interview aus dem Jahr 2022 erklärte sie die Motivation hinter ihrem lebenslangen Engagement mit einfachen, aber eindringlichen Worten: „Wenn man die Empathie besitzt, anderen zu helfen, ist das schon die halbe Miete. Einfach Empathie zu haben und ihnen zu zeigen, dass man da ist, um ihnen zu helfen und nicht, um sie zu verurteilen.“
Mit dem Tod von Victoria Cruz verliert die LGBTQ+-Bewegung eine ihrer stillen, aber wirkungsvollsten Stimmen. Ihr Lebenswerk steht für Solidarität, Widerstandskraft und Menschlichkeit. Die Spuren ihres Engagements werden in den Geschichten und Lebenswegen der vielen Menschen weiterleben, denen sie Hoffnung, Unterstützung und Würde geschenkt hat.
Sie möge in Frieden ruhen.
Radio QueerLive
News Redaktion
