+++ Wenn Regenbogen zu Erbrochenem und Fäkalien werden +++

Firmenfahrzeug sorgt für Entsetzen

Manchmal braucht es keine langen politischen Reden, keine Kommentare in sozialen Netzwerken und keine Demonstration, um eine Botschaft zu vermitteln. Manchmal reicht die Rückseite eines Firmenfahrzeugs.

Ein Foto, das uns vorliegt, zeigt einen schwarzen Transporter eines Sanierungsunternehmens. Auf den ersten Blick könnte man eine gewöhnliche Firmenwerbung erwarten: Firmenname, Leistungen, Telefonnummer und Internetadresse. Doch im unteren Bereich der Fahrzeugbeschriftung findet sich eine Bildsprache, die Fragen aufwirft – und die aus unserer Sicht nicht einfach kommentarlos hingenommen werden sollte.

Über mehreren Abbildungen steht der Satz: „WIR KORRIGIEREN DIE FARBEN DER KUNTERBUNTEN WELT“.

Was mit dieser „Korrektur“ gemeint sein könnte, wird unmittelbar darunter bildlich dargestellt.

Zu sehen ist unter anderem ein regenbogenfarbenes Stoppschild. Daneben findet sich eine Darstellung mit Regenbogenfarben und schwarzen Figuren beziehungsweise Linien. Besonders drastisch wird die Bildsprache anschließend: Eine menschliche Silhouette scheint Regenbogenfarben zu erbrechen.

Und damit nicht genug.

Auf der rechten Seite ist ein regenbogenfarbener Kothaufen dargestellt. Darüber befindet sich ein Schriftzug, der auf dem uns vorliegenden Foto als „Regenbogen Kacke“ zu lesen ist.

Natürlich darf man den Regenbogen kritisieren. Man darf politische Bewegungen kritisieren, gesellschaftliche Entwicklungen hinterfragen und selbstverständlich darf man auch mit den Forderungen der LGBTQ+-Community nicht einverstanden sein. Meinungsfreiheit bedeutet ausdrücklich auch, Meinungen auszuhalten, die einem selbst nicht gefallen.

Doch Meinungsfreiheit bedeutet ebenso, dass eine öffentlich verbreitete Botschaft öffentlich kritisiert werden darf.

Und genau deshalb muss die Frage erlaubt sein: Welche Botschaft möchte ein Unternehmen vermitteln, wenn es Regenbogensymbolik mit Erbrechen und Fäkalien verbindet und gleichzeitig davon spricht, die Farben einer „kunterbunten Welt“ korrigieren zu wollen?

Der Regenbogen ist längst mehr als irgendeine bunte Farbfolge. Für viele lesbische, schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche und andere Menschen steht er für Sichtbarkeit, Akzeptanz und die Möglichkeit, ohne Angst verschieden sein zu dürfen.

Wer dieses Symbol bildlich erbrechen lässt oder mit einem Kothaufen verbindet, muss deshalb damit rechnen, dass Menschen diese Darstellung als Herabwürdigung ihrer Community verstehen.

Besonders bemerkenswert ist, dass wir hier nicht über einen anonymen Social-Media-Account sprechen. Die Darstellungen befinden sich gut sichtbar auf einem Firmenfahrzeug – gemeinsam mit dem Namen, den Kontaktdaten und der Werbung eines Unternehmens.

Ein Firmenwagen ist schließlich eine fahrende Visitenkarte.

Normalerweise möchte ein Unternehmen damit sagen: Das sind wir. Dafür stehen wir. Das bieten wir unseren Kundinnen und Kunden an.

Und deshalb stellt sich auch eine wirtschaftliche Frage: Wissen potenzielle Kunden eigentlich, mit welcher öffentlichen Botschaft dieses Unternehmen unterwegs ist?

Jeder Mensch kann selbst entscheiden, welchem Unternehmen er einen Auftrag erteilt und wo er sein Geld ausgibt. Genauso haben Unternehmen das Recht, sich gesellschaftlich oder politisch zu positionieren. Aber dann müssen sie auch damit leben, dass Verbraucher diese Positionierung bei ihrer Entscheidung berücksichtigen.

Gerade in einer Zeit, in der immer wieder über Anfeindungen und Gewalt gegenüber Menschen aus der LGBTQ+-Community berichtet wird, sollte außerdem darüber gesprochen werden, welche Wirkung solche Darstellungen im öffentlichen Raum entfalten.

Man kann über Regenbogenflaggen streiten.
Man kann über Pride diskutieren.
Man kann Forderungen der Community ablehnen.

Aber wenn aus einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung eine Bildsprache wird, in der der Regenbogen erbrochen und mit Fäkalien verbunden wird, dann dürfen wir auch sehr deutlich sagen:

Das ist keine Werbung, bei der wir einfach wegschauen sollten.

Denn wer seine Haltung öffentlich auf ein Firmenfahrzeug druckt, bringt diese Haltung bewusst in den öffentlichen Raum.

Und Öffentlichkeit bedeutet eben auch Widerspruch.

Radio QueerLive
News Redaktion