+++ Filmtipp+++Zwischen Begehren und Verantwortung: „Love Me Tender“

Spätsommer in Paris – eine Stadt, die seit jeher Projektionsfläche für Sehnsucht, Neuanfang und Selbstentwürfe ist. In genau diesem Spannungsfeld verortet Regisseurin Anna Cazenave Cambet ihren zweiten Spielfilm „Love Me Tender“, eine ebenso intime wie kompromisslose Auseinandersetzung mit weiblicher Selbstbestimmung, Mutterschaft und gesellschaftlichen Normen.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Constance Debré entfaltet der Film ein Drama, das weniger Antworten liefert als vielmehr die richtigen Fragen stellt.
Im Zentrum steht Clémence, eindringlich verkörpert von Vicky Krieps. Einst erfolgreiche Anwältin, nun angehende Schriftstellerin, beginnt sie ihr Leben radikal neu zu denken – auch in ihrer Sexualität. Ihre Beziehungen zu Frauen sind kein bloßer Akt der Rebellion, sondern Ausdruck einer lange unterdrückten Wahrheit. Doch diese neu gewonnene Freiheit hat Konsequenzen: Als ihr Noch-Ehemann Laurent von ihrem Lebenswandel erfährt, eskaliert die Situation. Er entzieht ihr den gemeinsamen Sohn Paul und stellt ihre Eignung als Mutter infrage.

Was folgt, ist ein erbitterter Sorgerechtsstreit, der weit über juristische Fragen hinausgeht. „Love Me Tender“ legt offen, wie schnell weibliche Autonomie – insbesondere in Verbindung mit nicht-heteronormativen Lebensentwürfen – gesellschaftlich sanktioniert wird.
Clémence wird nicht nur vor Gericht beurteilt, sondern auch moralisch: als Frau, als Mutter, als Individuum.
Dabei gelingt es Cazenave Cambet, jede Form von Simplifizierung zu vermeiden. Clémence ist keine makellose Heldin. Sie ist widersprüchlich, verletzlich, manchmal rücksichtslos – und gerade darin zutiefst menschlich.

Der Film stellt unbequeme Fragen: Muss Mutterschaft mit Selbstaufgabe einhergehen? Wie viel Freiheit „verträgt“ ein Kind? Und wer bestimmt überhaupt die Regeln?
Visuell bleibt der Film nah an seiner Protagonistin. Die Kamera beobachtet, statt zu urteilen, und schafft so eine fast dokumentarische Intimität. Paris erscheint dabei nicht als romantische Kulisse, sondern als realer, manchmal kühler Raum, in dem sich persönliche Dramen unaufhaltsam entfalten.

Besonders hervorzuheben ist die Leistung von Vicky Krieps, die einmal mehr ihre außergewöhnliche Präsenz unter Beweis stellt. Bekannt geworden durch internationale Produktionen wie „Der seidene Faden“, beweist sie hier erneut ihre Fähigkeit, innere Konflikte mit minimalen Gesten sichtbar zu machen. Ihr Spiel ist furchtlos, präzise und von einer seltenen emotionalen Offenheit getragen.

„Love Me Tender“, der bereits beim Filmfestival von Cannes Aufmerksamkeit erregte, ist kein Film, der sich dem Publikum anbiedert. Er fordert heraus, provoziert und bleibt lange nach dem Abspann im Kopf. Gerade in seiner Weigerung, klare Lösungen anzubieten, liegt seine Stärke.

Am Ende steht keine einfache Entscheidung, sondern ein Zustand der Ungewissheit – und vielleicht auch eine Form von Freiheit. Denn „Love Me Tender“ erinnert daran, dass Selbstbestimmung immer auch mit Verlust einhergehen kann. Die Frage ist nur: Welchen Preis ist man bereit zu zahlen?

Mit Kinostart am 7. Mai 2026 dürfte dieser Film nicht nur cineastisch, sondern auch gesellschaftlich für Gesprächsstoff sorgen. Ein Werk, das den Mut hat, ambivalent zu sein – und genau deshalb so relevant ist.

In über 50 Städten könnt ihr den Film während queerer Filmnächte erleben.

In Berlin könnt ihr ab Mitte April den Film bereits sehen im Delphi LUX sowie im Union Kino in Friedrichshagen.

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Filmtipp

Und hier sind alle Termine für die queeren Filmabende im April, vielleicht ist deine Stadt ja mit dabei.

Aachen
Apollo Kino & Bar

9.4.

Bamberg
Odeon

Di., 14.4.

Berlin
Casablanca

Di., 21.4., 20.30 Uhr / So., 26.4., 17.45 Uhr / Mo., 27.4., 20.30 Uhr

delphi LUX

Mi., 15.4., 21 Uhr

Union

Mi., 15.4., 20 Uhr

Bielefeld
Kamera

Mi., 8.4., 19 Uhr

Bochum
endstation.kino

Di., 7.4., 20 Uhr

Bremen
City 46

Fr., 24.4., 20 Uhr

Dessau
Kiez Kino

Mo., 13.4., 20 Uhr

Dortmund
Kino im u

Mi., 01.4., 18 Uhr

Dresden
Zentralkino

Mo., 20.4., 20.15 Uhr

Duisburg
Filmforum

Mo., 20.4., 20.30 Uhr

Düsseldorf
Bambi

So., 5.4., 14 Uhr

Essen
Astra Theater

Mi., 15.4., 20 Uhr

Esslingen
Koki

Fr., 10.4., 21.30 Uhr

Flensburg
51 Stufen

Mi., 15.4.

Frankfurt am Main
Mal Seh’n Kino

Mi., 15.04., 19.30 Uhr

Freiburg im Breisgau
Kandelhof

So., 19.4.

Gelnhausen
Pali/Casino

Mi., 8.4., 18 Uhr

Gelsenkirchen
Die Flora

Do., 16.4., 19 Uhr

Halle
Zazie Kino & Bar

Di., 21.4., 21 Uhr

Hamburg
Metropolis

Am Mo., 27.4., 21.15 Uhr

Hannover
Apollo

Mo., 20.4. 20.15 Uhr

Heidelberg
Karlstorkino

Mo., 6.4., 20.30 Uhr

Jena
Kino am Markt

Do., 16.4., 18 Uhr

Karlsruhe
Schauburg

Mi., 29.4., 19 Uhr

Kiel
Kommunales Kino in der Pumpe

Mo., 27.4.

Köln
Filmpalette

Di., 14.4., 21 Uhr

Lüneburg
Scala Programmkino

Fr., 24.4., 21.15 Uhr

Magdeburg
Moritzhof

So., 26.4., 19.30 Uhr

München
Arena Filmtheater

Mi., 8.4.

Münster
Cinema

Mo., 13.4., 20.30 Uhr

Neustrelitz
Movie Star

Mo., 27.4.

Nürnberg
Casablanca

Mo., 13.4., 20.30 Uhr

Oberhausen
Lichtburg

Mi., 15.4.

Parchim
Movie Star

Mo., 20.4., 18 Uhr

Pfaffenhofen
Cinequeer

Sa., 11.4., 19 Uhr

Quedlingburg
Studiokino Eisenstein

Mi., 1.4., 20.15 Uhr

Regensburg
Wintergarten

Do., 16.4., 20 Uhr

Rottweil
Central

Di., 14.4.

Steinfurt
Kino Eule

Mo., 13.4.

Stuttgart
Delphi

Mi., 29.4.

Tübingen
Kino Atelier

Do., 2.4.

Willich
Lichtspieltheater

Mo., 13.4., 19.30 Uhr

Würzburg
Central

Mo., 27.4., 20.30 Uhr