Das wichtigste Hilfsangebot bleibt aussen vor
Vor rund einem Jahr sorgte die Regierung von Donald Trump für heftige Kritik, als sie die speziell auf LGBTI+-Jugendliche ausgerichtete Option der nationalen US-Suizid-Hotline abschaffte. Nun folgt überraschend die Kehrtwende: Wie die US-Regierung bestätigt, soll das Angebot noch vor Ende des Jahres zurückkehren. Doch trotz der positiven Nachricht gibt es einen entscheidenden Haken.
Gerade in psychischen Krisensituationen zählt jede Minute. Für viele junge Menschen kann der möglichst einfache Zugang zu professioneller Hilfe lebensrettend sein. Genau diese Möglichkeit wurde queeren Jugendlichen im vergangenen Jahr genommen, als die Trump-Regierung im Zuge ihres kulturpolitischen Kurses die spezielle LGBTI+-Option der nationalen 988-Suizid-Hotline strich.
Die 988 ist die landesweite Notfallnummer für Menschen in suizidalen Krisen. Bis zur Abschaffung konnten Anrufende über die Taste „3“ direkt mit speziell für die Beratung von LGBTI+-Jugendlichen geschulten Fachpersonen verbunden werden. Alternativ bestand die Möglichkeit, per SMS mit dem Stichwort „PRIDE“ einen Chat mit entsprechend ausgebildeten Berater:innen zu starten.
Kongress stellt neue Millionen bereit
Nun zeichnet sich eine Wende ab. Der US-Kongress hat 33 Millionen US-Dollar für Krisenangebote für LGBTI+-Jugendliche bewilligt. Damit soll die spezialisierte Beratung innerhalb der 988-Hotline wieder aufgebaut werden – möglicherweise bereits vor Ende des Jahres.
Doch die Freude über die Rückkehr des Angebots wird von erheblicher Kritik überschattet.
Trevor Project soll ausgeschlossen bleiben
Ausgerechnet das Trevor Project, die wohl bekannteste Organisation für Suizidprävention unter queeren Jugendlichen in den USA, soll von der Neuauflage ausgeschlossen werden. Dabei war es das Trevor Project, das die Einführung der „Option 3“ massgeblich vorangetrieben und seit ihrem Start im Jahr 2022 den Grossteil der Anrufe betreut hatte.
Grund dafür sind neue politische und rechtliche Vorgaben, die von der Trump-Regierung eingeführt wurden. Organisationen, die sich künftig am Programm beteiligen wollen, müssen unter anderem die Anti-Transgender-Richtlinien der Regierung aus dem Jahr 2025 einhalten.
Hinzu kommt eine weitere Hürde: Bewerben dürfen sich ausschliesslich Organisationen, die derzeit aktive Mitglieder des 988-Netzwerks sind. Genau dies trifft auf das Trevor Project nicht mehr zu – denn die Organisation musste ihre Tätigkeit innerhalb des Netzwerks einstellen, nachdem die Regierung die „Option 3“ im vergangenen Jahr abgeschafft hatte.
Kritiker:innen sprechen deshalb von einem Ausschluss durch die Hintertür. Ausgerechnet jene Organisation mit der grössten Erfahrung und Expertise im Bereich der Krisenintervention für queere Jugendliche wäre damit von der Neuauflage ausgeschlossen.
Kritik an politischer Einflussnahme
In einer Stellungnahme warnt das Trevor Project, dass der Ausschluss der Organisation auf ein grundsätzlicheres Problem hinweise. Die geplante Neuauflage schliesse transgeschlechtliche und nicht-binäre Jugendliche faktisch aus und senke damit die bisherigen fachlichen Standards in der Betreuung besonders gefährdeter Gruppen.
Jaymes Black, CEO des Trevor Project, kritisiert die politische Einflussnahme deutlich. Suizidprävention müsse sich ausschliesslich an wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Bedürfnissen von Menschen in Krisen orientieren – nicht an politischen Ideologien.
Hilfe bleibt bestehen
Ungeachtet der politischen Entwicklungen betont das Trevor Project, dass die Unterstützung für queere Jugendliche uneingeschränkt weitergeführt werde. Die Organisation betreibt weiterhin rund um die Uhr eine eigene Krisen-Hotline sowie Chat- und SMS-Angebote und steht sowohl Betroffenen als auch Institutionen mit spezialisierter Beratung zur Verfügung.
Allerdings fehlt diesem Angebot ein entscheidender Vorteil: Anders als die landesweit bekannte 988 verfügt das Trevor Project nicht über eine leicht einprägsame dreistellige Notrufnummer und ist auch nicht Bestandteil der offiziellen nationalen Kampagnen zur Suizidprävention.
Wie bedeutend die Arbeit der Organisation ist, zeigen die Zahlen: Während der drei Jahre, in denen die spezialisierte LGBTI+-Beratung Teil der 988-Hotline war, gingen rund 1,6 Millionen Hilferufe ein. Etwa die Hälfte davon wurde vom Trevor Project betreut – ein eindrücklicher Beleg für die zentrale Rolle der Organisation in der Suizidprävention queerer Jugendlicher.
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