🏳️‍🌈🏳️‍🌈🏳️‍🌈 Erster CSD in Prenzlau: Für Trixi wurde der Regenbogen zu einer Reise in die eigene Vergangenheit 🏳️‍🌈🏳️‍🌈🏳️‍🌈

Am Samstag, dem 10. Oktober 2026, wurde in Prenzlau Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal zog ein Christopher Street Day durch die brandenburgische Stadt in der Uckermark. Organisiert wurde die Veranstaltung vom CSD Uckermark e. V., einem Verein, der erst 2026 gegründet wurde und bereits in Angermünde und Schwedt für queere Sichtbarkeit gesorgt hatte.

Auch aus Berlin waren zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer angereist. Einige kamen mit der Bahn, andere mit dem Auto. Sie alle wollten ein Zeichen für Vielfalt, Akzeptanz und die Rechte queerer Menschen setzen. Doch für eine Teilnehmerin war dieser Tag weit mehr als eine Demonstration.

Für Trixi von heute wurde der erste CSD in Prenzlau zu einer emotionalen Reise in die eigene Vergangenheit.

Gemeinsam mit sechs Freundinnen und Freunden war sie angereist, um die Regenbogenfahne durch die Straßen der Stadt zu tragen. Durch Straßen, die sie aus ihrer Jugend kennt. Straßen, die Erinnerungen wachrufen, von denen viele alles andere als schön sind.

Prenzlau ist für Trixi ein Ort voller Widersprüche. Hier erlebte sie Ablehnung durch Teile ihrer eigenen Familie. Hier musste sie in einem Heim Misshandlungen erfahren. Es war eine Jugend, in der sie nicht die Geborgenheit und Unterstützung bekam, die ein junger Mensch gerade in einer solchen Lebensphase dringend benötigt.

Und dennoch war Prenzlau auch der Ort, an dem sie zu sich selbst fand. Der Ort ihres Coming-outs. Der Ort, an dem sie begann, ihre eigene Identität zu erkennen und ihren Weg zu gehen.

Eine Person stand damals an ihrer Seite: ihre Großmutter.

Sie war der Mensch, mit dem Trixi über alles sprechen konnte. Bei ihr fand sie Verständnis, Vertrauen und den Halt, den ihr andere verweigerten. Während Teile ihrer Familie sie ablehnten, gab ihre Großmutter ihr das Gefühl, nicht allein zu sein.

Viele Jahre später kehrte Trixi zurück. Nicht, um sich zu verstecken. Nicht, um den Blicken anderer auszuweichen. Sondern um sichtbar und stolz mit der Regenbogenfahne durch Prenzlau zu gehen.

Besonders bewegend: Auch Angehörige jenes Teils ihrer Familie, der sie bereits in ihrer Jugend abgelehnt hatte, standen am Rand der Demonstration.

Was mag in einem Menschen vorgehen, wenn er nach all den Jahren mit einer Regenbogenfahne an jenen Menschen vorbeizieht, von denen er einst Ablehnung erfahren hat?

Für Trixi war dieser Tag deshalb auch ein Stück persönliche Aufarbeitung.

Nach dem CSD trafen wir sie und sprachen mit ihr über ihre Eindrücke und Gefühle. Dabei machte sie deutlich, warum ihr die Teilnahme so wichtig war.

Sinngemäß sagte sie uns: Wenn sie mit ihrer Teilnahme auch nur einem einzigen jungen Menschen helfen könne, der sich in einer ähnlichen Situation befinde wie sie damals, dann habe es sich gelohnt, die Regenbogenfahne durch Prenzlau zu tragen.

Ein Satz, der zeigt, worum es bei einem Christopher Street Day tatsächlich geht.

Gerade in kleineren Städten ist ein CSD weit mehr als eine bunte Demonstration.

In Metropolen wie Berlin, Hamburg oder Köln gehören Regenbogenfahnen, queere Treffpunkte und große Pride-Veranstaltungen längst zum Stadtbild. Doch in kleineren Städten und ländlichen Regionen sieht die Lebenswirklichkeit queerer Menschen häufig anders aus.

Dort, wo jeder jeden kennt, kann ein Coming-out besonders viel Mut erfordern. Wo queere Beratungsstellen, Jugendgruppen oder Treffpunkte fehlen, fühlen sich junge Menschen mit ihren Fragen und Ängsten möglicherweise vollkommen allein. Und wo gesellschaftliche Vorurteile noch immer den Alltag prägen, kann bereits das offene Zeigen einer Regenbogenfahne zu einer Herausforderung werden.

Genau deshalb sind CSDs in Städten wie Prenzlau, Angermünde oder Schwedt so wichtig.

Sie zeigen jungen Menschen, dass sie nicht allein sind. Dass es andere gibt, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Menschen, die verstehen, wie es sich anfühlt, abgelehnt zu werden, und die gleichzeitig zeigen, dass ein selbstbestimmtes und glückliches Leben möglich ist.

Ein CSD kann keine schwierige Kindheit ungeschehen machen. Er kann erlittene Verletzungen nicht einfach auslöschen. Aber er kann Mut machen, Hoffnung geben und Menschen zusammenbringen.

Und manchmal kann eine Regenbogenfahne, die durch eine kleine Stadt getragen wird, für einen jungen Menschen am Straßenrand mehr bedeuten als tausend gut gemeinte Worte.

Für Trixi schloss sich am 10. Oktober in Prenzlau ein Kreis.

Aus dem jungen Menschen, der einst Ablehnung erfahren musste und bei seiner Großmutter Zuflucht fand, ist ein Mensch geworden, der anderen Mut machen möchte.

Sie kehrte an einen Ort zurück, der ihr einst Schmerzen zugefügt hatte. Doch diesmal ging sie nicht allein. Sechs Freundinnen und Freunde begleiteten sie, und mit ihr zogen Menschen durch Prenzlau, die für Akzeptanz und ein selbstbestimmtes Leben einstehen.

Vielleicht stand irgendwo am Straßenrand tatsächlich ein junger Mensch, der sich selbst noch nicht gefunden hat. Der Angst vor seinem Coming-out hat. Der sich fragt, ob er jemals so leben darf, wie er wirklich ist.

Vielleicht hat dieser junge Mensch Trixi mit ihrer Regenbogenfahne gesehen.

Und vielleicht war genau das der Augenblick, in dem aus Angst ein kleines Stück Hoffnung wurde.

Dann hätte dieser erste CSD in Prenzlau bereits etwas ganz Großes erreicht.

Radio QueerLive bedankt sich bei allen Menschen, die diesen ersten CSD möglich gemacht haben, bei den Organisatorinnen und Organisatoren des CSD Uckermark e. V. und bei allen, die aus nah und fern angereist waren.

Und ganz besonders bei Trixi, die uns an ihrer persönlichen Geschichte und ihren Gefühlen teilhaben ließ.

Denn hinter jeder Regenbogenfahne kann eine Lebensgeschichte stehen, die es verdient, gehört zu werden.

Radio QueerLive
Die Redaktion