Es gibt Nachrichten, bei denen man sich fragt, ob die Welt eigentlich keine anderen Probleme hat. In der nordrhein-westfälischen Stadt Dülmen sorgt derzeit ein Regenbogen für reichlich Gesprächsstoff. Und nein, wir sprechen nicht von einem Regenbogen nach einem Regenschauer, sondern von einer bunten Metallkonstruktion an der Overbergstraße. Was für die einen ein schönes Wahrzeichen ist, scheint für andere beinahe den Untergang des Abendlandes einzuläuten.
Dabei ist die Geschichte eigentlich ganz harmlos. Der Regenbogen steht dort bereits seit Jahrzehnten und gehört zum angrenzenden Regenbogenspielplatz. Im November 2025 musste er wegen umfangreicher Straßenbauarbeiten für die neue, erweiterte Fahrradstraße vorübergehend weichen. Gleichzeitig waren Schäden am Fundament festgestellt worden. Nun wurde die Konstruktion überarbeitet und wieder aufgestellt.
Eigentlich eine erfreuliche Nachricht. Doch wer glaubt, dass sich darüber alle freuen, hat die Rechnung ohne die Kommentarspalte bei Facebook gemacht.
„Rausgeschmissenes Geld aber das kann die Stadt ja gut!“, empört sich eine Nutzerin. Ein anderer Kommentator wird noch deutlicher: „Immer und immer wieder diese aufgezwungene Scheiße…“ Und während andernorts über Wohnungsnot, steigende Lebenshaltungskosten oder marode Infrastruktur diskutiert wird, fordert ein weiterer Nutzer angesichts einiger bunter Metallrohre kurzerhand: „Sofort Abreißen“.
Besonders bemerkenswert ist die Behauptung, der Regenbogen werde den Menschen regelrecht aufgezwungen. Man könnte fast meinen, die Stadt Dülmen habe beschlossen, sämtliche Einwohner künftig täglich unter dem Regenbogen hindurchmarschieren zu lassen. Natürlich unter behördlicher Aufsicht und mit verpflichtendem Lächeln.
Auch das Wort „Vielfalt“ scheint bei manchen Menschen inzwischen regelrechte Abwehrreaktionen auszulösen. Eine Kommentatorin bezeichnet die Konstruktion als „aufgezwungenen Schwachfug“ und erklärt, die meisten Menschen könnten das Wort Vielfalt nicht mehr hören.
Dabei wird in der Diskussion gerne übersehen, dass der Regenbogen keineswegs erst gestern als politisches Symbol aufgestellt wurde. Er gehört seit Jahrzehnten zum Stadtbild und ist für viele Menschen schlicht eine schöne Kindheitserinnerung.
Zum Glück gibt es aber auch zahlreiche positive Reaktionen. Eine Nutzerin erinnert sich daran, wie sehr sie sich bereits als Kind über den Regenbogen gefreut habe. Sie fragt sich, wie viel Unzufriedenheit, Verbitterung und Wut in Menschen stecken müsse, um sich über einen jahrzehntealten Regenbogen neben einem Kinderspielplatz derart aufzuregen.
Ein anderer Kommentator bringt es auf den Punkt: „Ich finde den Regenbogen schön! Die Kinder finden den Regenbogen schön.“ Und ein weiterer sieht darin ein Zeichen für Freiheit, Vielfalt, selbstbestimmtes Leben und Toleranz.
Natürlich darf man darüber diskutieren, wofür eine Stadt Geld ausgibt. Auch öffentliche Kunst und ihre Kosten dürfen kritisch hinterfragt werden. Doch zwischen sachlicher Kritik an kommunalen Ausgaben und der Forderung, einen jahrzehntealten Regenbogen sofort abzureißen, liegen Welten.
Besonders interessant ist, wie schnell manche Menschen bei einem Regenbogen offenbar ausschließlich an die queere Community denken. Dabei ist der Regenbogen zunächst einmal ein Naturphänomen, das seit Jahrhunderten für Hoffnung, Frieden und Zuversicht steht. Dass er heute auch ein wichtiges Symbol queerer Sichtbarkeit ist, macht ihn nicht weniger schön.
Vielleicht liegt genau darin das eigentliche Problem für manche Kommentierende: Ein paar bunte Farben reichen inzwischen aus, um einen regelrechten Kulturkampf auszulösen.
Und während sich Erwachsene im Internet über Metallrohre in Regenbogenfarben aufregen, werden die Kinder auf dem benachbarten Spielplatz vermutlich weiterhin etwas ganz Ungeheuerliches tun: sich über die bunten Farben freuen.
Unser Fazit: Dülmen hat seinen Regenbogen zurück. Die Stadt ist dadurch weder untergegangen noch wurde irgendjemand seiner Freiheit beraubt. Vielleicht sollten sich manche Menschen einfach daran erinnern, dass nicht hinter jedem Regenbogen eine politische Verschwörung steckt.
Manchmal ist ein Regenbogen eben einfach nur ein Regenbogen.
Und wer bei seinem Anblick trotzdem die Krise bekommt, dem sei ein kleiner Tipp gegeben: Einfach mal in eine andere Richtung schauen. Das funktioniert sogar ganz ohne Steuergelder.
Radio QueerLive
News Redaktion
