Es ist eine Geschichte, die zeigt, wie viel Leidenschaft, Mut und persönliches Engagement hinter den großen Musicalproduktionen im Berliner Theater des Westens stecken. Peter Plate und Ulf Leo Sommer haben einen bemerkenswerten Schritt gewagt: Sie verkauften die Rechte an ihrem umfangreichen musikalischen Lebenswerk, darunter zahlreiche unvergessene Rosenstolz-Hits, um ihre Theaterträume zu verwirklichen.
Seit 2021 prägen die beiden Künstler das Theater des Westens in Berlin-Charlottenburg. Mit Produktionen wie „Ku’damm 56“, „Romeo & Julia“, „Die Amme“ und „Wir sind am Leben“ begeisterten sie Hunderttausende Menschen. Besonders bemerkenswert: Die aufwendigen Musicalproduktionen werden ohne staatliche Subventionen finanziert.
Doch woher stammt das Geld für solche Projekte? Diese Frage beantwortete Peter Plate jetzt gegenüber der B.Z. mit einer überraschenden Offenheit: „Wir haben die Rechte an unseren Rosenstolz-Songs verkauft und das Geld hier investiert.“
Hinter dieser Aussage steckt ein gewaltiges Musikgeschäft. Bereits im Oktober 2025 erwarben das Berliner Unternehmen umn Entertainment und der internationale Musikverlag Kobalt die Autorenanteile und Verlagsrechte am gesamten Songkatalog von Plate und Sommer. Dabei ging es keineswegs nur um Rosenstolz. Zu dem musikalischen Lebenswerk aus rund 35 Jahren gehören auch Kompositionen für Sarah Connor, Roland Kaiser, Max Raabe und Songs aus den erfolgreichen „Bibi & Tina“-Produktionen.
Mehr als drei Milliarden Streams hatten die betreffenden Lieder zum Zeitpunkt des Verkaufs bereits erreicht. Die beteiligten Unternehmen bezeichneten die Transaktion als bislang größten Musikrechte-Deal Deutschlands. Über die genaue Kaufsumme wurde allerdings Stillschweigen vereinbart.
Für Plate und Sommer stand dabei nicht der persönliche Reichtum im Mittelpunkt. Vielmehr wollten sie die finanzielle Freiheit gewinnen, weiterhin eigene Geschichten auf die Bühne zu bringen. Dass sie ihre selbst geschriebenen Lieder auch nach dem Verkauf ohne zusätzliche Lizenzkosten für ihre Projekte verwenden dürfen, ließen sie sich vertraglich zusichern.
Umso bitterer erscheint nun die Nachricht, dass die Zukunft der beiden Musicalmacher am Theater des Westens keineswegs gesichert ist.
Ende April 2027 läuft ihr Mietvertrag mit Stage Entertainment aus. Eine Einigung über eine unmittelbare Fortsetzung für den Rest des Jahres konnte bislang nicht erzielt werden. Damit müssen Plate und Sommer das traditionsreiche Haus vorerst verlassen, obwohl sie erhebliche eigene Mittel in die Produktionen investiert und zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen haben.
Aufgeben wollen die beiden dennoch nicht. Für die Jahre 2028 bis 2030 haben sie bereits ein neues Konzept vorgelegt. Geplant sind weitere Premieren, neue kreative Ideen und sogar ein Café im historischen Spiegelsaal-Foyer. Gespräche mit Stage Entertainment und der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH laufen.
Während hinter den Kulissen also noch über die Zukunft verhandelt wird, feierte am gestrigen Freitagabend das neueste Musical „Salon Rosie“ seine Weltpremiere. Die Geschichte zweier Schwestern, deren Vergangenheit von alten Verletzungen und ungelösten Konflikten geprägt ist, bildet die Vorgeschichte zu „Wir sind am Leben“.
Für Berlin und seine Kulturlandschaft wäre es ein erheblicher Verlust, wenn Peter Plate und Ulf Leo Sommer ihre erfolgreiche Arbeit am Theater des Westens nicht fortsetzen könnten.
Denn die beiden haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie mehr können, als erfolgreiche Popsongs zu schreiben. Sie haben einem traditionsreichen Theater ein eigenes musikalisches Gesicht gegeben und mit ihren Geschichten auch immer wieder queere Lebenswirklichkeiten sichtbar gemacht.
Aus Sicht von Radio QueerLive bleibt deshalb zu hoffen, dass die Verantwortlichen eine Lösung finden, die dem künstlerischen Engagement und den bisherigen Erfolgen gerecht wird.
Wer bereit ist, sein musikalisches Lebenswerk zu verkaufen, um damit neue Kultur zu schaffen, hat eindrucksvoll bewiesen, wie ernst es ihm mit seiner Leidenschaft für das Theater ist.
Radio QueerLive
News Redaktion
