Sie waren extra aus Berlin angereist, um die queere Community in Gera zu unterstützen. Doch ausgerechnet am Tag des CSD machten zwei Besucher nach eigener Schilderung in den Gera Arcaden eine Erfahrung, mit der sie nicht gerechnet hatten: Ein Sicherheitsdienst forderte sie auf, ihre Regenbogenfahnen zu entfernen – oder das Einkaufszentrum zu verlassen.
Die beiden waren am Morgen eigens aus Berlin nach Gera gefahren, um am dortigen CSD teilzunehmen und Präsenz für die Community zu zeigen. Einer der beiden ist auf einen Rollstuhl angewiesen.
Dass sie die Demonstration in Gera nicht vollständig mitlaufen wollten, hatte dabei einen besonderen Grund. Bereits in diesem Jahr waren die beiden beim CSD in Chemnitz dabei. Dort wurden sie nach eigener Aussage mit Eiern beworfen. Nach dieser Erfahrung entschieden sie sich für Gera, nicht die komplette Demonstration zu begleiten, sondern zwischendurch eine Pause einzulegen.
Also gingen sie in die Gera Arcaden – nicht um dort zu demonstrieren, keine Parolen, keine Kundgebung, keine politische Aktion. Sie wollten schlicht ein wenig bummeln und einkaufen und anschließend wieder zum CSD und zur Bühne zurückkehren.
Beim Betreten des Einkaufszentrums habe zunächst niemand etwas gesagt. Nach Darstellung der beiden seien ihnen dann jedoch zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes gefolgt. Kurz vor TK Maxx seien sie schließlich angesprochen und aufgefordert worden, ihre Regenbogenfahnen zu entfernen oder das Center zu verlassen.
Auf die Frage nach dem Grund habe der Sicherheitsdienst auf das Hausrecht verwiesen. Besonders bemerkenswert ist dabei eine weitere Aussage, von der die beiden berichten: Die Security habe erklärt, sie habe „eine Anweisung von oben“ bekommen, dies zu unterbinden.
Die beiden diskutierten kurz mit den Sicherheitsmitarbeitern und fragten sogar, ob dafür nun die Polizei gerufen werden solle. Einen größeren Streit wollten sie jedoch ausdrücklich nicht. Sie waren schließlich zum Einkaufen gekommen. Deshalb entfernten sie nach eigener Aussage die beiden großen Regenbogenfahnen – eine am Rollstuhl und eine weitere – sowie die kleineren Fähnchen am Rollstuhl.
Ihr T-Shirt beziehungsweise andere Kleidung und Accessoires mit Regenbogenfarben durften sie dagegen weiterhin tragen.
Den Vorfall meldeten die beiden anschließend auch bei den Organisatoren des CSD in Gera.
Und genau an diesem Punkt bekommt die Geschichte eine besondere Dimension: Zwei Menschen fahren am frühen Morgen extra von Berlin nach Gera, um dort die queere Community und den CSD zu unterstützen. Aufgrund einer zuvor erlebten Attacke beim CSD in Chemnitz entscheiden sie sich, die Demonstration diesmal nicht vollständig mitzulaufen. Sie ziehen sich für eine Weile in ein Einkaufszentrum zurück – und werden dort nach ihrer Darstellung ausgerechnet wegen ihrer Regenbogenfahnen angesprochen.
Natürlich besitzen Einkaufszentren ein Hausrecht. Entscheidend ist jedoch die Frage, welche konkreten Regeln dort gelten und wie sie angewendet werden. Wenn tatsächlich eine „Anweisung von oben“ existierte, Regenbogenfahnen zu unterbinden, stellt sich zudem die Frage, von wem diese Anweisung kam und was genau damit untersagt werden sollte.
Denn nach der Schilderung der beiden ging es hier nicht um eine Demonstration innerhalb des Einkaufszentrums. Es ging um zwei Kunden, die eine Regenbogenfahne bei sich hatten und einkaufen wollten.
Wie danken unseren Hörern für ihr Engagement für die Community und finden diese Erfahrungen in den Gera Acarden leider sehr traurig.
Radio QueerLive
News Redaktion
