Es war ein besonderer Abend voller Erinnerungen, Emotionen und bewegender Geschichten. Am Freitagabend feierte Queeramnesty Berlin sein 30-jähriges Bestehen. Drei Jahrzehnte Einsatz für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans und intergeschlechtlichen Menschen weltweit. Ein Jubiläum, das nicht nur Anlass zum Feiern bot, sondern auch deutlich machte, wie dringend die Arbeit dieser Menschenrechtsorganisation weiterhin gebraucht wird.
Nach der offiziellen Eröffnung erwartete die Gäste ein abwechslungsreiches Programm mit künstlerischen Darbietungen, Musik, Gesang und einer Tanzeinlage. Die Beiträge sorgten für eine festliche Atmosphäre und zeigten, dass politisches Engagement, Gemeinschaft und Lebensfreude durchaus zusammengehören.
Während der Veranstaltung konnten die Besucherinnen und Besucher anhand zahlreicher Bilder auf die 30-jährige Geschichte von Queeramnesty zurückblicken. Es waren Erinnerungen an Aktionen, Demonstrationen, internationale Begegnungen und den jahrzehntelangen Einsatz für Menschen, deren grundlegende Rechte bis heute mit Füßen getreten werden.
Doch hinter vielen dieser Bilder stehen Schicksale, die betroffen machen.
Denn während wir in Deutschland über Gleichberechtigung, Akzeptanz und gesellschaftliche Vielfalt diskutieren, ist die Wahrung grundlegender Menschenrechte in zahlreichen Ländern noch immer weit von der Realität entfernt. Menschen werden verfolgt, eingeschüchtert, verhaftet, gefoltert oder sogar ermordet. Und das allein deshalb, weil sie schwul, lesbisch, bisexuell, trans oder intergeschlechtlich sind.
Besonders bewegend wurde es bei einer Live-Schaltung nach Istanbul.
Dort berichtete eine Transaktivistin über die dramatische Situation der queeren Community in der Türkei. Sie selbst war von der Verhaftungswelle im September 2026 betroffen und musste mehrere Tage in Untersuchungshaft verbringen. Ihr Engagement für die Rechte queerer Menschen war der Hintergrund ihrer Festnahme.
Die Aktivistin blickte auf viele Jahre persönlicher Arbeit für die Community zurück. Dabei erinnerte sie sich auch an wunderbare Momente, an Zeiten, in denen mehr als 100.000 Menschen gemeinsam bei einem Christopher Street Day auf die Straßen gingen und für ihre Rechte demonstrierten.
Doch von dieser Aufbruchstimmung ist in der heutigen Türkei kaum noch etwas zu spüren.
Sie schilderte eindringlich, wie sich die Situation unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan verändert hat. Nach ihrer Einschätzung wird die queere Community von der Regierung gezielt zum Feindbild gemacht, um von anderen gesellschaftlichen und politischen Problemen abzulenken und konservative Wählergruppen hinter sich zu versammeln.
Was diese Politik für die betroffenen Menschen bedeutet, hat sie selbst erfahren müssen.
Die Verhaftungswelle im September 2026 traf zahlreiche queere Organisationen und Menschenrechtsaktivisten. Wohnungen und Vereinsräume wurden durchsucht, Menschen festgenommen und viele in Untersuchungshaft genommen. Amnesty International dokumentierte damals mindestens 83 Menschen, die im Zusammenhang mit den landesweiten Razzien in Untersuchungshaft kamen.
Die persönlichen Schilderungen aus Istanbul führten den Gästen eindrucksvoll vor Augen, wie schnell ein Leben, das von Hoffnung und gesellschaftlichem Aufbruch geprägt war, durch staatliche Repression und Angst bestimmt werden kann.
Und genau deshalb ist die Arbeit von Queeramnesty so wichtig.
Seit 30 Jahren engagieren sich Menschen in Berlin dafür, dass die Schicksale verfolgter queerer Menschen nicht in Vergessenheit geraten. Sie machen auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam, organisieren Solidaritätsaktionen, unterstützen internationale Initiativen und geben jenen eine Stimme, die in ihren Heimatländern oftmals zum Schweigen gebracht werden sollen.
Die Jubiläumsveranstaltung war deshalb weit mehr als eine gewöhnliche Geburtstagsfeier. Sie war ein Rückblick auf drei Jahrzehnte unermüdlicher Arbeit, ein Dankeschön an die vielen engagierten Menschen und gleichzeitig eine eindringliche Mahnung, dass Menschenrechte niemals selbstverständlich sind.
Auch Radio QueerLive war an diesem besonderen Abend dabei. Unsere Verbindung zu Queeramnesty reicht bis in die Anfangsjahre der Organisation zurück. Über die Jahrzehnte entstanden zahlreiche gemeinsame Aktionen, journalistische Begegnungen und nicht zuletzt ganz praktische Hilfsmaßnahmen für queere Menschen, beispielsweise während des Krieges in der Ukraine.
30 Jahre Queeramnesty Berlin sind ein beeindruckendes Jubiläum. Doch die Bilder und Berichte dieses Abends machten auch deutlich, dass die Arbeit noch lange nicht abgeschlossen ist.
Solange Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität verfolgt werden, solange Aktivistinnen und Aktivisten in Gefängnissen sitzen und solange queere Menschen um ihr Leben fürchten müssen, wird es Organisationen wie Queeramnesty brauchen.
30 Jahre Einsatz für queere Menschenrechte – 30 Jahre Mut und Solidarität. Kein Schritt zurück!
Radio QueerLive gratuliert Queeramnesty Berlin herzlich zu diesem besonderen Jubiläum und bedankt sich bei allen Menschen, die sich in den vergangenen drei Jahrzehnten für Freiheit, Gleichberechtigung und Menschlichkeit eingesetzt haben.
Dieser Geburtstagsabend hat eines besonders deutlich gemacht: Die Welt braucht weiterhin Menschen, die nicht wegsehen, sondern handeln.
Herzlichen Glückwunsch, Queeramnesty Berlin, und vielen Dank für 30 Jahre unermüdlichen Einsatz für die Menschenrechte!
Radio QueerLive
News Redaktion
