+++ Proteste gegen LGBTQ+-Kunstzentrum in ehemaliger Kirche +++

Veranstaltungsbetrieb in Sydney ausgesetzt

Ein neu eröffnetes LGBTQ+-Kunstzentrum in Sydney hat seinen Veranstaltungsbetrieb vorerst eingestellt, nachdem Proteste christlicher Gruppen und rechtliche Schritte des Vermieters den Druck auf die Betreiber erheblich erhöht haben. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht ein historisches Kirchengebäude, das seit Jahrzehnten nicht mehr als Gotteshaus genutzt wird.

Das Divine Playhouse eröffnete vergangene Woche in einem rund 150 Jahre alten, denkmalgeschützten Gebäude in der Kent Street. Die ehemalige Kirche St. Johannes der Evangelist, die 1868 errichtet und bereits 1932 profaniert wurde, diente in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem als Schule sowie als Spielstätte der Genesian Theatre Company. Im Rahmen eines zunächst auf ein Jahr befristeten Mietvertrags sollte das Gebäude nun als Kulturzentrum für Live-Performances, Musikveranstaltungen und Community-Events genutzt werden.

Ursprünglich wollten die Betreiber den Veranstaltungsort unter dem Namen „Unholy Playhouse“ eröffnen. Nach Kritik aus christlichen Kreisen entschieden sie sich jedoch noch vor der Eröffnung für den heute verwendeten Namen „Divine Playhouse“. Das Projekt erhielt zudem eine Förderung in Höhe von 100.000 australischen Dollar von der Kunstförderungsagentur Create NSW, um ein multidisziplinäres Kulturprogramm zu ermöglichen.

Proteste und Forderungen nach Förderstopp

Bereits am Eröffnungsabend versammelten sich nach Medienberichten rund 70 Demonstrierende vor dem Gebäude. Christliche Gruppen wie Fit for the Kingdom und Prodigal Sons kritisierten die Nutzung der ehemaligen Kirche als Veranstaltungsort und forderten die Regierung des Bundesstaates New South Wales auf, die öffentliche Förderung des Projekts einzustellen.

Am Tag nach der Eröffnung erhielten die Betreiber von Heaps Gay Events (HG Events) über Vertreter des Vermieters eine Abmahnung. Darin wird ihnen vorgeworfen, religiöse Gefühle zahlreicher australischer Christen verletzt zu haben. Nach Angaben der Organisatoren wurde zudem auf mögliche weitere Proteste verwiesen, die ein Sicherheitsrisiko darstellen könnten.

In dem Schreiben wird gefordert, den als „anstößig“ bezeichneten Veranstaltungsbetrieb einzustellen. Andernfalls drohe die Kündigung des Mietvertrags.

Veranstaltungen abgesagt

Als Reaktion auf die Entwicklungen sagte das Divine Playhouse sämtliche geplanten Wochenendveranstaltungen ab. Darüber hinaus wurden die Instagram-Konten des Veranstaltungsortes sowie von Heaps Gay nach Beschwerden vorübergehend deaktiviert.

Die Gründerin von Heaps Gay, Kat Dopper, hatte zur Eröffnung erklärt, das Ziel des Projekts sei es gewesen, einen bezahlbaren und niedrigschwelligen Kulturraum für die unabhängige Kunst- und Kulturszene Sydneys zu schaffen.

„Ich kann es kaum erwarten zu sehen, was die unabhängige Kunst- und Kulturszene Sydneys mit dem Raum anfangen wird“, sagte Dopper bei der Eröffnung.

Debatte über Kunstfreiheit und Religionssensibilität

Der Fall hat in Australien eine Debatte über das Spannungsfeld zwischen Kunstfreiheit, LGBTQ+-Sichtbarkeit und dem Umgang mit ehemaligen religiösen Gebäuden ausgelöst. Während die Betreiber darauf verweisen, dass das Gebäude bereits seit mehr als 90 Jahren nicht mehr als Kirche genutzt wird, sehen die protestierenden Gruppen in der kulturellen Nutzung des ehemaligen Gotteshauses weiterhin eine Verletzung religiöser Werte.

Wie es mit dem Divine Playhouse weitergeht, ist derzeit offen. Die Zukunft des Projekts hängt unter anderem von den Gesprächen mit dem Vermieter und der weiteren Entwicklung der Sicherheitslage ab.

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News Redaktion