Ein Mann schwebt in Lebensgefahr
Ein Streit im Straßenverkehr, homophobe Beleidigungen und schließlich ein Schuss, der einen Menschen lebensgefährlich verletzt: Im US-amerikanischen Denver ist ein schwules Ehepaar Opfer eines schweren Gewaltverbrechens geworden. Einer der beiden Männer wurde am Kopf getroffen und befindet sich Berichten zufolge in kritischem Zustand.
Nach Angaben des US-Senders KDVR begann der Vorfall zunächst als Auseinandersetzung im Straßenverkehr. Das Ehepaar war mit dem Auto unterwegs, als es zu einem Konflikt mit Radfahrern kam. Der Fahrer des Wagens soll gehupt und mit den Scheinwerfern aufgeblendet haben. Daraufhin sollen die Radfahrer dem Fahrzeug gefolgt sein und die beiden Männer beschimpft haben.
Dabei soll nach den vorliegenden Ermittlungsunterlagen auch eine schwulenfeindliche Beleidigung gefallen sein. Dieser Punkt ist von besonderer Bedeutung, denn damit stellt sich neben den strafrechtlichen Vorwürfen auch die Frage, ob Homophobie bei der Tat eine Rolle gespielt haben könnte.
Das Ehepaar bemerkte offenbar, dass es weiterhin verfolgt wurde. Aus Sorge um die Situation fuhr der Fahrer sogar zunächst an der eigenen Wohnanlage vorbei. Doch die Verfolger sollen schließlich in die Einfahrt des Wohnkomplexes eingebogen sein. Auf Aufnahmen einer Überwachungskamera soll zu erkennen sein, dass das Auto anschließend vor der Einfahrt anhielt.
Dann eskalierte die Situation dramatisch. Der Fahrer berichtete später gegenüber den Ermittlern, zunächst eine Taschenlampe gesehen zu haben, die auf das Fahrzeug gerichtet gewesen sei. Kurz darauf habe er einen Knall gehört und die Heckscheibe sei zersplittert.
Wenig später wurde ihm klar, was geschehen war: Sein Ehemann auf dem Beifahrersitz war von einem Projektil am Kopf getroffen worden.
Der Fahrer schilderte, dass er seinen schwer verletzten Mann anschließend vermeintlich „schnarchen“ hörte. Nach Einschätzung der Polizei handelte es sich dabei jedoch um eine sogenannte Schnappatmung, die im Zusammenhang mit einer schweren traumatischen Verletzung und Sauerstoffmangel auftreten kann. Der Zustand des Verletzten wurde als kritisch beschrieben.
Als Verdächtiger wurde später Jacob Sifuentez identifiziert. Drei Tage nach der Tat erfolgte seine Festnahme. Gegen ihn wurden laut den vorliegenden Berichten Vorwürfe wegen zweifachen versuchten Mordes erhoben. Wie bei jedem Strafverfahren gilt auch hier bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
Zunächst soll der Beschuldigte eine Beteiligung bestritten und bei seiner Vernehmung von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht haben. Aus Gerichtsunterlagen geht laut Medienberichten jedoch hervor, dass er später eingeräumt haben soll, die Schüsse abgegeben zu haben. Nachdem er erfahren habe, dass sich der angeschossene Mann in kritischem Zustand befinde, soll er außerdem erklärt haben, die Konsequenzen für sein Handeln zu verdienen.
Besonders erschreckend an diesem Fall ist die Kombination aus einer offenbar zunächst alltäglichen Auseinandersetzung im Straßenverkehr und der anschließenden extremen Gewalt. Sollte sich im weiteren Verfahren bestätigen, dass schwulenfeindliche Äußerungen tatsächlich Teil der Auseinandersetzung waren, wird auch genau untersucht werden müssen, welche Rolle die sexuelle Orientierung der beiden Opfer bei der Eskalation gespielt hat.
Denn ein Streit im Straßenverkehr ist bereits schlimm genug. Wenn Menschen jedoch zusätzlich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung beleidigt, verfolgt oder sogar angegriffen werden, geht es um weit mehr als einen eskalierten Konflikt zwischen Verkehrsteilnehmern.
Für einen der beiden Männer geht es nun um sein Leben. Und für die Ermittlungsbehörden in Denver geht es darum, die genauen Hintergründe dieser erschreckenden Tat vollständig aufzuklären.
Radio QueerLive
News Redaktion
