Was passiert, wenn eine Frau, die vor mehr als 100 Jahren die Bühnen eroberte, plötzlich wieder vor uns steht?
Wenn sie zu erzählen beginnt, frech wird, singt, lacht und mit einer gehörigen Portion Berliner Schnauze vom Leben berichtet?
Dann könnte es sein, dass man für einen Moment vergisst, in welchem Jahr wir eigentlich leben.
Am Sonntag, den 30. August, um 19 Uhr wird Claire Waldoff wieder lebendig – zumindest auf der Bühne.
Sigrid Grajek widmet sich mit ihrem Programm „Claire Waldoff – Ich will aber gerade vom Leben singen…“ einer Frau, die so gar nicht in das Bild ihrer Zeit passen wollte.
Und genau das macht diesen Abend so spannend.
Claire Waldoff war keine Sängerin, die einfach nur hübsche Lieder vortrug. Sie sang über das wirkliche Leben: über Sorgen und Nöte, über Freude, Liebe, Verwicklungen und all die kleinen und großen Geschichten, die Menschen bewegen.
Vor allem aber nahm sie sich Freiheiten, lange bevor die Gesellschaft Frauen diese Freiheiten selbstverständlich zugestand.
Sie war unangepasst, selbstbewusst, direkt und unverwechselbar.
Während andere den gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit folgten, machte Claire Waldoff offenbar lieber das, was sie selbst für richtig hielt.
Und sie sang, wie ihr der Schnabel gewachsen war.
Sigrid Grajek bezeichnet Claire Waldoff deshalb als die „Urmutter aller Kabarettistinnen“.
Doch wer an diesem Abend eine gewöhnliche musikalische Biografie erwartet, dürfte überrascht werden.
Denn Sigrid Grajek erzählt nicht einfach nur über Claire Waldoff.
Sie schlüpft in ihre Rolle.
Sie lässt sie erzählen, spielen und natürlich singen – und versucht damit, jene besondere Persönlichkeit auf die Bühne zurückzuholen, die sich schon zu Lebzeiten kaum in eine Schublade stecken ließ.
Begleitet wird Sigrid Grajek am Piano von Stefanie Rediske.
So entsteht ein Abend zwischen Chanson, Kabarett, Schauspiel und Zeitreise – und vielleicht auch die Begegnung mit einer Frau, deren Haltung erstaunlich modern wirkt.
Denn hinter den Liedern steckt eine interessante Frage: Wie viel Claire Waldoff würde eigentlich auch unserer heutigen Zeit guttun?
Eine Frau, die sich nicht verbiegen ließ.
Eine Künstlerin, die das Leben nicht schöner sang, als es war.
Und eine Persönlichkeit, die offenbar schon früh verstanden hatte, dass Freiheit manchmal genau dort beginnt, wo man aufhört, sich danach zu richten, was andere von einem erwarten.
„Claire Waldoff – Ich will aber gerade vom Leben singen…“ mit Sigrid Grajek ist am Sonntag, den 30. August, um 19 Uhr zu erleben.
Der Eintritt beginnt bei 27 Euro.
Und wer Claire Waldoff bisher nur dem Namen nach kennt, könnte an diesem Abend entdecken, warum ihre Lieder und ihre Persönlichkeit bis heute nicht verstummt sind.
Adresse
BKA Theater
Mehringdamm 34
10961 Berlin
Radio QueerLive
News Redaktion
Foto: Guido Woller
