Der Mann, der Madonna ins Licht führte
Die Musikwelt hat einen ihrer großen Klangarchitekten verloren: William Orbit ist tot.
Der britische Produzent, Musiker und Grammy-Gewinner wurde tot in seinem Haus in London aufgefunden. Im Dezember wäre William „Orbit“ Wainwright 70 Jahre alt geworden.
Sein Name stand nie so sehr im grellen Scheinwerferlicht wie die Namen der Stars, mit denen er arbeitete. Und doch hat William Orbit den Sound der internationalen Popmusik über Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt.
Er produzierte und arbeitete unter anderem mit Blur, U2, All Saints, No Doubt, Beth Orton, Britney Spears, Beck und Pharrell Williams. Dazu kamen unzählige Remixe und eigene Projekte wie Torch Song, Bassomatic und Strange Cargo.
Orbit gehörte zu jener seltenen Sorte Produzenten, die man nach wenigen Takten erkennen konnte. Elektronische Flächen, ungewöhnliche Geräusche, warme Melodien und eine beinahe schwebende Atmosphäre verband er zu einem Sound, der futuristisch sein konnte und trotzdem menschlich blieb.
Seine wohl berühmteste Zusammenarbeit begann Mitte der 1990er-Jahre – mit Madonna.
Für beide sollte diese Begegnung zu einem Wendepunkt werden.
Als die Arbeiten an Madonnas Album „Ray of Light“ begannen, war sie längst einer der größten Popstars der Welt. Doch musikalisch befand sie sich an einem Punkt, an dem eine bloße Fortsetzung ihrer bisherigen Karriere nicht genügte.
Und dann kam William Orbit.
Für die Produktion packte er Teile seines Londoner Studios in Flightcases und brachte seine Klangwelt nach Los Angeles. Dort traf seine experimentelle elektronische Arbeitsweise auf eine Madonna, die sich ebenfalls verändert hatte und nach neuen musikalischen Ausdrucksformen suchte.
Das Ergebnis erschien 1998 und hieß „Ray of Light“.
Es wurde weit mehr als nur ein weiteres erfolgreiches Madonna-Album.
Songs wie „Frozen“, „Ray of Light“, „Nothing Really Matters“, „The Power of Good-Bye“ oder „Drowned World/Substitute for Love“ zeigten eine Madonna, die elektronischer, nachdenklicher und zugleich musikalisch mutiger klang als zuvor.
William Orbit gab ihr dafür einen Klangraum, der damals modern und experimentell wirkte und erstaunlich gut gealtert ist.
Dabei bestand seine große Kunst gerade darin, einen Künstler nicht unter seiner Produktion verschwinden zu lassen. Man konnte William Orbit hören – aber man hörte immer noch Madonna.
„Ray of Light“ wurde zu einem der wichtigsten Alben ihrer Karriere und zu einem Meilenstein der Popmusik der späten 1990er-Jahre. Das Werk wurde mit mehreren Grammys ausgezeichnet und machte William Orbit endgültig zu einem der gefragtesten Produzenten seiner Generation.
Die Zusammenarbeit mit Madonna ging anschließend weiter. Orbit war auch an ihrem Album „Music“ beteiligt und ihre gemeinsame musikalische Verbindung blieb über viele Jahre bestehen.
Zuletzt erzählte Orbit sogar davon, Material für ein weiteres gemeinsames Projekt geschrieben zu haben – gewissermaßen ein mögliches „Ray of Light 2“. Dazu sollte es nicht mehr kommen.
Doch William Orbit auf seine Zusammenarbeit mit Madonna zu reduzieren, würde seinem Lebenswerk nicht gerecht.
Schon lange vor „Ray of Light“ bewegte er sich zwischen elektronischer Musik, House, Ambient und Pop. Mit Bassomatic gelang ihm Anfang der 1990er-Jahre mit „Fascinating Rhythm“ ein Erfolg in Großbritannien. Als Remixer bearbeitete er Musik von Künstlern wie Prince, Sting und Madonna und gehörte zu den Produzenten, die den Remix früh als eigenständige Kunstform verstanden.
Später arbeitete er mit einigen der größten Namen der Musikindustrie, komponierte klassische Werke, beschäftigte sich mit Malerei und blieb musikalisch ein Suchender.
Sein Leben hatte allerdings auch dunkle Kapitel. Orbit sprach selbst offen darüber, dass er im höheren Alter erneut Drogen konsumiert hatte. Nach gesundheitlichen Problemen schien er sich wieder gefangen zu haben.
Vielleicht gehörten diese Gegensätze zu William Orbit: die enorme Neugier und die Rastlosigkeit, das Spielerische und das Melancholische, der internationale Erfolg und gleichzeitig ein Mensch, der sich immer wieder neu erfinden wollte.
Was bleibt, ist ein gewaltiges musikalisches Werk.
Und für Millionen Madonna-Fans bleibt vor allem dieses eine Album.
Wenn heute die ersten Töne von „Frozen“ erklingen oder „Ray of Light“ mit voller Geschwindigkeit nach vorne schießt, hört man nicht nur Madonna.
Man hört auch William Orbit.
Den Mann hinter den Reglern, der Ende der 1990er-Jahre gemeinsam mit ihr einen Sound erschuf, der Popmusik plötzlich anders klingen ließ.
William Orbit stand vielleicht selten im Mittelpunkt der Bühne.
Aber ohne ihn hätte ein bedeutendes Kapitel der Popgeschichte anders geklungen.
William Orbit wurde 69 Jahre alt.
Seine Musik bleibt.
Und irgendwo zwischen den elektronischen Flächen von „Frozen“ und der Euphorie von „Ray of Light“ wird auch seine Handschrift weiterleben.
Ruhe in Frieden
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News Redaktion
