Erneut meldet die Berliner Polizei innerhalb kürzester Zeit zwei Angriffe, bei denen Menschen offenbar aufgrund ihrer Zugehörigkeit oder zugeschriebenen Zugehörigkeit zur queeren Community attackiert wurden. Betroffen sind diesmal eine 38-jährige Person in Schöneberg und ein erst 17 Jahre alter Jugendlicher in Pankow. In beiden Fällen hat der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes die Ermittlungen übernommen.
In Schöneberg ereignete sich der jüngste Vorfall am Dienstagabend in der Motzstraße – ausgerechnet in einer Straße, die seit Jahrzehnten wie kaum eine andere für queeres Leben in Berlin steht. Nach Angaben der Polizei näherten sich zwei bislang unbekannte Personen auf einem E-Scooter einer 38-jährigen Person auf dem Gehweg. Anschließend soll die Person, die laut Polizei erkennbar der LSBTIQ+-Community angehört, von dem Duo geschlagen worden sein. Sie erlitt dabei eine Verletzung im Gesicht, lehnte eine medizinische Behandlung jedoch ab.
Bereits einen Abend zuvor wurde in Pankow ein 17-Jähriger angegriffen. Der Jugendliche war gegen 20:30 Uhr auf der Kavalierstraße in Richtung Wolfshagener Straße unterwegs, als er nach bisherigen Erkenntnissen unvermittelt von hinten attackiert und zu Boden geschlagen wurde. Während des Angriffs soll der bislang unbekannte Täter den Jugendlichen homophob beleidigt haben. Anschließend flüchtete der Angreifer. Der 17-Jährige erlitt Verletzungen am Kopf und musste zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden.
Zwei Angriffe, zwei unterschiedliche Berliner Bezirke und zwei Menschen, die offenbar deshalb zur Zielscheibe wurden, weil sie queer sind oder als queer wahrgenommen wurden. Besonders bedrückend ist dabei, wie unvermittelt die geschilderten Attacken erfolgten. In Pankow wurde ein Jugendlicher von hinten angegriffen, in Schöneberg näherte sich das mutmaßliche Täterduo auf einem E-Scooter.
Und wieder ermittelt in beiden Fällen der Polizeiliche Staatsschutz. Damit stehen diese beiden Vorfälle nicht isoliert da. Erst in den vergangenen Tagen musste die Berliner Polizei weitere mutmaßlich queerfeindliche Straftaten melden. Für Radio QueerLive bleibt deshalb die Frage, die wir inzwischen viel zu häufig stellen müssen: Wie selbstverständlich und vor allem wie sicher können queere Menschen noch durch Berlin gehen, wenn schon das bloße Erkannt- oder Wahrgenommenwerden als queer zum Anlass für Gewalt werden kann?
Wer die Angriffe in der Motzstraße in Schöneberg oder in der Kavalierstraße in Pankow beobachtet hat oder Hinweise zu den bislang unbekannten Tatverdächtigen geben kann, sollte sich bei der Berliner Polizei melden. Gerade bei solchen Angriffen können auch Beobachtungen wichtig sein, die zunächst nebensächlich erscheinen.
Radio QueerLive
News Redaktion
