Während wir in Deutschland und Österreich über Sichtbarkeit, Akzeptanz und gleiche Rechte diskutieren, geht es für queere Menschen in vielen Teilen der Welt noch immer um etwas sehr viel Grundsätzlicheres: um Freiheit, Sicherheit und teilweise sogar um das eigene Leben.
In mindestens 65 Staaten werden einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen nach Angaben der ILGA World Database noch immer kriminalisiert. Hinzu kommen gesellschaftliche Ausgrenzung, Gewalt und staatliche Repressionen. Für viele lesbische, schwule, bisexuelle oder trans Menschen bedeutet das, ihre Identität verstecken zu müssen. Andere sehen irgendwann nur noch einen Ausweg: die Flucht aus ihrer Heimat.
Doch auch mit der Flucht endet die Angst nicht automatisch. Queere Geflüchtete können selbst in Unterkünften in vermeintlich sicheren Ländern erneut mit Homo- oder Transfeindlichkeit konfrontiert werden. Sie brauchen deshalb nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern Beratung, rechtliche Unterstützung, sichere Räume und Menschen, die ihre besondere Situation verstehen.
Genau an diesem Punkt setzt jetzt eine bemerkenswerte Aktion des Kosmetikunternehmens Lush an.
Mit der neuen Regenbogen-Seife „Better in Colour“ verbindet Lush ein Produkt mit ganz konkreter finanzieller Unterstützung. 75 Prozent des Nettoverkaufspreises sollen zu gleichen Teilen an die Organisationen Queer Base und All Out gehen.
Queer Base kümmert sich in Österreich um queere Menschen mit Fluchterfahrung. Dazu gehören kostenlose Rechtsberatung und Unterstützung während des Asylverfahrens ebenso wie Hilfe bei der Suche nach sicherem Wohnraum. Dolmetscher, Peer-Berater und freiwillige Helfer begleiten die Geflüchteten und helfen ihnen außerdem dabei, Anschluss an die Community zu finden.
Die andere Hälfte der Spendengelder geht an All Out. Die internationale Organisation unterstützt queere Menschen und lokale Initiativen weltweit – gerade dort, wo diskriminierende Gesetze, politische Repression oder gesellschaftliche Gewalt das Leben der Community bedrohen. Unterstützt werden unter anderem lokale Aktivisten, Pride-Veranstaltungen und der Kampf gegen queerfeindliche Gesetze.
Und genau deshalb ist die Aktion von Lush aus unserer Sicht erwähnenswert.
Denn ein Regenbogen auf einem Produkt ist schnell gedruckt. Entscheidend ist, was dahinter passiert.
Wenn ein Unternehmen während des Pride Month seine Logos bunt färbt, ist das zunächst einmal ein sichtbares Signal. Wenn aber tatsächlich Geld an Organisationen fließt, die queere Geflüchtete beraten, sicheren Wohnraum vermitteln oder Aktivisten in schwierigen Ländern unterstützen, bekommt dieses Signal einen ganz anderen Wert.
Lush und All Out arbeiten dabei nicht erst seit gestern zusammen. Bereits 2015 gab es die gemeinsame Kampagne „#gayisokay“, mit der Geld für queeren Aktivismus gesammelt wurde. Lush unterstützt zudem seit vielen Jahren Basisorganisationen und verbindet Produkte immer wieder mit gesellschaftspolitischen Kampagnen.
Die „Better in Colour“-Seife kostet 8,50 Euro für 100 Gramm und enthält unter anderem Grapefruit-, Petitgrain- und Patchouli-Noten.
Doch der Duft dürfte bei dieser Seife tatsächlich die Nebensache sein.
Viel wichtiger ist die Botschaft dahinter: Solidarität darf bunt sein – aber sie sollte nicht beim Regenbogen auf der Verpackung enden.
Und vielleicht ist „Better in Colour“ deshalb ein schönes Beispiel dafür, wie Unternehmen ihre Reichweite nutzen können: nicht nur mit großen Worten und bunten Werbekampagnen, sondern indem am Ende auch diejenigen Unterstützung bekommen, für die ein Leben in Freiheit und Sicherheit noch immer alles andere als selbstverständlich ist.
Radio QueerLive
News Redaktion
