Florida gilt seit Jahren als einer der US-Bundesstaaten, in denen besonders hart gegen die queere Community vorgegangen wird. Unter Gouverneur Ron DeSantis wurden zahlreiche Maßnahmen beschlossen, die queere Menschen und ihre Sichtbarkeit unmittelbar betreffen – von Einschränkungen bei Bildungsinhalten über Auseinandersetzungen um Drag-Shows bis hin zur Entfernung queerer Inhalte aus öffentlichen Angeboten.
Doch ausgerechnet in Florida zeigt sich nun: Die Politik der Regierung bedeutet nicht automatisch, dass auch die Bevölkerung diesen Kurs geschlossen unterstützt.
Bei den jüngsten Wahlen und Vorwahlen konnten mehrere offen queere Kandidaten wichtige Erfolge erzielen. Jane Aman, Todd Delmay, Felipe Sousa Lazaballet, Luis Salazar und Samuel Vilchez Santiago gehören zu den demokratischen Kandidaten, die von Equality Florida unterstützt wurden und erfolgreich waren.
Nach Angaben der Organisation konnten sich insgesamt 81 Prozent der von Equality Florida unterstützten Kandidaten in ihren jeweiligen Rennen durchsetzen. Für die queere Community in Florida ist das weit mehr als nur eine interessante Wahlstatistik.
Denn politische Veränderungen beginnen nicht ausschließlich im Weißen Haus oder in den großen Parlamenten. Sie beginnen häufig vor Ort – in Wahlkreisen, Kommunen und ganz besonders in den Schulbehörden.
Auch dort gab es bemerkenswerte Ergebnisse. Kandidaten, die von Equality Florida unterstützt wurden, konnten sich gegen konservative Mitbewerber behaupten. Besonders bedeutsam ist dabei die Niederlage einer amtierenden Schulrätin, die als Verbündete von Gouverneur Ron DeSantis galt und der konservativen Organisation Moms for Liberty nahestand.
Gerade die Besetzung solcher Schulbehörden ist von großer Bedeutung. Dort wird mitentschieden, welche Bücher in Schulen verfügbar sind, welche Inhalte vermittelt werden und wie mit queeren Themen im Bildungsbereich umgegangen wird.
Die Wahlergebnisse bedeuten sicherlich nicht, dass Florida plötzlich einen vollkommen anderen politischen Weg einschlägt. Die gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen um die Rechte queerer Menschen werden weitergehen.
Aber sie zeigen etwas Entscheidendes: Auch in einem Bundesstaat, dessen Regierung seit Jahren mit einer besonders restriktiven Politik gegenüber der queeren Community Schlagzeilen macht, gibt es erheblichen Widerstand.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft aus Florida: Regierungen können Gesetze beschließen, Bücher aus Regalen entfernen und queere Sichtbarkeit einschränken – aber sie können den Menschen nicht vorschreiben, wen sie am Ende in die Parlamente und politischen Gremien wählen.
Dass offen queere Kandidaten ausgerechnet in Florida Wahlerfolge feiern, ist deshalb ein bemerkenswertes Signal.
Die Community ist da.
Sie kandidiert.
Sie wird gewählt.
Und sie verschafft sich dort politische Stimmen, wo andere sie am liebsten unsichtbar machen würden.
Radio QueerLive
News Redaktion
