Aidan Faminoff will queeren Menschen im Sport eine Stimme geben
Vom Leistungssportler zur Dragqueen und vom persönlichen Coming-out zum öffentlichen Engagement: Der ehemalige kanadische Turmspringer Aidan Faminoff möchte seine wachsende Bekanntheit nutzen, um sich stärker für LGBTQ+-Menschen und sichere Räume im Sport einzusetzen.
Faminoff, der nach 17 Jahren im Turmspringen 2020 seine Wettkampfkarriere beendete, stand zuletzt in Kanada als seine Drag-Persona Hazel auf der Bühne. Bei einer Podiumsdiskussion über Vielfalt und Inklusion im Sport sprach er über seine eigenen Erfahrungen und darüber, wie schwierig es für queere junge Menschen sein kann, in einem von Leistungsdruck und traditionellen Rollenbildern geprägten Umfeld ihren Platz zu finden.
Faminoff weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, einen Teil der eigenen Persönlichkeit zu verstecken. In seiner Jugend habe er versucht, sich eine Art falsche Persönlichkeit zuzulegen, um unter den anderen Jungen nicht aufzufallen und dazuzugehören. Das Turmspringen wurde für ihn gleichzeitig zu einem Rückzugsort.
Am 11. Oktober 2016, dem National Coming Out Day, machte Faminoff schließlich öffentlich, dass er schwul ist. Damals studierte und trainierte er an der Florida State University. Rückblickend beschreibt er diesen Schritt nicht als Belastung für seine sportliche Karriere – ganz im Gegenteil. Das offene Leben habe ihn nach eigener Aussage sogar zu einem besseren Athleten und Teamkollegen gemacht.
Heute möchte Faminoff genau dort ansetzen, wo ihm selbst früher Unterstützung fehlte. Seine Auftritte als Dragqueen Hazel sollen deshalb mehr sein als Unterhaltung. „Ich mache Drag jetzt nicht nur, um zu inspirieren, sondern auch, um sichere Räume zu schaffen“, erklärte er.
Gerade im Sport seien solche Räume für queere Menschen von großer Bedeutung. Faminoff sagt, dass er sich genau diese Unterstützung während seiner eigenen Jugend im Turmspringen gewünscht hätte – sie damals aber nicht gefunden habe.
Seine Erfahrungen aus dem Spitzensport verbindet er deshalb inzwischen mit seiner Sichtbarkeit als Dragqueen. Er möchte anderen Mut machen, ihre eigene Stimme zu finden, genauer hinschauen, wie es queeren Sportlerinnen und Sportlern tatsächlich geht, und auch Sportverbände und Organisationen stärker in die Verantwortung nehmen.
Denn sportliche Leistung und die eigene sexuelle Orientierung oder Identität dürfen kein Widerspruch sein. Niemand sollte das Gefühl bekommen, einen Teil seiner Persönlichkeit verstecken zu müssen, um in einer Mannschaft, einem Verein oder im Leistungssport akzeptiert zu werden.
Aidan Faminoffs Geschichte zeigt zugleich, wie wichtig sichtbare Vorbilder sein können. Aus einem jungen Sportler, der einst glaubte, sich verstellen zu müssen, ist ein Mann geworden, der heute als Dragqueen Hazel öffentlich genau für jene Räume kämpft, die ihm selbst damals gefehlt haben.
Radio QueerLive
News Redaktion
