Schon wieder ist in Berlin ein sichtbares Zeichen für Vielfalt und queeres Leben beschädigt worden. Am Innsbrucker Platz in Tempelhof-Schöneberg wurde am Montagmorgen, dem 7. September, eine Regenbogenbank entdeckt, die mit schwarzer Farbe beschmiert worden war. Das Bezirksamt prüft derzeit, ob noch weitere Bänke betroffen sind. Die beschädigte Bank soll schnellstmöglich entfernt und noch im Laufe des Septembers ersetzt werden. Außerdem wird der Schaden zur Anzeige gebracht.
Was zunächst nach einer einfachen Sachbeschädigung aussehen könnte, bekommt angesichts der derzeitigen Situation allerdings eine deutlich größere Bedeutung. Denn Regenbogenbänke stehen nicht zufällig im öffentlichen Raum. Sie sind bewusst sichtbare Zeichen dafür, dass queere Menschen zu dieser Stadt gehören. Und genau diese Sichtbarkeit wird immer wieder zum Ziel von Beschädigungen und Zerstörungen.
Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg spricht deshalb von einer besorgniserregenden gesellschaftlichen Entwicklung und verweist auf zunehmenden Hass gegen queere Menschen und queere Symbolik. Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann betont, die queere Community sei ein fester Bestandteil des Bezirks. Tempelhof-Schöneberg wolle mit Regenbogenflaggen, queerer Öffentlichkeitsarbeit und der Beteiligung an Veranstaltungen weiterhin deutlich für Vielfalt, Respekt und ein Zusammenleben ohne Ausgrenzung eintreten.
Auch Bezirksstadträtin Dr. Saskia Ellenbeck macht deutlich, dass gerade die Sichtbarkeit queerer Symbole wichtig sei. Regenbogenbänke seien ein öffentliches Zeichen der Unterstützung für die Community und der Bezirk verurteile Gewalt gegen queere Menschen ausdrücklich. Kai Münch, Queerbeauftragte_r des Bezirksamtes, verweist darauf, dass Queerfeindlichkeit nicht mit einer einzelnen Maßnahme bekämpft werden könne. Notwendig seien unter anderem Gewaltprävention, Bildung, Aufklärung, Sensibilisierung und die konsequente Unterstützung Betroffener.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Antwort auf die schwarze Farbe am Innsbrucker Platz: Die Bank wird nicht einfach entfernt und verschwindet. Sie wird ersetzt. Der Regenbogen kommt zurück. Denn wer glaubt, mit schwarzer Farbe queere Sichtbarkeit aus Berlin entfernen zu können, dürfte noch einiges zu streichen haben.
Tempelhof-Schöneberg macht jedenfalls deutlich: Der Regenbogenbezirk soll nicht nur während des Pride Month bunt sein. Queeres Leben gehört hier zwölf Monate im Jahr dazu.
Radio QueerLive
News Redaktion
