+++ Malte C. – er wollte helfen und bezahlte dafür mit seinem Leben +++

In den letzten Tagen hatten wir viele Meldungen der Polizei und da ging es immer um Gewalt gegen uns. Gewalt gegen unsere queere Minderheit hat man das Gefühl, nimmt seit Jahren zu. Dabei ist uns dann plötzlich dieser schlimmen Fall eingefallen, der sich im Umfeld des CSD Münster abspielte.

Malte C. war 25 Jahre alt, trans und ein Mensch, der offenbar nicht einfach wegschaute, wenn andere Hilfe brauchten.

Sein Name wurde 2022 weit über Münster hinaus bekannt – aus einem schrecklichen Grund. Heute steht Malte C. für viele Menschen auch für Zivilcourage: für den Mut, sich einzumischen, wenn andere beleidigt, bedroht oder angegriffen werden.

Am 27. August 2022 fand in Münster der Christopher Street Day statt. Rund 10.000 Menschen waren dabei. Auch Malte C.
Am Rande des CSD kam es zu einer Situation, bei der ein Mann andere Teilnehmende aggressiv beschimpfte und beleidigte. Malte bemerkte die Situation und stellte sich schützend vor die Betroffenen.

Er wollte helfen.
Doch genau dadurch geriet er selbst ins Visier des Angreifers.

Der Mann ging auf Malte los und schlug ihm gegen den Kopf. Nach den späteren Feststellungen im Gerichtsverfahren trafen Malte zwei Schläge. Er stürzte zu Boden und schlug mit dem Hinterkopf auf dem Pflaster auf.

Malte erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma.

Rettungskräfte versorgten ihn, im Krankenhaus kämpften Ärzte um sein Leben. Doch seine Verletzungen waren zu schwer.

Am 2. September 2022 starb Malte C. im Alter von nur 25 Jahren.

Sein Tod löste bundesweit Entsetzen aus. Menschen legten Blumen nieder, entzündeten Kerzen und erinnerten an einen jungen Mann, der nicht weggeschaut hatte.

Später beschäftigte sich das Landgericht Münster mit dem Täter. Dabei wurde auch bekannt, dass der Angreifer bereits wegen Gewaltdelikten aufgefallen war. Nach Angaben des WDR hatte er zudem über Jahre professionell Boxsport betrieben und war dreifacher Juniorenmeister.

Im Prozess gestand der Angeklagte die Tat und zeigte nach Angaben aus dem Verfahren Reue. Staatsanwaltschaft und Gericht gingen davon aus, dass kein Tötungsvorsatz nachgewiesen werden konnte. Ebenso sah das Gericht keine nachweisbare queer- oder transfeindliche Grundhaltung als Tatmotiv, obwohl die vorausgegangenen Beleidigungen gegenüber CSD-Teilnehmenden queerfeindlichen Charakter hatten. Diese Einschätzung wurde anschließend auch von Teilen der queeren Community und in Kommentaren zur Urteilsbegründung kritisiert.

Und dann kam das Urteil.

Das Landgericht Münster verurteilte den damals 20-jährigen Täter am 22. März 2023 wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Weil auf ihn Jugendstrafrecht angewendet wurde, erhielt er eine Jugendstrafe von fünf Jahren. Zusätzlich ordnete das Gericht seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt für suchtkranke Straftäter an.

Fünf Jahre.

Ob man dieses Strafmaß angesichts des Todes eines 25-jährigen Menschen als ausreichend empfindet, muss jeder selbst beurteilen.

Was jedoch bleiben sollte, ist die Erinnerung an Malte C.
Nicht nur als Opfer einer Gewalttat.
Sondern als einen Menschen, der sah, dass andere Hilfe brauchten – und nicht wegschaute.

Malte C. zeigte Zivilcourage.
Er wollte andere schützen. Und dafür bezahlte er mit seinem Leben.

Malte C. wurde nur 25 Jahre alt.

Er möge in Frieden ruhen.

Radio QueerLive
News Redaktion