Ein Waldgebiet im Westen von Palma de Mallorca sorgt derzeit für beunruhigende Berichte.
In Sa Teulera, einem seit Jahren bekannten Cruising-Treffpunkt für schwule Männer, sollen in den vergangenen Wochen wiederholt Gruppen junger Männer aufgetaucht sein, die Besucher beschimpft, eingeschüchtert und teilweise verfolgt haben sollen. Darüber berichten unter anderem die Zeitungen „Ultima Hora“ und „Mallorca Magazin“.
Nach Aussagen von Betroffenen sollen Jugendliche und junge Männer, teilweise um die 20 Jahre alt, mit Taschenlampen durch das Gelände gezogen sein und gezielt nach den dort anwesenden Männern gesucht haben. Dabei soll es nicht nur zu schwulenfeindlichen Beschimpfungen gekommen sein. Berichtet wird auch von Steinen, die gegen geparkte Autos geworfen worden sein sollen, sowie von umgestoßenen Motorrädern.
Ein anonym befragter Mann schilderte gegenüber „Ultima Hora“, dass er von sechs jungen Männern umringt worden sei. Aus Angst vor einem körperlichen Angriff sei er geflohen. Die Situation habe ihn derart verunsichert, dass er inzwischen ein Messer im Handschuhfach seines Autos aufbewahre.
Ein anderer Betroffener will eine der Gruppen fotografiert haben. Er spricht davon, dass Männer an einem Ort belästigt und beschimpft würden, den sie bislang als einen Rückzugsort wahrgenommen hätten. Gleichzeitig wächst offenbar die Sorge, dass die Situation irgendwann eskalieren könnte.
Ein wichtiger Punkt muss allerdings deutlich gesagt werden: Bislang gibt es offenbar keine offiziellen Anzeigen, die die geschilderten Vorfälle bestätigen. Auch die Nachbarschaftsvereinigung von Sa Teulera erklärte, ihr seien entsprechende Probleme bisher nicht bekannt. Die mallorquinische LGBTIQ+-Organisation Ben Amics hat nach eigenen Angaben ebenfalls keine aktuellen Meldungen oder Anzeigen zu diesen konkreten Vorfällen erhalten.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Berichte der Betroffenen falsch sind. Gerade bei queerfeindlichen Übergriffen werden Vorfälle nicht immer angezeigt. Dennoch ist es wichtig, zwischen den Aussagen Betroffener und dem bislang offiziell dokumentierten Stand zu unterscheiden. Auch für eine organisierte oder koordinierte „Jagd auf Schwule“, wie einige Betroffene die Situation beschreiben, gibt es derzeit keine bestätigten Hinweise.
Ben-Amics-Präsidentin Tatiana Casado verweist allerdings auf ein grundsätzlich problematisches gesellschaftliches Klima. Nach Angaben der Organisation werden allein in Palma jährlich rund 100 Fälle registriert, bei denen queere Menschen verbal oder körperlich angegriffen werden.
Bemerkenswert ist zudem, dass aus einem weiteren bekannten Cruising-Gebiet bei Palma, Es Carnatge bei La Niña Muerta, derzeit keine vergleichbaren Vorfälle bekannt sind.
Für die Betroffenen in Sa Teulera bleibt dennoch ein entscheidendes Problem: Ein Ort, an dem sie sich bislang weitgehend unbehelligt fühlten, wird nach ihren Schilderungen plötzlich mit Angst verbunden. Und unabhängig davon, ob die einzelnen Vorfälle am Ende strafrechtlich bestätigt werden können, gilt: Niemand hat das Recht, Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung einzuschüchtern, zu bedrohen oder anzugreifen.
Wer auf Mallorca von queerfeindlicher Gewalt, Drohungen oder Beschimpfungen betroffen ist, kann sich an den vom Consell de Mallorca angebotenen und von Ben Amics betreuten Beratungsdienst wenden. Dort gibt es unter anderem juristische, soziale und psychologische Unterstützung.
Radio QueerLive
News Redaktion
