Mehr als 10.000 Menschen sind am vergangenen Samstag bei der 16. Bratislava Pride auf die Straßen der slowakischen Hauptstadt gegangen. Unter dem Motto „Unser Mut ist stärker als der Hass“ demonstrierten sie für gleiche Rechte, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz. In einem politischen Klima, das für queere Menschen zunehmend schwieriger wird, war die große Beteiligung ein starkes Zeichen der Solidarität.
Unterstützung erhielt die Bratislava Pride auch aus dem benachbarten Österreich. Mehrere Initiativen und Vereine reisten gemeinsam nach Bratislava, um die slowakische Community zu unterstützen. Damit wurde deutlich: Der Einsatz für Menschenrechte endet nicht an Landesgrenzen.
Das Motto „Mut“ zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung. Organisatorinnen und Organisatoren machten deutlich, dass es in der Slowakei nach wie vor viel Entschlossenheit brauche, offen queer zu leben. Viele Teilnehmende trugen Transparente gegen Diskriminierung und warnten vor weiteren Einschränkungen ihrer Rechte.
Die Sorgen sind nicht unbegründet. Die Regierung von Ministerpräsident Robert Fico hat in den vergangenen Jahren mehrere Maßnahmen auf den Weg gebracht, die die Rechte queerer Menschen weiter beschneiden. Gleichgeschlechtliche Ehen werden nicht anerkannt, Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare bleiben ausgeschlossen und weitere gesetzliche Verschärfungen werden diskutiert. Menschenrechtsorganisationen sehen darin eine zunehmende institutionelle Ausgrenzung queerer Menschen.
Besonders bewegend war erneut der Halt an der ehemaligen queeren Bar Tepláreň. Dort erschoss ein rechtsextremer Attentäter im Jahr 2022 zwei junge Menschen. Bis heute gilt dieser Anschlag als tiefer Einschnitt für die slowakische Community. Mit Blumen, Kerzen und einer Schweigeminute erinnerten die Teilnehmenden an die Opfer und machten deutlich, dass Hass und Gewalt die Community nicht zum Schweigen bringen werden.
Aus Sicherheitsgründen hielten die Veranstalter die genaue Demonstrationsroute bis kurz vor Beginn geheim. Polizei und Sicherheitskräfte waren mit einem großen Aufgebot im Einsatz. Die Pride verlief schließlich ohne größere Zwischenfälle.
Zeitgleich demonstrierten mehrere hundert christlich-konservative und rechtsextreme Gruppen unter dem Motto „Stolz auf die Familie“. Dennoch zeigte die deutlich größere Beteiligung an der Bratislava Pride, dass sich viele queere Menschen und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer trotz des politischen Gegenwinds nicht aus dem öffentlichen Raum verdrängen lassen.
Die Bratislava Pride 2026 war damit weit mehr als eine bunte Demonstration. Sie war ein sichtbares Zeichen dafür, dass Mut, Zusammenhalt und Solidarität auch unter schwierigen politischen Bedingungen bestehen bleiben.
Radio QueerLive
News Redaktion
