Mit großen Werbetafeln und einer provokanten Botschaft sorgt derzeit eine Kampagne im US-Bundesstaat Ohio für heftige Diskussionen.
Auf den Plakaten steht: „Kein Kind hat zwei Väter. Kein Kind hat zwei Mütter.“ Finanziert wurde die Aktion von der Organisation „Them Before Us“, die sich seit Jahren gegen die Ehe für alle, künstliche Befruchtung und weitere familienpolitische Reformen engagiert.
Besonders in den ländlichen Regionen Ohios tauchten die Plakate an gut sichtbaren Straßen und vor Einkaufszentren auf. Schnell regte sich Kritik. Queere Organisationen, zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner sowie Familien mit unterschiedlichsten Lebensmodellen empfinden die Botschaft als ausgrenzend und verletzend.
Auf die Plakate aufmerksam machte unter anderem Megan Tucker-Manly. Sie entdeckte eines der Schilder vor einem Walmart in Lima, Ohio, fotografierte es und veröffentlichte das Bild in den sozialen Netzwerken. Innerhalb kurzer Zeit wurde ihr Beitrag tausendfach geteilt und löste eine breite Debatte aus.
Tucker-Manly weist darauf hin, dass die Aussage weit mehr Menschen trifft als nur Regenbogenfamilien. Auch Kinder geschiedener Eltern, Pflegekinder, Adoptivkinder oder Familien, die vor Gewalt und Missbrauch fliehen mussten, könnten sich durch diese Botschaft ausgegrenzt fühlen. Familie lasse sich nicht allein über ein starres Ideal definieren, sondern vor allem über Liebe, Verantwortung und Fürsorge.
Die Organisation „Them Before Us“ verteidigt ihre Kampagne dagegen offensiv. Sie vertritt die Auffassung, Kinder hätten grundsätzlich ein Recht darauf, von ihrer biologischen Mutter und ihrem biologischen Vater großgezogen zu werden. Die Gruppe lehnt deshalb unter anderem die Ehe für alle, Leihmutterschaft und künstliche Befruchtung ab. Gründerin Katy Faust ist seit Jahren für ihre ablehnende Haltung gegenüber der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare bekannt.
Der Fall zeigt einmal mehr, wie kontrovers gesellschaftliche Debatten über Familienmodelle in den USA geführt werden. Während konservative Gruppen ihre Position als Einsatz für traditionelle Familienstrukturen verstehen, sehen viele Kritikerinnen und Kritiker in solchen Kampagnen eine gezielte Abwertung von Millionen Familien, deren Alltag längst von anderen Lebensrealitäten geprägt ist.
Unabhängig von politischen oder weltanschaulichen Überzeugungen bleibt dabei eine Frage im Mittelpunkt: Was macht eine Familie aus? Für viele Menschen ist die Antwort klar. Nicht die Zusammensetzung einer Familie entscheidet über das Wohl eines Kindes, sondern ob es in einem Umfeld aufwächst, das von Liebe, Sicherheit, Respekt und Verantwortung geprägt ist.
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News Redaktion
