+++ Zurück am Ort der Tragödie +++ Begegnung mit einem Ersthelfer im Tiergarten

An diesem Montag kehrten wir noch einmal in den Großen Tiergarten zurück.

Nach einem Hinweis der Polizei konnten wir den Bereich betreten, der zuvor für die Spurensicherung abgesperrt war. Es war derselbe Ort, an dem sich die Tragödie ereignet hatte.

Schon beim Betreten des Geländes lag eine bedrückende Stimmung über dem Parkstück. Zwischen abgestorbenem Laub, Ästen und den Spuren der vergangenen Tage wurde einem bewusst, dass hier Menschen um ihr Leben gekämpft hatten.

An einer Stelle trafen wir auf drei Frauen und einen Mann. Zunächst standen sie schweigend beieinander aber dann unterhielten sie sich leise.

Im Gespräch erfuhren wir, warum dieser Ort für den Mann eine so besondere Bedeutung hatte.

Er sagte, er kenne diesen Platz bereits aus der Nacht der Tat. Nach seinen Schilderungen gehörte er zu den Ersthelfern, die unmittelbar nach dem Geschehen versuchten, einer schwer verletzten Frau das Leben zu retten. Trotz aller Bemühungen sei sie noch vor Ort verstorben. Sie könnte nicht reanimiert werden.

In diesem Moment wurde uns erneut bewusst, dass nicht nur Angehörige, Zeuginnen und Zeugen oder die Community mit den Ereignissen ringen.
Auch Menschen, die spontan geholfen haben, tragen die Bilder dieses Abends bis heute mit sich.

Der Ersthelfer schilderte uns seine Erinnerungen an die dramatischen Minuten. Seine Schilderungen machen deutlich, wie chaotisch und belastend die Situation gewesen sein muss.

Noch immer sind an einigen Bäumen deutliche Beschädigungen zu erkennen. Aber an einem sind die Beschädigungen besonders schlimm. Kratzspuren im Holz und Reifenspuren im Boden erinnern daran, welche Gewalt sich hier abgespielt hat. Auch Tage später sind diese Spuren noch sichtbar.

Direkt an einem Ast auf dem Boden liegen Blumen. Zwei Sonnenblumen waren bereits niedergelegt worden. Auch wir haben dort Blumen abgelegt – als Zeichen des Gedenkens an die Frau, die an diesem Ort ihr Leben verlor, und an alle Menschen, deren Leben durch diese Ereignisse für immer verändert wurde.
Der Ort dieser Tragödie, dieses schlimmen Schicksals ist viele Meter hinter den Orten, an denen die Menschen gedenken

Der Tiergarten ist heute wieder voller Menschen. Viele von ihnen kommen gezielt mit Blumen, selbstgeschriebenen Texten und Kerzen. Sie versammeln sich, trauern gemeinsam nach dieser schlimmen Samstagnacht.

Wir von Radio QueerLive fahren jetzt zu einer Mahnwache und unsere Gedanken sind immer noch an den anonymen Ort im Park, wo eine Mutter ihr Leben verlor.

Wir haben einige Bilder mit Texten versehen.

Radio QueerLive
Die Redaktion